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Interview
13.05.2022

TV-Star Stefanie Stappenbeck: „Ich bin ein bisschen bildschirmmüde“

Schauspielerin Stefanie Stappenbeck spielt die TV-Kommissarin Linett Wachow.
Foto: Annette Riedl, dpa

Exklusiv Stefanie Stappenbeck spielt seit sechs Jahren in der Krimiserie „Ein starkes Team“. Ein Gespräch über Erfolg, ihr Gute-Laune-Geheimnis und ihren eigenen Fernsehkonsum.

Frau Stappenbeck, Sie spielen seit sechs Jahren in der ZDF-Krimireihe „Ein starkes Team“. Diesen Samstag um 20.15 Uhr läuft die nächste Episode. Was hält Sie in der Serie?

Stefanie Stappenbeck: Wirklich? Das kommt mir viel kürzer vor.

Woran liegt das?

Stappenbeck: Diese Figur macht Spaß, und ich habe sie noch immer nicht zur Gänze entdeckt.

Noch nie daran gedacht, auszusteigen?

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Stappenbeck: Nein nie! Ich finde die Reihe noch immer richtig toll, und glücklicherweise lässt sie mir auch noch genug Zeit für andere spannende Projekte und Rollen, die mich erfüllen.

Mit rund 90 Folgen ist die Reihe seit den 90er Jahren erfolgreich. Warum kann sie sich unter den ungezählten Krimis durchsetzen?

Stappenbeck: Ich glaube, wegen des Lokalkolorits. Das bestätigen mir auch viele Leute, die sagen: Ach schön, ein Krimi aus Berlin! Die mögen das Raue und den Witz der Hauptdarsteller. Was das starke Team auch schafft, wenngleich weniger krass als der Münsteraner Tatort, dass auch ein humorvoller Einschlag dabei ist. Es macht den Zuschauern wohl mehr Freude, sich mit dem Elend der Welt zu befassen, wenn es auch etwas gibt, was einen inneren Abstand möglich macht. Außerdem ist es ja so, dass Florian Martens, der Mann, der die Serie hauptsächlich trägt, ins Guinnessbuch der Rekorde gehört.

Inwiefern?

Stappenbeck: Ich glaube, es gibt keinen anderen Schauspieler auf der Welt, der rund 90 Mal in einem 90-Minüter aufgetreten ist.

Wirklich?

Stappenbeck: In kürzeren Formaten vielleicht, aber nicht in so langen. Und er trägt natürlich auch zum ganzen Erfolg wesentlich bei. Otto ist eine große Identifikationsfigur, mit der man gerne mitgeht. Und Florian ist einfach ein unfassbar guter Schauspieler.

"Ein starkes Team": Stefanie Stappenbeck und Florian Martens.
Foto: ZDF und Katrin Knoke

Warum stehen Deutsche überhaupt so auf Krimis? Reicht ihnen der Nervenkitzel im wirklichen Leben nicht aus?

Stappenbeck: Wir lassen uns einfach gerne Geschichten erzählen, aus denen wir etwas lernen können, was wir nicht selber durchmachen müssen. Über Krimis lassen sich natürlich ganz gut auch Dramen transportieren. Mit den Krimis kommt Spannung und Drive rein. Darum mögen wir das. Außerdem kann man bei Krimis wunderbar mitforschen und mitknobeln.

Außerdem enden Krimis meist gut.

Stappenbeck: Stimmt, der Täter wird eigentlich in der Regel gefunden. Das ist beruhigend für die Nerven.

Schauen Sie privat auch Krimis oder eher Tierdokumentationen?

Stappenbeck (lacht): Weder noch. Ich bin total podcastsüchtig.

Nein, wirklich!

Stappenbeck: Ja, im Ernst. Ich habe während der Pandemie begonnen, beim Spazierengehen Podcasts zu hören. Es gibt einen deutschen Podcast, den ich sehr gerne mag: „Apokalypse & Filterkaffee“. Micky Beisenherz gelingt es, die tägliche Nachrichtenflut mit einem Gast einzuordnen. Und das auch immer auf eine sehr menschliche und kluge Art. Ansonsten höre ich viele wissenschaftliche, politische und philosophische Podcasts, oft amerikanische. Es gibt da so viele Möglichkeiten, wo man unfassbar viel von den Besten lernen kann. Ich mag auch, dass beim Podcast meine Augen nicht so gefordert sind. Ich ertrage diese Reizüberflutung durch Bildschirme nicht mehr.

Sie schauen also selbst nicht fern?

Stappenbeck: Nein, im Moment nicht so viel. Ich bin ein bisschen bildschirmmüde.

Können Sie eigentlich schießen? Lernt man so etwas vor dem Krimieinsatz?

Stappenbeck: Lustigerweise war ich mit elf Jahren Berliner Kreismeisterin im Luftgewehrschießen.

Das ist ja interessant.

Stappenbeck: Ja, da bin ich sehr stolz. Die dachten, dass ein Junge gewinnen wird, und so bekam ich eine Elektro-Eisenbahn als Preis. Für „Ein starkes Team“ hatten wir auch Schießtrainings. Und wenn wir Szenen mit Waffen haben, ist immer ein Polizist vor Ort. Übrigens, wie man eine Waffe hält, dass verändert sich mit den Jahren immer wieder.

Was heißt das?

Stappenbeck: Man schießt mal breitbeinig, mal ein Bein nach vorne, dann die Waffe nah am Gesicht, dann wieder weiter weg.

Sie sind in der DDR geboren und in der Schule mehr oder weniger zufällig für den Film gecastet worden. Hätten Sie sich auch einen anderen Beruf als Schauspielerin vorstellen können?

Stappenbeck: Ich habe oft darüber nachgedacht. Der Beruf ist mir tatsächlich passiert. Ich könnte mir vorstellen, dass auch Journalistin etwas für mich sein könnte, in mir schlummert auch noch eine Regisseurin und Autorin. Zudem bin ich medizinisch interessiert. Mal schauen, was die Zukunft noch so bringt.

Man sagt Ihnen nach, Sie hätten keine Starallüren und meist gute Laune. Verraten Sie Ihr Gute-Laune-Geheimnis?

Stappenbeck: Ich bin sozusagen mit einem sonnigen Gemüt geboren. Es gab auch einige dunkle Jahre. Doch ich habe mir Hilfe geholt. Seit 20 Jahren lasse ich mich durch verschiedene Coachings beruflich und privat begleiten. Ich glaube, das ist mein eigentliches Geheimnis. Alles, was mir aufstößt oder was mich schmerzt, verwirrt oder verunsichert, bespreche ich mit Fachkräften. So muss ich mit diesen Problemen privat niemanden belasten.

Sie machen auch selbst eine Ausbildung, wie sagt man, zum Coach?

Stappenbeck: Ich bin ein Fan von Aufstellungen. Das gibt es inzwischen nicht mehr nur für Familien, sondern auch für Unternehmen oder für Schauspieler, um sich Rollen anzunähern. Und das lerne ich gerade.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Stappenbeck: Etwa drei Jahre. Zu zwei Drittel bin ich durch. Ich wende das Gelernte bei Freunden schon an. Aber ich bin noch nicht bereit, Leute, die ich nicht kenne, zu begleiten. Auf der anderen Seite merke ich, dass ich im Freundeskreis schon allerhand Gutes ausrichten kann.

Zur Person Stefanie Stappenbeck, 48, geboren in Potsdam, ist durch zahlreiche Fernsehrollen bekannt geworden. In „Ein starkes Team“spielt sie seit März 2016 die Kommissarin Linett Wachow. Sie lebt in Berlin, ist geschieden und hat eine Tochter.

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