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Charité: Deutschlands erste Adresse bei gefährlichen Infektionskrankheiten

Medizin

Warum ein Ebola-Patient aus den USA in der Berliner Charité behandelt wird

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    Der Ebola-Patient aus den USA wird aktuell in der Berliner Charité behandelt.
    Der Ebola-Patient aus den USA wird aktuell in der Berliner Charité behandelt. Foto: Sebastian Gollnow, dpa (Archivbild)

    Sogar der amerikanische Außenminister ließ es sich nicht nehmen, Deutschland zu loben. „Vielen Dank an Bundeskanzler Merz und unsere Freunde in Deutschland für ihre schnelle Unterstützung bei der Versorgung der Amerikaner, die von dem Ebola-Ausbruch betroffen sind“, erklärte Marco Rubio. „Wir sind dankbar für Ihre Partnerschaft.“ An der Berliner Charité wird ein mit dem gefährlichen Virus infizierter Amerikaner behandelt.

    Natürlich an der Charité, wo sonst? Deutschlands bekanntestes Krankenhaus (die Schwarzwaldklinik gibt es nur im Film) ist die erste Adresse, an die es geht, wenn es ernst wird. Doch was macht dieses Krankenhaus so besonders? Die Liste der berühmten Patienten ist lang: Altkanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, SED-Chef Erich Honecker. Otto von Bismarck ließ sich von Charité-Medizinern behandeln, obwohl er Ärzten grundsätzlich misstraute. Vor sechs Jahren wurde der russische Oppositionspolitiker Alexei Nawalny in der Charité gerettet, nachdem er in seiner Heimat vergiftet wurde.

    Charité entwickelt sich aus Pesthaus zu Spezialklinik für Infektionen

    Seinen Namen erhielt das Haus durch königlichen Erlass. „Es soll das Haus die Charité heißen“, bestimmte Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. im Jahre 1727. Damals wollten die europäischen Fürsten alle so sein wie die Monarchen Frankreichs. Charité ist französisch für Caritas oder Nächstenliebe. In zwei Jahren feiert die Klinik ihren 300. Geburtstag. Ihr Ursprung: Ein Pesthaus. Schon am Anfang ging es um Behandlung und Eindämmung gefährlicher Erreger. Daraus hat sich eine Spezialisierung entwickelt, die bis heute trägt, und den Ruf des Hauses begründet.

    Jüngstes Beispiel dafür ist der Fall eines amerikanischen Ebola-Patienten. Der Arzt aus den USA infizierte sich bei seiner Arbeit im Kongo mit dem Erreger. Zur Behandlung ging es für ihn nicht zurück in die Vereinigten Staaten, sondern nach Berlin – an die Charité. Dass ausgerechnet Berlin statt Atlanta oder Omaha auf dem Flugplan stand, wirkt zunächst überraschend. Schließlich verfügen die USA über eigene Hochsicherheitsstationen; in der Vergangenheit wurden infizierte Helfer oft zurückgeholt. Doch die Berliner Charité zählt zu den ersten Anlaufstellen für besondere Fälle bei Infektionskrankheiten – und ihr Ruf reicht weit zurück.

    Große Namen prägten und prägen die Berliner Charité

    Robert Koch entdeckte im ausgehenden 19. Jahrhundert das Tuberkulose-Bakterium. Das für ihn eigens gegründete Preußische Institut für Infektionskrankheiten war zunächst an der Charité angesiedelt. Heute heißt die Einrichtung Robert Koch-Institut (RKI) und ist die oberste Seuchenschutzbehörde Deutschlands. Während der Corona-Pandemie kannte jeder die drei Buchstaben, mit denen das Institut abgekürzt wird. Kochs Freund Paul Ehrlich und der Koch-Schüler Emil von Behring sind ebenfalls Giganten der Immunologie. Behring entwickelte ein Mittel gegen Diphtherie und zusammen mit Ehrlich ein Serum gegen Tetanus. Alle drei Forscher wurden für ihre Arbeiten mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

    Die Liste der an der Charité arbeitenden Ärzte liest sich wie die Bestenliste der deutschen Medizin. Hufeland, Schönlein, Virchow, Sauerbruch und Creutzfeldt. Infektionskrankheiten blieben ein Schwerpunkt der Forschung. In den 30er Jahren gelang die erste Aufnahme eines Virus mit einem Elektronenmikroskop. Und im Jahr 1958 wurde das erste Institut für Virologie an einem deutschen Krankenhaus, an der Charité begründet. Der heutige Direktor ist Christian Drosten, der bekannteste Erklärer des Coronavirus hierzulande. 

    Dort, wo gerade der amerikanische Ebola-Patient behandelt wird, gab es schon früher Isolierstationen. Der Standard heute ist ein ganz anderer, doch die hochansteckenden Infizierten werden wie damals auf dem Campus der Virchow-Klinik im Stadtteil Wedding behandelt, die zur Charité gehört. Nach Informationen unserer Zeitung ist der Ebola-Patient am frühen Mittwochmorgen in der Sonderisolierstation eingetroffen. Die Station, die unter allerhöchsten Sicherheitsvorkehrungen arbeitet, ist nicht der Tropenmedizin, sondern der Infektiologie zugeordnet und nach eigener Darstellung mit 20 Betten die größte Einrichtung dieser Art in Deutschland. Sie gilt seit Jahren als eines der anerkanntesten Häuser Europas – und als eine der wenigen Spezialeinrichtungen in Deutschland, die für hochinfektiöse Erkrankungen auf hohem Niveau vorbereitet sind.

    Wie Ebola behandeln, wenn es jemand bereits hat

    Beim aktuellen Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda handelt es sich nach Angaben des RKI um das Bundibugyo-Virus (BDBV), eine von fünf Varianten des Ebolavirus. Die Erkrankung beginnt mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Müdigkeit, Gliederschmerzen, später können Erbrechen und Durchfall sowie Rötung der Bindehaut und Ausschlag folgen. Die Weltgesundheitsorganisation hat wegen des Ausbruchs der Seuche den Notstand ausgerufen.

    Die Infektionen mit dieser Variante führen seltener zum Tod als andere Ebola-Varianten, doch sie ist dennoch hochgefährlich. Das RKI spricht von einer Sterblichkeitsrate zwischen 30 und 40 Prozent. Zum Vergleich: Weltweit starben rund 1 Prozent der mit Corona Angesteckten. Bislang gibt es noch keine spezifischen Behandlungsmöglichkeiten für die BDBV-Infektion. Es existiere zwar bereits ein Impfstoff-Kandidat, so das RKI, aber zugelassen sei dieser noch nicht. Die Übertragung des Virus zu verhindern, ist daher oft eine zentrale Maßnahme. Die Isolierstation der Charité ist dafür gemacht.

    Der internationale Ruf von Deutschlands bekanntester Klinik beruht nicht nur auf seiner mit Nobelpreisen und bahnbrechenden Entdeckungen gespickten Geschichte, sondern auch auf der heutigen Ausstattung, spezialisierten Teams und der engen Verzahnung von Klinik und Forschung. Diese Kombination ist es, die bei außergewöhnlichen Fällen immer wieder den Ausschlag gibt – und Patienten aus dem In- und Ausland nach Berlin führt.

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