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Leipziger Tropenmediziner: „Stellen uns auf Ebola-Patienten ein“

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Leipziger Tropenmediziner: „Stellen uns auf Ebola-Patienten ein“

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    Übung auf der Leipziger Isolierstation
    Übung auf der Leipziger Isolierstation Foto: Klinikum St. Georg.

    Herr Prof. Lübbert, Sie sind Chefarzt der Klinik für Infektiologie und Tropenmedizin am Klinikum St. Georg in Leipzig und haben täglich mit ansteckenden Erregern zu tun. Derzeit blickt die Welt in den Kongo, wo es einen schweren Ebola-Ausbruch gibt. Was macht dieses Virus so gefährlich?

    PROF. DR. CHRISTOPH LÜBBERT: Das Virus ist bei direktem Körperkontakt mit Erkrankten sehr leicht übertragbar. Vor allem Blut, aber auch Erbrochenes, Stuhl, Speichel, Schweiß, Urin, Tränenflüssigkeit, Samenflüssigkeit und Muttermilch enthalten das Virus. Bei einer Infektion kommt es durch die Ebolaviren zu einem wahren Zerstörungsfeldzug im Körper von Betroffenen, die Sterblichkeit ist sehr hoch.

    Und hinzu kommt die schlechte medizinische Versorgung vor Ort. Ein infizierter Arzt wurde nach Berlin ausgeflogen.

    LÜBBERT: Grundsätzlich muss man festhalten: Man wird durch dieses Virus sehr schwer krank. Im Erkrankungsverlauf wird das Immunsystem schlechter und man ist dann auch anfällig für Sekundärinfektionen durch Bakterien. Schon in der Frühphase der Erkrankung verliert man sehr viel Flüssigkeit durch Erbrechen und Durchfall. Einfache Dinge, also eine normale Behandlung, bei der man den Kreislauf stabilisiert, ausreichend Flüssigkeit als Infusion zuführt, können den Körper stabilisieren und Leben retten. Aber im Kongo ist selbst das oft nur schwer möglich. Die medizinische Versorgung ist dort schon immer rudimentär, sie ist durch die über Jahrzehnte bestehende politische Unsicherheit und zahlreiche militärische Konflikte sogar nochmals schlechter geworden oder komplett zusammengebrochen.

    In Deutschland gibt es sieben Sonderisolierstationen, eine davon bei Ihnen in Leipzig. Wie kann man sich so eine Station vorstellen?

    LÜBBERT: Die Stationen müssen baulich und technisch in der Lage sein, so eine Behandlung zu machen, ohne dass das Virus nach draußen dringt und die Bevölkerung oder andere Patienten im Krankenhaus gefährdet. Wir haben speziell geschulte Teams, die in der besonderen Schutzausrüstung arbeiten können, die teilweise auch bereits Behandlungserfahrung mit Ebola besitzen, also auch keine Angst davor haben, in derartigen Settings zu arbeiten. Eine solche Station muss in der Lage sein, das Abwasser zu dekontaminieren. Die gesamten Verbrauchsmaterialien, der Müll, alles, was bei der Behandlung entsteht, das muss sterilisiert, muss ausgeschleust werden, bevor es verbrannt werden kann. Außerdem muss die Luft gefiltert werden. Die Sonderisolierstation ist ein ganz eigener Bereich des Krankenhauses - den mit einer 24/7-Bereitschaft vorzuhalten ist nicht so ganz ohne, auch finanziell gesehen.

    Welche Krankheiten können denn neben Ebola auf der Leipziger Station behandelt werden?

    LÜBBERT: Die gesamte Palette der sogenannten viralen hämorrhagischen Fieber, also etwa Ebola-, Marburg-, Lassa- und Krim-Kongo-Fieber, aber auch bakterielle Erkrankungen wie die Lungenpest. Das wäre alles innerhalb der höchsten Schutzstufe 4. Dafür halten wir uns bereit, aber auch sonst stehen die Sonderisolierstationen in Deutschland nicht still, sondern werden im Alltagsbetrieb für andere Erreger, die nicht ganz so gefährlich sind, genutzt. Bei uns zum Beispiel ganz oft für Patienten mit multiresistenter Tuberkulose, das entspricht der Schutzstufe 3.

    Stellen Sie sich denn jetzt schon auf Ebola-Patienten bei Ihnen in Leipzig ein?

    LÜBBERT: Ja, grundsätzlich haben wir uns darauf eingestellt, wir haben auch noch einmal sehr sorgfältig geschaut, ob bei uns alles betriebsbereit ist. Man hat nicht viel Zeit, zu reagieren, wenn die Anfrage kommt, manchmal nur wenige Stunden. Das Szenario haben wir in regelmäßigen Übungen durchgespielt.

    Wie wird sich denn die Situation im Kongo entwickeln? Werden wohl weitere Patienten nach Deutschland gebracht?

    LÜBBERT: Ich war selbst schon im Kongo und weiß, wie schlimm die Lage vor Ort ist. Was machen Sie in einem Land, wenn Sie spüren, dass Sie krank werden oder schon krank sind und die Gesundheitsstruktur so schlecht ist? Sie gehen zu ihren Verwandten. Und dann kümmern die sich um Sie, bringen Sie mit dem Motorrad in ein halbwegs funktionierendes Krankenhaus. Darüber finden dann die Ansteckungen statt. Wenn jemand stirbt, dann gibt es ein großes Begräbnis, Bestattungsrituale, wo dann auch der Leichnam liebkost und gewaschen wird, auch da kann man sich sehr leicht anstecken. Ich stelle mich auf mehrere Monate ein, bis dieser Ausbruch erfolgreich bekämpft sein wird. Die Kongolesen werden das allein nicht schaffen, sondern es wird über Ärzte ohne Grenzen, die WHO und andere im Umgang mit Ebola erfahrene Organisationen Personal und Struktur eingeflogen und aufgebaut. Es werden mobile Laboratorien, Feldlazarette, provisorische Isolierbereiche errichtet. Und damit sind dann internationale Helfer vor Ort, von denen sich erfahrungsgemäß unter den schwierigen Bedingungen vor Ort der eine oder andere ansteckt. Und dann könnte eine Gemengelage entstehen, in der dann auch weitere Patienten evakuiert und zum Beispiel in Deutschland behandelt werden müssen.

    Christoph Lübbert hat täglich mit gefährlichen Erregern zu tun.
    Christoph Lübbert hat täglich mit gefährlichen Erregern zu tun. Foto: Klinikum St. Georg.

    Zur Person

    Prof. Dr. Christoph Lübbert ist Chefarzt der Klinik für Infektiologie und Tropenmedizin am Klinikum St. Georg in Leipzig und hat die Professur für Klinische Infektions- und Tropenmedizin an der Universität Leipzig inne.

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