Startseite
Icon Pfeil nach unten
Panorama
Icon Pfeil nach unten

Interview: Augsburg Memes: "Wir bohren auch ein wenig mit dem Finger in der Wunde"

Interview

Augsburg Memes: "Wir bohren auch ein wenig mit dem Finger in der Wunde"

    • |
    Die Macher von Augsburg Memes wollen vor allem zwei Dinge: unterhalten und zeigen, was in Augsburg passiert. Aber sie thematisieren mit ihren Memes auch kontroverse Themen, wie etwa die Klimapolitik.
    Die Macher von Augsburg Memes wollen vor allem zwei Dinge: unterhalten und zeigen, was in Augsburg passiert. Aber sie thematisieren mit ihren Memes auch kontroverse Themen, wie etwa die Klimapolitik. Foto: Fabian Sommer, dpa (Symbolbild)

    Ein Foto von Olaf Scholz mit Augenklappe – laut dem Text darüber hat er sich seine Verletzung beim Autoscooterfahren auf dem Plärrer zugezogen. Nur eines von vielen Beispielen für ein sogenanntes Meme. Das sind Bilder, Fotos oder Videos im Internet, häufig mit Text versehen und in einen anderen Kontext gesetzt. So erhalten Inhalte eine neue, meist humoristische oder sarkastische Bedeutung. Die Instagram-Seite "Augsburg Memes" veräppelt typische

    Wie kamt ihr dazu, die Instagram-Seite Augsburg Memes zu betreiben?

    Markus: Wir hatten davor schon beruflich mit Memes gearbeitet und gemerkt: Damit kann man sehr authentisch und auf sympathische Weise Menschen erreichen. Mir hat es viel Spaß macht, Memes zu erstellen. Wir kannten jemanden, der die Seite damals geführt hat, und haben ihn gefragt, ob wir sie übernehmen können. Wir haben dann mehr Zeit und Arbeit reingesteckt, um das Ganze größer zu machen. 

    Inzwischen habt ihr mehr als 37.000 Follower.

    Peter: Ich finde es sehr cool, wie Markus den Content kreiert hat, sodass unsere Seite von 10.000 auf 37.000 Follower wachsen konnte. Dieses Jahr haben wir mehr als zehn Millionen Instagram-Konten erreicht. Das ist schon eine Leistung. 

    Markus: Natürlich ist das eine Art Bestätigung und ein super Gefühl, wenn wir bei einem Video mehr als fünf Millionen Aufrufe haben. Wir freuen uns, dass wir so viele Leute erreichen. Es geht uns aber gar nicht so sehr um die Zahlen. Wichtiger ist uns positives Feedback in Worten, in Komplimenten. Ein "Hey, ich feier' euch! Cooler Content" ist toll. Wir haben auch die "Basst-scho-Sticker" ins Leben gerufen, auf denen steht: "Basst scho, aber waren Sie schon mal in Augsburg?" Unser Ziel ist es, unsere Stadt in die Welt hinauszutragen und das funktioniert sehr gut: Wir bekommen Einsendungen, die zeigen, überall auf der Welt kleben unsere Sticker: in New York, Neuseeland, Tokio. Und das ist ein riesiges Kompliment. 

    Ihr sprecht von "eurer Stadt". Kommt ihr ursprünglich aus Augsburg?

    Peter: Wir haben beide in Augsburg studiert und wohnen schon lange hier. 

    Woher holt ihr eure Inspiration?

    Markus: Das Wichtigste ist: selbst Nutzer sein, Content konsumieren, eine hohe Bildschirmzeit haben. Auch wenn das häufig eher negativ konnotiert ist. Aber in dem Zusammenhang ist das nötig. Nur weil wir uns aktuelle Inhalte anschauen, uns darüber informieren, was in Augsburg und in der Welt passiert, und auch auf anderen Meme-Seiten vorbeischauen, dadurch können Ideen entstehen.

    Welches Ziel verfolgt ihr mit Augsburg Memes?

    Markus: Uns ist vor allem wichtig, zu unterhalten, den Zeitgeist zu treffen und zu zeigen: Das passiert um uns herum in Augsburg. Immer wieder bohren wir auch ein wenig mit dem Finger in der Wunde, sprechen Missstände an und behandeln kontroverse Themen. Zum Beispiel die Klimapolitik. Wir möchten dabei aber nicht parteiisch oder meinungsgebend sein, sondern unterhaltend. Außerdem wollen wir eine Plattform für Diskussionen bieten. 

    Peter: Es geht bei den Memes aber nicht darum, unsere persönliche Meinung zu verbreiten. Vor allem bei Klimaposts nutzen Leute die Kommentarfunktion immer wieder, um politische Meinungsmache zu betreiben. Aber das unterstützen wir nicht. Da gehen wir dazwischen und löschen Kommentare, wenn sie beleidigend, hetzerisch oder diskriminierend sind. 

    Wollt ihr mit der Seite auch Geld verdienen? 

    Peter: Abgesehen vom Unterhaltungswert planen wir, mit der Seite eine Plattform für Unternehmen aufzubauen. Über Augsburg Memes können sie nach jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern suchen. Instagram ist die beste Möglichkeit, um punktuell sehr schnell sehr viele junge Menschen zu erreichen. Es gibt in vielen Branchen ein Überangebot an Jobs. Bei all den Ausschreibungen blicken potenzielle Bewerberinnen und Bewerber oft nicht durch. Gerade über eine Seite wie unsere könnten Follower schnell einen Überblick gewinnen. Wir selektieren die Unternehmen und ihre Angebote und wollen sie über Augsburg Memes an die User bringen. 

    Ihr erstellt nicht nur selbst Inhalte, sondern bekommt auch Fotos und Videos von Followern geschickt.

    Markus: Genau. Was uns sehr wichtig ist: Wir wollen eine Community bilden. Deshalb ist Augsburg Memes auch keine Einbahnstraße. Die Leute schicken uns häufig Inhalte, darüber freuen wir uns sehr. Nur so können wir sehen, was in der Stadt passiert. Wir können nicht immer vor Ort sein und brauchen jede Augsburgerin und jeden Augsburger, die oder der unser Follower ist und uns Sachen schickt. Wir versuchen dann, die Einsendung entweder im Original zu posten oder als Meme zu verarbeiten und Metaebenen einzubauen. Nicht immer passen die Einsendungen zu unserem Stil oder treffen unseren Geschmack, aber: Jeder bekommt von uns eine Antwort.

    Klingt nach viel Arbeit. Wie viel Zeit investiert ihr in euren Account?

    Markus: Wenn nicht viel passiert, sind es etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde Community-Management am Tag. Wenn richtig viel los ist, können es auch mal gut zwei Stunden täglich sein. In einer richtig actionreichen Woche kommen wir auf 15 bis 20 Stunden wöchentlich. 

    Immer wieder sieht man auch Inhalte auf eurer Seite, auf denen Gesichter verpixelt oder mit einem Smiley verdeckt sind.

    Markus: Uns ist wichtig, niemanden bloßzustellen in Situationen, die vielleicht nicht so vorteilhaft für die- oder denjenigen sind. Wir zensieren auch dann, wenn wir wenige Personen in den Fokus rücken. Würde sich dennoch jemand auf unseren Fotos oder Videos erkennen und uns schreiben, dass er nicht mit Bild im Internet sein will, würden wir das sofort respektieren. 

    Was macht Memes generell so erfolgreich?

    Markus: Die Tatsache, dass viele Menschen sich mit bestimmten Alltagssituationen, die Memes darstellen, identifizieren können. Über manches hat man mit den besten Freunden gesprochen und kriegt dann von ihnen ein Meme geschickt, das genau dieses Thema schnell auf den Punkt bringt. 

    Peter: Memes sind auch eine Art Währung, mit der man andere zum Lachen bringen kann. Inzwischen werden sie ständig rumgeschickt. Es gibt schon Memes über Memes, die man sich schickt, die darstellen sollen, dass man sich nur noch Memes schickt und gar nicht mehr miteinander redet. Das ist dann ein richtiges Memes-Ping-Pong. Ich habe Chats, da weiß ich gar nicht, wie es der Person geht, wir schicken uns seit Wochen einfach nur Memes hin und her (lacht). Das Leben ist manchmal schlimm genug und Memes oder Humor können helfen, Leid zu verarbeiten. Sie sind eine Art einfache Sprache. Es ist nicht immer alles lustig, was wir posten, aber für Augsburg relevant. 

    Welche Memes funktionieren auf eurer Seite besonders gut?

    Peter: Das sind vor allem Videos oder Fotos übers Wetter und über Umweltkatastrophen. Das zeigt, dass viele Menschen Interesse am Thema Klimawandel haben. Vor allem bei jungen Menschen, unserer Hauptzielgruppe, ist das sehr präsent. Wenn es in Augsburg zu einem Unwetter kommt, haben wir pro Stunde schon mal 200 Privatnachrichten mit Einsendungen. 

    Markus: Wir haben eine junge, eher studentische Hauptzielgruppe, aber wir möchten niemanden ausschließen und versuchen auch andere Alters- und Zielgruppen anzusprechen. Immer mal wieder streuen wir zum Beispiel Themen ein, von denen Leute, die noch an der Uni oder in der Schule sind, nicht wissen können, weil sie zu jung sind. Zum Beispiel, wenn es um den alten Königsplatz geht. Wir sind gerade noch so im Alter der Hauptzielgruppe, geben uns aber auch Mühe, uns zu informieren, was gerade gefragt ist. 

    Icon Galerie
    23 Bilder
    Zehn Jahre ist es her, dass der Augsburger Kö umgebaut wurde. Zeit, in seine Vergangenheit zu blicken. Es gibt eindrucksvolle Bilder.

    Euer Lieblings-Meme?

    Markus: Mir gefällt das Meme mit der Weltkugel besonders gut, wenn es heißt: "Es ist doch nur irgendeine Stadt in Deutschland. Was ist schon dabei?" Dann erscheint Augsburg auf der Landkarte. Ich sehe dann das Meer, den Regenwald und Wolkenkratzer wie in New York. Dieses Meme zu gestalten, hat mir besonders viel Spaß gemacht. Mit dem Sound, den ich dafür erstellt habe, sind jetzt bestimmt 30 bis 40 weitere Reels auf anderen Seiten entstanden. Es ist natürlich sehr cool, wenn man etwas schafft, was dann zum Trend wird. 

    Abgesehen vom imaginären Meer und Regenwald – was gefällt euch an Augsburg so gut?

    Peter: Die Stadt an sich ist sehr schön. Allerdings finde ich, dass die Entscheiderinnen und Entscheider mehr für die Kultur machen könnten – speziell was junge Leute betrifft. Schließlich ist eine Stadt auch abhängig von der Entwicklung junger Menschen. Und die muss man fördern. Dazu gehört für mich nicht nur, dass es Hochschulen gibt, sondern dass das kulturelle Programm passt; dass auch eine Barszene erblüht. Wenn ich zum Beispiel durch die Annastraße laufe, finde ich nicht, dass Augsburg so gut mit anderen Innenstädten mithalten kann. 

    Markus: Ich hatte eine tolle Studentenzeit hier. Anfangs musste ich mit den Augsburgern erst einmal warm werden, aber nach inzwischen zehn Jahren verstehe ich sie. Nicht nur den Dialekt, sondern auch, wie sie Herzlichkeit ausdrücken. Dafür brauchen sie manchmal ein bisschen Zeit, aber dann sind sie umso treuer. Das mag ich sehr. Und die Tatsache, dass Seen und Berge nicht so weit entfernt sind, ist traumhaft.

    Diskutieren Sie mit
    0 Kommentare
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden