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Fake-Bilder bei ARD und ZDF: „Hätte nicht passieren dürfen“

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Fake-Bilder bei ARD und ZDF: Was ist bloß bei den Öffentlich-Rechtlichen los?

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    Angela Merkel (links) auf dem CDU-Bundesparteitag neben Annegret Kramp-Karrenbauer.
    Angela Merkel (links) auf dem CDU-Bundesparteitag neben Annegret Kramp-Karrenbauer. Foto: Kay Nietfeld, dpa

    Die Frage, die sich viele gerade stellen, ist simpel: Was ist da los bei ARD und ZDF? Die Antworten darauf fallen unterschiedlich aus. Aber eines ist in den vergangenen Tagen klar geworden: Der Schaden für die beitragsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sender ist groß. Und zwar, weil ihre Glaubwürdigkeit berührt ist. Umso stärker noch, weil zwei prominente Nachrichtenformate aufgrund gravierender Fehler Schlagzeilen in eigener Sache machen. Schlagzeilen wie: „Falsches Bild, schon wieder“ (Süddeutsche Zeitung) oder „Der ,Relotius-Moment‘“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Claas Relotius hatte mit seinen Fälschungen dem Spiegel eine massive Krise beschert.

    Was los war? Erst zeigte das „heute journal“ des ZDF einen Beitrag seiner New Yorker Studioleiterin Nicola Albrecht. Es ging um das brutale Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE gegen Immigranten in den USA. In dem Beitrag war ein Video eines – angeblichen – ICE-Einsatzes zu sehen, in dem eine Frau abgeführt wird. Ihre Kinder, zwei junge Mädchen, halten sich entsetzt an ihr fest. Es ist eine verstörende Szene, ein herzzerreißendes Drama. Nur: Es hat sich nie zugetragen. Das Video war von einer Künstlichen Intelligenz erzeugt worden, Zuschauer wurden darüber nicht informiert. Überdies verwendete Albrecht eine echte Szene, die jedoch von einer Festnahme in Florida aus dem Jahr 2022 stammte.

    ZDF-Chefredakteurin Schausten: „in keiner Weise irgendeine Fälschungs- oder Manipulationsabsicht“

    Dann sendete die ARD, fünf Tage später am 20. Februar, in ihrem „Bericht aus Berlin“ Bilder einer klatschenden Angela Merkel auf dem CDU-Bundesparteitag zu dem Text: „Das war er, der ganz besondere Moment beim Parteitag. Friedrich Merz wird mit gut 91 Prozent zum Parteichef gewählt.“ Das Problem: Die frühere Kanzlerin, die mit Merz in einem angespannten Verhältnis steht, war zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr vor Ort. Der Text des Beitrags ging so weiter: „Die CDU hat beschlossen: Egal, was vorher war, jetzt zeigen wir Geschlossenheit.“

    Bei der ARD sprach man von einem Fehler, den man nach der Sendung bemerkt und darauf reagiert habe. Auf einer Internetseite des ARD-Hauptstadtstudios für Korrekturen finden sich einige Sätze dazu, zudem der Satz: „Wir bitten um Entschuldigung.“ Zu deutlich größeren, auch internen Debatten führte der ZDF-Beitrag. Wegen schwerwiegender Verstöße gegen eigene Richtlinien und journalistische Standards wurde Albrecht mit sofortiger Wirkung abberufen. Claus Kleber, ehemaliger Moderator des „heute journal“, verteidigte diese hingegen. Ihr sei „ein schlimmer Fehler passiert, wie er in unserem Geschäft auch den Besten passieren kann“. Hatte das ZDF den Vorgang zunächst mit „technischen“ Gründen wegzuerklären versucht, kündigte ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten schließlich einen „Maßnahmenkatalog“ an.

    Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sprach sie nun von einem Fehler Albrechts, der nicht hätte passieren dürfen. Auch auf redaktioneller Seite habe es Mängel gegeben, das könne „arbeitsrechtlich noch Konsequenzen haben“. Albrecht sei weiter Redakteurin des ZDF. „Ich lasse sie nicht fallen.“ Schausten betonte, dass sie ihr „in keiner Weise irgendeine Fälschungs- oder Manipulationsabsicht“ unterstelle.

    „Der Fehler von Nicola Albrecht hätte aber nicht passieren dürfen“, sagte ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten in einem Interview.
    „Der Fehler von Nicola Albrecht hätte aber nicht passieren dürfen“, sagte ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten in einem Interview. Foto: ZDF/Markus Hintzen

    Auf die Frage, was der Bayerische Rundfunk tue, um in seinen Nachrichtenformaten Fehler wie die in „heute journal“ und „Bericht aus Berlin“ zu vermeiden, antwortete ein Sprecher: „Unsere Nachrichtenbeiträge durchlaufen mehrere klar definierte Abnahme- und Kontrollinstanzen, prinzipiell gilt das Mehr-Augen-Prinzip.“ Er ergänzte: „Wie in allen Bereichen des Lebens lassen sich auch im Journalismus Fehler nie 100-prozentig vermeiden. Falls trotz aller Vorkehrungen einmal ein Fehler passiert, gehen wir transparent damit um.“

    Rundfunkrätin Sanne Kurz: „Wem glauben wir noch was? Darum geht es eigentlich“

    Sanne Kurz, medienpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen und BR-Rundfunkrätin, hält die Aufregung um die beiden Beiträge für „unbedingt angebracht“ – „in einer Zeit, in der ,wahr‘ und ,falsch‘ Kampfbegriffe geworden sind und Vertrauen in Quellen die einzige Währung, an die man noch glauben kann“. Sie sagte unserer Redaktion: „Wem glauben wir noch was? Oder wem glauben wir überhaupt etwas? Darum geht es eigentlich.“ Als Dokumentarfilmerin wisse sie, dass man etwa durch Schnitte „eine Geschichte bauen“ könne. Schon die Wahl der Perspektive oder der Kamera-Winkel beeinflussten die Wahrnehmung.

    Was den BR angehe, sei das Thema „KI und journalistische Qualität“ immer wieder im Rundfunkrat diskutiert worden. Kurz, die in dem Kontrollgremium nicht mit Kritik am Sender spart, lobt ihn: Der BR habe sich im Bereich KI früh eigene Richtlinien gegeben und damit innerhalb der ARD eine Führungsrolle übernommen.

    Auch die Redaktionen der Mediengruppe Pressedruck, in der Augsburger Allgemeine, Main-Post und Südkurier erscheinen, folgen seit Jahren „KI-Leitlinien“. In denen heißt es unter anderem: „Bilder, Illustrationen und multimediale Inhalte, die mithilfe von KI generiert sind, kennzeichnen wir eindeutig und transparent.“ Sowie: „Zugleich sehen wir uns in der Verantwortung, die Verbreitung von Plagiaten und Desinformation durch KI zu verhindern.“

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