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Seltenes Virus
09.05.2022

Mann in England erkrankt an Affenpocken

Affenpocken sind von Mensch zu Mensch kaum übertragbar.
Foto: Max-Planck-Institut, dpa

Nach einer Reise nach Nigeria ist ein Mann in England an Affenpocken erkrankt. Trotzdem geben Experten Entwarnung:

Die Corona-Pandemie startete ähnlich: Eine kleine Meldung über eine merkwürdige Erkrankung. Dass ein Mann in England nun an Affenpocken erkrankt ist, ist aber kein Grund zur Beunruhigung, sagen Experten: Sie sind nur gering ansteckend und kaum tödlich.

Fälle von Affenpocken sind wahnsinnig selten – und: meldepflichtig. Nur deshalb wurde die Viruserkrankung jetzt öffentlich. Die Symptome sind kaum von denen normaler Pocken zu unterscheiden, allerdings ist die Variante weniger tödlich und für uns Europäer kaum infektiös. Deshalb: Alles kein Grund zur Panik, beruhigen die Gesundheitsbehörden im Vereinigten Königreich. Die Gefahr, dass sich jemand angesteckt habe, sei sehr gering.

Affenpocken in England: Infektionsrisiko, Krankheitsverlauf, Impfung

Mit Affenpocken infiziert man sich in der Regel durch das Essen von sogenanntem "Bushmeat", also Fleisch afrikanischer Wildtiere oder aber den engen Kontakt mit Primaten, Nagern oder afrikanischen Wildhörnchen. Erkrankte mit Symptomen sind zwar selbst ansteckend. Doch nur in ganz seltenen Fällen wird das Virus auch von Mensch zu Mensch übertragen. Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können, nennt man auch Zoonosen.

Nicht nur das Ansteckungsrisiko ist gering. Auch der Krankheitsverlauf ist deutlich milder als bei Menschenpocken, mit denen das Krankheitsbild am besten zu vergleichen ist. Betroffen sind meistens Kinder, was vermutlich am Hauptverbreitungsweg der Krankheit liegt: Wahrscheinlich infizieren sich die meisten Erkrankten in Afrika, wenn sie mit Nagern oder Kleinaffen spielen.

Die Sterblichkeitsrate, also Letalität, beträgt etwa zwei Prozent. Auch hier sind meist Kinder die betroffenen. Offiziell sind keine Todesfälle von Erkrankten bekannt, die älter als acht Jahre waren.


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Laut Robert-Koch-Institut wurden Affenpocken 1970 erstmals beim Menschen diagnostiziert, damals in der Demokratischen Republik Kongo bei einem 9 Jahre alten Jungen. Seitdem gab es immer wieder selten auftretende Fälle beim Menschen – meist in west- und zentralafrikanischen Ländern wie Kamerun, Nigeria, der Elfenbeinküste, Liberia, Sierra Leone, Gabun oder Südsudan.

Pandemie-Potenzial? Affenpocken-Übertragung von Mensch zu Mensch sehr unwahrscheinlich

2003 gab es dann den ersten Fall außerhalb des afrikanischen Kontinents: Damals wurde das Affenpockenvirus durch Nagetiere aus Ghana in die USA gebracht und dann über Präriehunde auf Tierhändler und -besitzer übertragen. Es gab vermutlich 81 Erkrankungen, davon waren nur 50 Prozent tatsächlich laborbestätigt. 25 Prozent kamen damals ins Krankenhaus, zwei Kinder hatten schwere Verläufe. Auch damals gab es keine Mensch-zu-Mensch-Übertragungen noch Todesfälle.

Mit Blick auf Corona gaben die englischen Gesundheitsbehörden deshalb direkt Entwarnung: Epidemien oder Pandemien sind nicht zu befürchten. Alle Affenpocken-Erkrankungen bei Menschen, wie sie 1960 erstmals auftraten, blieben individuelle Krankheitsfälle ohne weitere Ansteckungen. Die letzten Fälle von Affenpocken in Großbritannien gab es ebenfalls 2018 und 2021. Auch sie blieben Einzelfälle.

Schutz vor Affenpocken: Normale Pockenimpfung immunisiert

Es gibt viele Varianten von Pockenerkrankungen. Die Affenpocken begleiten die Menschheit schon seit tausenden von Jahren. Zwar sind sie heute kaum tödlich, aber sie bergen das Risiko, vollkommen zu erblinden. Dagegen gibt es keine gezielte Behandlung, aber eine Impfung: Ältere Menschen, die noch gegen Pocken geimpft wurden, sind auch immun gegen Affenpocken.

1979 erklärte die Weltgesundheitsorganisation WHO die Pocken für ausgerottet. Zuvor hatten die Pocken Jahrtausende lang ganze Populationen dahingerafft. Die letzten Fälle in Deutschland gab es in den Sechziger- und Anfang der Siebzigerjahre. Wer später als 1979 geboren wurde, wurde aber nicht mehr dagegen geimpft.

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