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Interview
08.03.2023

Warum sind Frauen in der Geschichte oft unsichtbar, Frau Winter?

In Kassel wird die Statue von Elisabeth Selbert enthüllt. Sie war eine der Mütter des Grundgesetzes.
Foto: Swen Pförtner, dpa

Jedes Jahrhundert hat bekannte Künstler, Philosophen oder Forscher. Meist Männer. Und die Frauen? Sie muss man gezielt suchen, sagt Katrin Winter.

Frau Winter, bei welcher Biografie über eine Frau dachten Sie sich: Wie kann es sein, dass niemand sie kennt?

Katrin Winter: Ehrlich gesagt, passiert mir das immer wieder. Deshalb sage ich Ihnen jetzt die letzte Frau, bei der mir das passiert ist. Wir richten im Museum für Frauengeschichte gerade eine Ausstellung zu neun Archäologinnen ein. Dort bin ich auf den Namen Sybille Mertens-Schaaffhausen gestoßen. Sie ist in Köln geboren, lebte eine Zeit in Genua und Rom. Sie kam aus einer relativ reichen Familie, hatte aber keine einfache Kindheit. Ihre Mutter ist bei der Geburt gestorben, ihr Vater hat wieder geheiratet. Die Stiefmutter war sehr streng und auch der Vater verstarb bald. Aber sie hatte insofern Glück, als sich der Kölner Ferdinand Franz Wallraf um sie kümmerte. Er brachte sie in Kontakt mit Kunst und weckte ihr Interesse für Geschichte. Und obwohl es damals noch keine höhere Schulbildung oder die Möglichkeit zum Studieren für Frauen gab, eignete sich Mertens-Schaaffhausen sehr viel zum Thema Archäologie an. Sie sammelte Münzen und Schriften, besuchte in Italien und auch im Rheinland Ausgrabungsstätten und wurde immer wieder von männlichen Archäologen als Beraterin hinzugezogen. Das ist schon besonders für die damalige Zeit. Ihr Name taucht immer wieder bei anderen Ereignissen auf: Sie war Mitglied im Kölner Dombau-Verein und gründete auch den Kölner Karneval mit. Sie war eine wirkliche Allrounderin.

Wenn man in die Geschichte blickt, könnte man meinen, es gab nur männliche Philosophen, Komponisten, Künstler oder Forscher. Wie kommt es, das Frauen so unsichtbar sind?

Winter: Die Antwort ist komplexer, weil verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Zum einen ist es so, dass es lange Zeit in der Mehrheit wirklich männliche Philosophen, Künstler und Forscher gab. Das lag einfach daran, dass für Frauen keine höhere Bildung als die Volksschule vorgesehen war. Lange Zeit durften Frauen ja ohne die Zustimmung ihres Mannes nicht mal einen Beruf ausüben. Dennoch haben es einige Frauen geschafft, sich weiterzubilden – oft mit der Hilfe ihrer Väter oder Mütter. Sie sind in ihrem Feld für eine Zeit sehr erfolgreich und bekannt gewesen. Doch dann legte sich der Nebel der Geschichte über sie.

Und woher kam dieser Nebel?

Winter: Damit wir uns an etwas erinnern, muss es in irgendeiner Form aufgeschrieben oder festgehalten worden sein. Und diese Geschichtsschreibung war lange Zeit männlich dominiert. Und ich würde sagen, ihr Blick ist nicht auf Frauen gefallen. Dazu kam noch etwas anderes: Als im 19. Jahrhundert das Interesse an der Vergangenheit wuchs und die Geschichtsforschung begann, spielten Frauen in der Öffentlichkeit kaum eine Rolle. Wenn man es nicht gewohnt ist, dass Frauen sich mit etwas hervortun, dann guckt man auch in der Vergangenheit nicht nach der Leistung von Frauen. Das hat sich erst etwa in den 1970er Jahren geändert, als die Frauenbewegung wuchs. Da fingen Historikerinnen an, den Blick gezielt auf Frauen zu richten. Aber: Um Frauen in der Geschichte zu finden, muss man sie suchen. Erinnern ist sehr selektiv. Und dann kommt noch eine dritte Sache hinzu.

Und die wäre?

Winter: Frauen sind nicht sehr gut darin, ihren Nachlass zu verwalten. Männer regeln oft noch zu Lebzeiten, wer ihre Schriften bekommen soll. Frauen kümmern sich seltener darum. Mein liebstes Beispiel in diesem Zusammenhang sind Clara und Robert Schumann. Zu Lebzeiten war Clara Schumann viel bekannter als ihr Ehemann. Auch weil sie als Pianistin durch ganz Europa reiste. Doch ihr war es immer ein Anliegen, die Werke ihres Mannes aufzuführen und diese herauszugeben. Und so hat sich die Bekanntheit im Laufe der Zeit gedreht.

Katrin Winter sagt: Wer etwas über die Biografien von Frauen erfahren will, muss sehr gezielt suchen.
Foto: Katrin Winter

Eine Ausnahme sind Herrscherinnen: Elizabeth I., Queen Victoria, Katharina die Große, ihre Namen kennt jeder und ihre Leben scheinen ziemlich gut erforscht. Warum ist es bei diesen Frauen anders?

Winter: Um es platt zu sagen: An ihnen führt kein Weg vorbei. Die Geschichtsschreibung hat sich immer mit denen befasst, die an der Spitze stehen. Und wenn das auch mal Frauen waren - weil es keine männlichen Thronfolger gab oder sie die Herrschaft übergangsweise für ihren Sohn übernahmen - dann kennt man sie heute. Aber, um diejenigen sichtbar zu machen, die eine Ebene darunter wirkten, muss man eben ganz bewusst einen Schritt in ihre Richtung tun.

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Wie gelingt es Historikerinnen und Historikern, die Biografien und Werke von Frauen aufzuspüren und diesen Schritt zu gehen?

Winter: Oft ist es so, dass sich jemand mit einem Thema befasst und dann auf eine Frau stößt, die interessant klingt. In so einem Fall beginnt die Spurensuche. Man kann in Nachlässen suchen oder in den Nachlässen und Aufzeichnungen von Personen, die mit der Frau bekannt waren. So ergibt sich nach und nach etwas über die Gesuchte. Oft machen sich nicht nur Historikerinnen auf den Weg. Ein schönes Beispiel ist etwa die Komponistin Emilie Mayer. Sie lebte im 19. Jahrhundert und galt zu ihrer Zeit als der weibliche Beethoven. Die Pianistin Katharina Sellheimer ist auf Werke von ihr gestoßen und war verwundert, noch nie von ihr gehört zu haben. Also machte sie sich auf und spielte am Ende mehrere Stücke von ihr ein. Auch so werden die Werke von Frauen wieder sichtbar.

Sie erwähnten, dass mit der Frauenbewegung in den 70er Jahren auch das Bewusstsein wuchs, sich für Frauenbiografien zu interessieren. Ist das heute vollkommen normal oder immer noch ein Nischeninteresse? 

Winter: Das unterscheidet sich von Institution zu Institution. Ich habe die Erfahrung gemacht: Je jünger Menschen sind, desto selbstverständlicher ist es für sie, auch auf Frauen zu gucken. Aber gerade mit dem Blick auf Museen oder andere Institutionen würde ich mir manchmal mehr Mut wünschen.

Wie meinen Sie das?

Winter: Ich gebe Ihnen ein Beispiel. An der Erstellung des Grundgesetzes haben nur vier Frauen mitgewirkt. Eine von ihnen war Elisabeth Selbert. Ihr haben wir den Satz "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" zu verdanken. In Bonn wurde jüngst ein Platz nach ihr benannt, der Elisabeth-Selbert-Platz. An sich ist das schön. Aber wenn ich den Platz sehe, dann merke ich, das ist ein Alibi. Warum benennen nicht mehr Städte öffentliche Einrichtungen, Straßen und Plätze an prominenten Orten nach Frauen? Da dürften sie sich mehr trauen. Und dann würden Frauengeschichten auch sichtbarer.

Zur Person: Katrin Winter arbeitet im Haus der Frauengeschichte in Bonn. Sie ist dort für die Bildungsarbeit zuständig. Das Museum wurde vor elf Jahren von Annette Kuhn gegründet und beschäftigt sich seither damit, die Biografien von Frauen und queeren Menschen sichtbar zu machen. Gerade arbeiten sie an einer Ausstellung über Frauen im Widerstand gegen die Nationalsozialisten.

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