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Krieg in der Ukraine
22.04.2022

Trotz des Krieges in der Ukraine: Die Türkei umgarnt russische Urlauber

Türkische Fluggesellschaften wie die halbstaatliche Turkish Airlines und die private Airline Pegasus fliegen weiterhin zwischen Russland und der Türkei.
Foto: Roland Weihrauch, picture alliance/dpa

Touristen aus Russland sind die wichtigste Einnahmequelle für Reise-Anbieter am Bosporus. Die türkische Regierung will für die Gäste aus Russland sogar eine Fluggesellschaft gründen.

Die Sonne scheint in Antalya, und an der türkischen Riviera landen trotz des Kriegs in der Ukraine und der Sanktionen gegen ihr Land die ersten Urlauberinnen und Urlauber aus Russland. Wegen hoher Nachfrage zog der russische Reiseveranstalter Anex Tour den Beginn der Saison sogar um zwei Wochen vor und startete seine Pauschalreisen nach Antalya an diesem Wochenende aus Moskau. Weitere Veranstalter und Flugverbindungen aus anderen russischen Städten sollen bis Monatsende dazukommen.

Russische Besucherinnen und Besucher sind willkommen in der Türkei, die sich nicht an Sanktionen gegen Russland beteiligt. Westliche Strafmaßnahmen erschweren allerdings den Flug- und Finanzverkehr zwischen den beiden Ländern. Der türkische Staat will der Branche deshalb helfen, mehr russische Touristen ins Land zu holen.

Aus Russland kommen seit Jahren die meisten Urlaubsgäste an türkische Strände. Mehr als sieben Millionen reisten vor der Covid-Pandemie jährlich in die Türkei; im vergangenen Jahr waren es trotz Pandemie noch fast fünf Millionen, weit vor der zweitstärksten Gruppe der Deutschen mit drei Millionen. Diesen Sommer wollte die Branche eigentlich durchstarten und wieder die Besucherzahlen vor der Krise erreichen oder übertreffen. Der Ukraine-Konflikt hat diese Hoffnungen zerstört, zumal die Ukrainer – zuletzt drittgrößte Urlaubsgruppe – ganz ausbleiben dürften. Zumindest was die Russen angeht, will die Türkei aber nicht aufgeben.

"Interesse der Russen an Urlaub in der Türkei ist sehr groß"

Werbung müsse die Türkei dafür nicht machen, sagte die Chefin des russischen Reiseveranstalter-Verbandes, Maya Lomidze, der türkischen Wirtschaftszeitung Dünya. „Nachdem die meisten anderen Urlaubsziele unseren Touristen jetzt verschlossen sind, ist das Interesse der Russen an Urlaub in der Türkei sehr groß.“

Probleme bereiten die Flugverbindungen, weil viele russische Fluggesellschaften ihre Maschinen von westlichen Leasingfirmen gemietet haben und nicht mehr ins Ausland fliegen können, wo die Flieger beschlagnahmt würden. Nur wenige russische Charterfirmen besitzen eigene Maschinen.

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Türkisches Verkehrsministerium will offenbar neue Fluggesellschaft ausschließlich für russische Touristen gründen

Türkische Fluggesellschaften wie die halbstaatliche Turkish Airlines und die private Airline Pegasus fliegen weiterhin zwischen Russland und der Türkei, sind für Pauschaltouristen aber zu teuer. Russische Reiseveranstalter kaufen deshalb große Kontingente von ihren Sitzen zum Rabattpreis. Der zu Jahresbeginn ausgehandelte Preis für die Sitzkontingente sei für russische Veranstalter inzwischen aber nicht mehr zu bezahlen, sagte Lomidze. Der türkische Staat solle die Sitze auf den Linienflügen subventionieren, um den Preisunterschied zu herkömmlichen Charterflügen auszugleichen, forderte sie. Ankara ist offenbar zu Hilfen bereit.

Das türkische Verkehrsministerium arbeitet laut der Zeitung Sabah auch an der Gründung einer neuen Fluggesellschaft, die ihren Sitz in Antalya haben und ausschließlich russische Touristinnen und Touristen in die Türkei bringen soll. Türkischen Fachmedien zufolge soll die neue Airline „Southwind“ heißen und mit zunächst fünf Maschinen im Mai starten. Reiseveranstalter in Russland sollen einen türkischen Kredit von 300 Millionen Dollar erhalten.

Keine Sorge wegen Zahlungsproblemen

Weniger Sorgen macht sich die Branche über Zahlungsprobleme russischer Touristen. Dass russische Kreditkarten von Mastercard und Visa im Westen nicht mehr angenommen werden, dürfte zwar Individualreisen erschweren, sagte die Tourismusmanagerin Lomidze. 80 Prozent aller russischen Gäste seien aber Pauschalreisende, die alles mit ihren russischen Karten direkt an die russischen Veranstalter bezahlen. „Insofern könnte das sogar Individualreisende ermuntern, auf Pauschalreisen umzusteigen“, sagte Lomidze.

Russische Besucherinnen und Besucher können auch Geld von den türkischen Staatsbanken ziehen, die das russische Kartensystem Mir schon länger akzeptieren. Nächster Schritt müsste es sein, Mir auch bei türkischen Flugveranstaltern, Hotels und Läden zu integrieren, forderte Lomidze. Bei aller Geschäftigkeit bleibt die russische Tourismusmanagerin aber nüchtern, was die Aussichten auf die russische Urlaubssaison in der Türkei angeht: „Wenn wir dieses Jahr auf zwei Millionen russische Urlauber kommen, dann wird das viel sein.“

Alle aktuellen Entwicklungen erfahren Sie jederzeit in unserem Live-Blog zum Krieg in der Ukraine.

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