Newsticker
Tote Zivilisten nach russischem Artilleriebeschuss in der Ostukraine
  1. Startseite
  2. Panorama
  3. Long Covid: Was zu Corona-Langzeitfolgen bekannt ist

Long Covid
21.12.2021

Was über die Langzeitfolgen von Covid bekannt ist

Die WHO schätzt, dass etwa 10 Prozent der Corona-Infizierten von Long-Covid betroffen sind. Bei einer Mainzer Studie berichteten sogar 40 Prozent von entsprechenden Symptomen.
Foto: Christin Klose, dpa (Symboldbild)

Eine Corona-Infektion kann zu anhaltenden Beschwerden führen. Neue Erkenntnisse gibt es inzwischen über die Symptome - wie häufig diese auftreten ist jedoch umstritten.

Erschöpfung, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Atemprobleme: Unter anderem solche Symptome beschreiben viele Menschen noch lange, nachdem sie eine Covid-Infektion durchgemacht haben. Expertinnen und Experten sprechen von Long oder Post Covid. Eine einheitliche Definition der Begriffe gibt es nicht, es sind aber immer Folgen der Infektion gemeint, die noch Monate nach der eigentlichen Genesung bestehen.

Langzeitfolgen durch Corona-Infektion: Manchmal moderate, manchmal deutliche Beschwerden

Zu Beginn der Pandemie lag der Fokus naturgemäß auf der Behandlung der akut Erkrankten, doch inzwischen ist auch immer mehr über die lange anhaltenden Infektionsfolgen bekannt. „Der Wissenszuwachs in den vergangenen Monaten war enorm“, sagt der Mediziner Dominik Buckert vom Universitätsklinikum Ulm. „Das Gesamtbild der Erkrankung ist heute nicht mehr so nebulös, wie es zu Beginn der Pandemie war.“ Die Beschwerden lassen sich demnach grob in zwei Gruppen einteilen. Bei etwa zehn bis 20 Prozent der Betroffenen seien Schäden an Organen wie Herz oder Lunge nachweisbar. Deutlich mehr, etwa 60 bis 70 Prozent, kämpften mit funktionellen Beeinträchtigungen wie einer geringeren Belastbarkeit, Konzentrationsstörungen oder Riech- und Schmeckstörungen.

Nicht zuletzt das Beispiel Joshua Kimmich mache deutlich, dass es sich bei Long Covid nicht um eine Befindlichkeitsstörung übersensibler Menschen handele. „Covid stellt was an im Körper“, sagt Buckert. Die Beschwerden seien bei einigen moderat, andere haue es vorübergehend völlig aus dem Leben.

Wie häufig kommt es zu Long Covid?

Während Risikofaktoren für schwere Covid-Krankheitsverläufe bekannt sind, gibt es nur wenig Erkenntnisse darüber, wer eher an Long Covid erkrankt. Einige Hinweise liefert nun die Gutenberg Covid-19 Studie der Universitätsmedizin Mainz. „Frauen sind häufiger von einer Long-Covid-Symptomatik betroffen“, sagt Studienleiter Philipp Wild, als er am Montag Ergebnisse der Untersuchung präsentiert. Das Alter der Infizierten spiele hingegen kaum eine Rolle. Immerhin: Der größte Teil der Symptome verschwand mit der Zeit.

Seit Herbst 2020 beobachten Wild und sein Team rund 10.000 Menschen, von denen rund fünf Prozent eine Corona-Infektion durchgemacht haben. Durch Tests und die große Stichprobe sind darunter auch Menschen, die ihre Infektion selbst nicht bemerkt hatten.

Lesen Sie dazu auch

Trotzdem ist nicht abschließend geklärt, wie häufig Long Covid auftritt. Während die WHO schätzt, dass etwa zehn Prozent der Corona-Infizierten betroffen sind, berichten in der Mainzer Studie etwa 40 Prozent noch sechs Monate nach ihrer Infektion von Symptomen.

 

Allerdings: Auch unter den Menschen, die keine Corona-Infektion durchgemacht haben, berichten der Studie zufolge rund 40 Prozent von long-covid-artigen Symptomen. Daraus dürfe man aber keine falschen Schlussfolgerungen ziehen, warnt Wild: „Es ist falsch zu sagen, das Krankheitsbild Long Covid gibt es nicht.“ So sei zu sehen, dass gerade die wissentlich infizierten Personen oft von covid-spezifischen Symptomen berichten – also etwa von Geruchs- und Geschmacksverlust, von Atembeschwerden oder Kurzatmigkeit. Menschen ohne Covid-Infektion berichteten hingegen häufiger von unspezifischeren Symptomen wie Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und dem Verlust von Interessen oder Freude. Dazu, dass auch Menschen ohne Covid-Infektion von Symptomen berichten, sagte Norbert Pfeiffer, Vorstandsvorsitzender der Unimedizin: „Das ist möglicherweise auch Ausdruck der Situation der Belastung.“

Die Ergebnisse zeigen laut Wild vor allem, wie groß der Forschungsbedarf sei. Deshalb folgt auf die Gutenberg Covid-19-Studie nun die Gutenberg Long-Covid-Studie: eine neue Untersuchung mit rund 600 an Corona erkrankten Probandinnen und Probanden.

Video: dpa

Wie gut kann die Impfung vor Spätfolgen einer Corona-Infektion schützen?

Klar ist, dass wegen der zuletzt hohen Zahl an Neuinfizierten auch die Zahl der Menschen mit Long Covid steigen dürfte. Dank der Impfungen ist aber zu hoffen, dass sie nicht in gleichem Maße steigt. Denn Geimpfte bekommen, auch wenn sie sich anstecken, häufig keine oder nur leichte Symptome. Der Mainzer Studienleiter Wild hält fest: „Die Häufigkeit von Langzeitbeschwerden steht im Zusammenhang mit der Anzahl an Symptomen während der Akutinfektion.“

Andere Studien zur Schutzwirkung der Impfungen vor Spätfolgen kommen zu uneindeutigen Ergebnissen. In einer im Fachmagazin The Lancet Infectious Disease veröffentlichten Untersuchung hatten Forscherinnen und Forscher Daten aus einer App ausgewertet, über die Covid-Infizierte Beschwerden melden konnten. Doppelt Geimpfte klagten nach einer Durchbruchsinfektion deutlich seltener über anhaltende (mehr als 28 Tage nach Infektion) Symptome als Ungeimpfte, häufig verlief die Erkrankung ganz ohne Symptome. Eine zweite, noch nicht veröffentlichte Studie kommt zu dem Schluss, dass eine zweifache Impfung vor vielen, aber nicht vor allen Long-Covid-Beschwerden schützt. (mit dpa)

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

21.12.2021

Es ist schon erstaunlich, da zeigt man die aktuelle Studienlage, die nicht zum Narrativ passt, und schon ist man Querdenker. Natürlich gibt's es Long Covid, genauso wie es Long Influenza oder Long Borreliose gibt - nur hat das bisher kaum interessiert. Daher ist es auch gut, dass man Therapiekapazität aufbaut.

Nichtsdestotrotz wird vielmehr darüber berichtet, als es in Wirklichkeit auftritt. Man nennt das in der Wissenschaft auch observational bias...

Permalink
21.12.2021

Sie zeigen nicht die aktuelle Studienlage, sondern picken sich eine Studie heraus, die in Ihren queren Kram passt..
" Es wird mehr darüber berichtet, als es in Wirklichkeit auftritt"
Wie kommen Sie zu dieser Aussage?
Wenn Sie Long Covid googeln, treffen Sie auf viele Artikel zu Long Covid.
Die meisten gehen davon aus, dass 5% der Corona Infizierten unter verschieden Langzeitnebenwirkungen leiden.
Es geht also allein in Deutschland um Hunderttausende Menschen.
Und schon wieder der Lieblingsvergleich der Querdenker mit der Grippe.
Haben Sie immer noch nicht verstanden, dass es sich bei Covid um eine weltweite Pandemie handelt und nicht um einen
regionalen Grippeausbruch.
Und was am meisten nervt. Hier spielt sich jemand zum Experten auf und glaubt, dass er schlauer ist ist als Tausende
Wissenschaftler und Mediziner. Das gelingt nur, wenn man nicht in der Realität lebt, sondern in einer selbst geschaffenen queren
Wirklichkeit.


Permalink
21.12.2021

Genauso gibt es natürlich im Impfnebenwirkungen. Aber die Berichterstattung und Meldungen in Sozialen Medien übertreffen die Anzahl der tatsächlichen Fälle bei weitem. Diese sind noch viel seltener wie Long Covid. Das haben Sie scheinbar in ihrem Kommentar vergessen zu erwähnen.

https://www.median-kliniken.de/long-covid/de/fuer-fachpublikum/krankheitsbild-long-covid/zahlen-aus-studien/

https://www.aponet.de/artikel/ein-monat-corona-impfung-diese-nebenwirkungen-traten-auf-22955

Permalink
21.12.2021

Cherry Picking gibt es natürlich in alle Richtungen (wobei Impfnebenwirkungen hier kein Thema sind), die Zusammenstellung internationaler Long Covid Studien stammt auch nicht von mir, sondern wurde ganz offiziell auf der Seite des UK-Parlaments mit Stand vom 17.12.2021 verlinkt: https://post.parliament.uk/long-covid-the-long-term-health-effects-of-covid-19/ (wahrscheinlich das Pendant zum Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages). Eine deutsche Zusammenfassung habe ich gerade hier gefunden: https://eprints.aihta.at/1321/

Egal ob Pandemie oder Epidemie, irgenwann muss man auch unser Tun und Handeln bei Covid19 in Relation setzen zu unserem Tun und Handeln bei anderen Infektionskrankheiten. Wir tolerieren als Gesellschaft auch mal 20-30.000 Influenzatote (2017/18) und eine alljährliche Überlastungen der Krankenhäuser in der "Erkältungszeit", ohne dass Maßnahmen wie Maskenpflicht, Lockdowns usw. ergriffen oder Wirtschaftszweige heruntergefahren werden und ohne Maßnahmen, die uns wie bei einer Impfpflicht potentiell spalten. Gleichzeitig schauen "wir" seit Jahren beim Personalabbau im Pflegebereich zu, ohne dass sich daran etwas ändert.

Der hier in der AZ regelmäßig interviewte Immunologe Watzl hat es kürzlich auch bei Plasberg gesagt: Irgendwann müsse die Gesellschaft die Diskussion führen, “wie viele Corona-Tote wir uns pro Winter erlauben wollen”. Schon jetzt lebe man in vielen Bereichen mit gewissen Todeszahlen - etwa 3.000 Verkehrstoten pro Jahr, oder 10 bis 20.000 Grippetoten. “Irgendwo dazwischen” werde die vertretbare Quote der Coronatoten liegen. Dann werde es zu einer persönlichen Pflicht sich selber zu schützen wenn man das Risiko vermeiden wolle."
https://rp-online.de/panorama/fernsehen/hart-aber-fair-carsten-watzl-beschreibt-zukunft-mit-coronavirus_aid-64616633

Vielleicht täte es Wolfgang S. gut, mal einen Schritt aus der Panikbubble herauszutreten...

Permalink
21.12.2021

@Lothar B.
Wieso die dauernden Vergleiche mit der Grippe?
Die Grippesaison 2017/2018 war mit ca. 20.000 Grippetoten (keine 1.800 mit Laborbfund bestätigt, der Rest aus Übersterblichkeit ermittel) ein Höchstwert. Auch mit einer sehr starken Belastung des Gesundheitssystems. Wie Sie geschrieben haben ohne Massnahmen.
Bei Corona war die Belastung trotz Maßnahmen und weitreichenden Impfungen stärker. Was wäre wohl ohne Maßnahmen gewesen?

Wir werdne mit Corona leben müssen. Es wird auch weiterhin Coronatote geben. Jahr für Jahr.
Es sterben aber nicht Jahr für Jahr 10.000 bis 20.000 Menschen an Grippe.
Es sind meistens deutlich weniger. Zwischen 2.000 bis 25.000 .
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/405363/umfrage/influenza-assoziierte-uebersterblichkeit-exzess-mortalitaet-in-deutschland/

"Dann werde es zu einer persönlichen Pflicht sich selber zu schützen wenn man das Risiko vermeiden wolle."
Sollte man nehmen und intensivmedizinische Versorgung nur noch betreiben, wenn die Pflicht (Impfung) von den Betroffendenen auch nachgekommen ist. Ansonsten laufen wir jedes Jahr in die gleiche Situation wie dieses Jahr rein.
Das halbjährliche Impfen wird unds die nächsten Jahren erst mal bleiben, bis jeder sich x-mal und dauernd infiziert und damit eine Impfung überflüssig wird, weil natürlich aufgefrischt. Bei den Risikogruppen wird es wie bei der Grippe jährlich bleiben.
Und Intensivbetten werden nicht mehr werden. Im Gegenteil. In 12 Monaten werdne nochmals weniger Betten zur Verfügung stehen. Das Personal wird sich selber reduzieren. Und wo sollen Neue herkommen? Wer fängt eine Ausbildung an, wo massenweise wegen der Belastung (Mental und körperlich) das Personal hinschmeißt? Und glauben SIe, dass die wegen 300 oder 500 € mehr im Monat bereiter sind, sich seelisch, nervlich und körperlich kaputt zu machen?


Permalink
21.12.2021

Und noch etwas passendes aus der aktuellen Ärztezeitung:

"Etwa 40 % aller mit SARS-CoV-2 infizierten Personen klagten in einer prospektiven Langzeit­studie auch 6 Monate nach dem Ende der akuten Erkrankung über Beschwerden, die auf ein Long COVID hindeuten. Die Beschwerden traten unabhängig davon auf, ob die Betroffenen ihre akute Infektion bemerkt hatten oder nicht. Zur Verwirrung trägt bei, dass auch viele Menschen, die gar nicht mit SARS-CoV-2 infiziert waren, während der Pandemie unter ähnlichen Symptomen litten.
[...]
Aber auch mehr als 40 % der Personen ohne frühere SARS-CoV-2-Infektion berichteten über Long COVID-artige Beschwerden während der Pandemie, die über mindestens 6 Monate anhielten. In dieser Gruppe überwogen allerdings unspezifische Symptome wie Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, Stimmungs­schwankungen oder der Verlust von Interessen, während bei den wissentlich Infizierten auch Geruchs- und Geschmacksstörungen angegeben wurden."

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/130265/Long-COVID-oder-doch-nicht-Auch-Asymptomatische-und-nicht-Infizierte-klagen-in-Gutenberg-Studie-ueber-Symptome

Permalink
21.12.2021

Sie lenken vom Thema ab.
Es geht in unserer Diskussion um Long Covid, dessen häufiges Auftreten Sie leugnen.
Neueste Untersuchungen gehen sogar davon aus, dass bis zu 40% der Erkrankten an langanhaltenden
Spätfolgen leiden.
Dass man sich selbst schützen muss, ist eine Binsenwahrheit, hat aber nichts mit Long Covid zu tun
Übrigens kommt man allein in den 5 Wintermonaten bei einer niedrig angesetzten Zahl von 250 Toten pro
Tag schon auf eine Zahl von fast 30000 Corona Toten.
Auf das ganze Jahr gerechnet liegt diese Zahl weit über der von Ihnen so zynisch genannten" erlaubten
Todeszahl " .
Allein einen solchen Begriff einzuführen, lässt tief in Ihr moralisches Weltbild blicken.

Permalink
21.12.2021

@Lothar B.

"In dieser Gruppe überwogen allerdings UNSPEZIFISCHE Symptome wie ...."


Unspezifisch bedeutet in der Medizin "nicht mit einem bestimmten Umstand verknüpft" bzw. "nicht auf ein bestimmtes Symptom oder eine bestimmte Erkrankung hinweisend".
https://flexikon.doccheck.com/de/Unspezifisch

Aber dieses Long Covid ist für mich persönlich kein Thema. Abgesehen, von den Fällen wo Nieren usw. dauerhaft geschädigt sind.

Aktuell ist das Thema wie vermeiden wir möglichst viele schwere Verläufe. Und da gibt es nur zwei Mittel. Scharfen Lockdown für alle oder impfen, impfen, impfen ... besonders die Risikogruppen und ab 30 / 40 jährigen.

Permalink
20.12.2021

Es bleibt dabei: Die Spanne der Prävalenz ist enorm groß und reicht je nach Studiendesign, Zielgruppe (hospitalisierte, nichthospitalisierte) und Beobachtungsdauer zwischen 2 und 93 %

Hier sind verschiedene internationale Studien zum Thema zusammengefasst: https://www.kce.fgov.be/sites/default/files/atoms/files/KCE_344C_Long_Covid_Short_report.pdf

Was das Studiendesign ausmacht, zeigt sich in diesem aktuellen Review über Long Covid bei Kinder jungen Leuten: Je besser die Studienqualität (Kontrollgruppe), desto geringer sind die Symptomunterschiede zwischen seropositiven und seronegativen Studienteilnehmer. Oder wie es der Co-Autor des Reviews Shamez Ladhani via Twitter ausgedrückt hat: "Lasst uns die Panikmache stoppen und die öffentlichen Nachrichten klarstellen. Die überwiegende Mehrheit der Kinder mit COVID19 wird sich vollständig erholen, aber wir brauchen bessere Tools, um den kleinen Anteil der Kinder mit anhaltenden Symptomen zu identifizieren (und Ressourcen zur Untersuchung und Unterstützung)."

Permalink
20.12.2021

Dieses ewige Corona Verharmlosung ist nicht mehr auszuhalten.
Gehen Sie doch einmal in die Reha-Kliniken, in denen Patienten mit Long Covid behandelt werden.
Haben Sie sie Berichte nicht gesehen?
Die Kliniken sind überfüllt, es gibt eine lange Warteliste für Betroffene.
Und Sie haben nichts Besseres zu tun. als uns irgend eine Studie zu präsentieren, die Ihre
quere Meinung unterstützt.

Permalink