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Krimi um Timmy: Kann dem Wal doch noch geholfen werden?

Gestrandeter Wal

Timmys wohl letzte Chance: Kann dem Wal noch geholfen werden?

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    Für den vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwal begann am Donnerstag ein neuer Rettungsversuch. Umgesetzt wird das Konzept von einer privaten Initiative.
    Für den vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwal begann am Donnerstag ein neuer Rettungsversuch. Umgesetzt wird das Konzept von einer privaten Initiative. Foto: Philip Dulian, dpa

    Timmy bewegt seit Wochen die Gemüter, on- und offline diskutieren die Menschen über das Schicksal des gestrandeten Buckelwals, Schaulustige reisen an die Küste, wollen sehen, wie es um Timmy steht. Zuletzt wurde deutlich: schlecht. Dennoch wurde am Donnerstag ein – durchaus umstrittener – Rettungsversuch gestartet.

    Dahinter steckt eine private Initiative rund um Mediamarkt-Gründer Walter Gunz, die für die Aktion laut des Umweltministeriums von Mecklenburg-Vorpommern die Verantwortung trägt. Ohne die Aktion werde der Wal in jedem Fall sterben, sagte Gunz. „Wenn man was versucht, dann hat man zumindest die Chance, dass man ihn rettet.“ Unterstützt wird Gunz von Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die aus dem Pferdesport bekannt ist. Man wisse, dass der Rettungsversuch tödlich ausgehen könne, sagte sie. „Aber dieser Zustand jetzt ist für ganz Deutschland, für Menschen mit Empathie und Herz, unerträglich anzusehen.“

    Am Donnerstagmittag begann die Rettungsaktion für Wal Timmy

    Die Rettungsaktion begann am Donnerstagmittag. Sechs Helfer begaben sich im hüfttiefen Wasser zu dem Tier, wie im Livestream von News5 zu sehen war. Der Plan: Luftkissen unter dem Wal anbringen und ihn schonend anheben. Der Wal soll dann auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert und in die Nordsee beziehungsweise in den Atlantik transportiert werden.

    „Ich bin skeptisch gegenüber diesem Versuch der Befreiung des Wals. Von ,Rettung‘ werden wir erst sprechen können, wenn der Wal es unbeschadet schafft, wieder freizuschwimmen und Nahrung aufzunehmen, und zwar über mehrere Wochen. Davon sind wir weit entfernt“, sagte Fabian Ritter, Autor des Buches „Wir Wale“, Meeresbiologe, Walforscher und wissenschaftlicher Leiter des gemeinnützigen Vereins „M.E.E.R.“, unserer Redaktion. „Ich fürchte, hier wird gerade Aktionismus betrieben, der auch eine Gefahr für den Wal sein kann. Ich finde es zudem merkwürdig, dass zu diesem Zeitpunkt keine der bisher beteiligten Experten mit einbezogen wurden.“

    Gutachten: Wal Timmy in sehr schlechtem Zustand

    Das Deutsche Meeresmuseum wurde eigenen Angaben zufolge tatsächlich nicht an der Rettungsaktion beteiligt. „Das Konzept für die nun vorliegenden Pläne liegt dem Deutschen Meeresmuseum nicht vor“, teilte die Einrichtung mit und verwies auf ein gemeinsames Gutachten mit dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung vom vergangenen Samstag. Das sei weiterhin gültig, eine neue Lagebewertung gebe es nicht.

    In dem Gutachten machen die Forscherinnen und Forscher deutlich, dass der Wal in einem sehr schlechten Zustand sei, die Atemfrequenz werde niedriger, die Haut sei stark geschädigt. „Insbesondere aber weisen die wiederholten Strandungen auf ein ernsthaftes Gesundheitsproblem hin und bei Verbringen in tieferes Wasser muss mit einer erneuten Strandung gerechnet werden“, heißt es im Gutachten. Und weiter: „Da die Erfolgsaussichten des Tieres bei einer Lebendbergung aufgrund der genannten Punkte sehr gering sind und mit einem hohen Verletzungsrisiko einhergehen, sollte von einer Lebendbergung des Tieres abgesehen werden.“ Da das Tier mit den mehrfachen Strandungen und Befreiungsaktionen auch von den Netzen und Seilen eine extreme Belastung in den letzten Wochen erfahren habe, „sollte das Tier aufgrund seines jetzigen Zustandes in Ruhe gelassen und nicht gestört werden“.

    Umweltminister verteidigt Rettungsversuch für Wal Timmy

    Diese Meinung vertritt auch Florian Stadler von der Meeresschutzorganisation „Sea Shepherd“: Der Versuch einer Lebendbergung sei mit hohem Stress und einem Verletzungsrisiko für den Wal verbunden, das nicht im Verhältnis zu den Erfolgsaussichten stehe, sagte er unserer Redaktion. „Wir wünschen uns natürlich einen positiven Ausgang. Dennoch müssen wir festhalten, dass dieser Bergungsversuch erhebliche Risiken beinhaltet, die scheinbar bei der Erteilung der Duldung durch Herrn Minister Backhaus keine Rolle gespielt haben.“ Laut dem gültigen Gutachten sei die Gefahr eines Bergungstodes enorm. „Es muss auch davon ausgegangen werden, dass sich immer noch größere Netzteile im Maul und Schlund des Tieres befinden, die leider nicht entfernt werden können. Auch diese machen ein Überleben mittelfristig gegebenenfalls unmöglich.“

    Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) verteidigte den Rettungsversuch. „Es darf dem Tier nicht geschadet werden. Solange das eingehalten wird, sehe ich keinen Grund, dass die Chance nicht genutzt wird.“ Alle Beteiligten wüssten, dass der Wal sich in einem schwierigen Zustand befinde. „Aus meiner Sicht hat der Wal aber auch eine Chance.“ Ab und zu bewege er die Flossen. Er hebe den Kopf aus dem Wasser und atme regelmäßig und kommuniziere auch durch Rufe. „Und ich habe immer gesagt, ich werde diesen Wal bis zum Ende begleiten, in die Freiheit fürs Leben oder auch andersrum. Und dazu stehe ich.“ (mit dpa)

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