Startseite
Icon Pfeil nach unten
Panorama
Icon Pfeil nach unten

Neue Brücke: So schnell kommen Autofahrer bald nach Sizilien

Italien

In zehn Minuten rüber nach Sizilien

  • |
  • |
  • |
  • |
    Eine computergenerierte Darstellung zeigt den Entwurf für die gigantische Brücke.
    Eine computergenerierte Darstellung zeigt den Entwurf für die gigantische Brücke. Foto: Eurolink/dpa

    Infiltration der Mafia, Geldverschwendung, Größenwahn. So lauten die gängigen Einwände gegen das größte Infrastrukturprojekt in Italien, den Bau der Brücke von Messina. Nun soll das Megaprojekt tatsächlich verwirklicht werden. 13,5 Milliarden Euro hat die italienische Regierung für die Konstruktion der Brücke bereitgestellt, die das italienische Festland mit der Insel Sizilien verbinden soll. Für Sizilienurlauber wirkt das Projekt verlockend. Statt langem Warten und einer Fahrt mit der Fähre über die Meerenge von Messina wird die Überfahrt künftig gerade einmal zehn Minuten dauern. Verkehrsminister Matteo Salvini verspricht Mautkosten von unter zehn Euro. Auch für die Wirtschaftsregion im Süden Italiens eröffnet das Projekt neue Möglichkeiten.

    In der Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ist die Rede vom „wichtigsten öffentlichen Bauwerk der Welt“. Fertiggestellt werden soll es bis 2033 – wenn alles klappt. Die Arbeiten sollen im September oder Oktober beginnen. Nun fehlt nur noch die Zustimmung des italienischen Rechnungshofes. So weit war das Projekt noch nie in seiner Geschichte. 

    Schon seit dem 19. Jahrhundert gibt es die Idee

    Bereits seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es Überlegungen, Kalabrien und Sizilien mit einer Brücke zu verbinden. 1968 entwarfen Ingenieure erstmals konkrete Pläne. 2002 kündigte die Regierung von Silvio Berlusconi die Grundsteinlegung für die Brücke an. Aus Kostengründen wurde das Projekt 2012 aber wieder auf Eis gelegt. Nun steht der Bau vor seiner Verwirklichung. Mit 3,3 Kilometern Hängespannweite wäre er die längste Brücke dieser Art auf der Welt. Pkws und Lkws sollen eines Tages auf mehreren Spuren über die Brücke rollen, auch zwei Bahngleise werden verlegt.

    „Die Brücke von Messina ist ein weltweit beispielloses Projekt“, sagte der Verkehrsminister. „Wir müssen die gesamte Lieferkette überwachen, um sicherzustellen, dass sie unempfindlich gegenüber Kriminellen ist“, fügte er hinzu. „Die Gefahr der Infiltration durch die Mafia ist sehr hoch“, warnte Giuseppe Busia, Chef der Antikorruptionsbehörde Anac in der Zeitung La Repubblica. Nach Schätzungen der Regierung entstehen durch die Arbeiten an der Brücke mehr als 100 000 Arbeitsplätze. 

    Bislang dauert die Überfahrt 30 Minuten, plus Wartezeiten

    Bislang pendeln Fähren über die Meerenge, beladen mit Pkws, Lkws, Personen- und Warenzügen. Die Überfahrt dauert rund 30 Minuten, dazu kommen Warte- und Rangierzeiten. Nach Fertigstellung könnten Autofahrer die Brücke dann in zehn Minuten überqueren. Vorher stehen aber noch Enteignungen von mehr als 400 Immobilieneigentümern bevor. Die Regierung sieht Entschädigungen plus Zuzahlungen in Höhe von 15 Prozent des Werts der Immobilien vor und will Umzüge mit bis zu 40.000 Euro bezuschussen.

    In der Region Messina besteht Erdbebengefahr

    Umweltverbände, Wissenschaftler und die Opposition kritisieren das Projekt seit jeher. Es handelte sich um eine „kolossale Geldverschwendung“, sagte Angelo Bonelli, Abgeordneter der Grünen und der Linksallianz. Kritiker weisen außerdem auf die hohe Erdbebengefahr in der Meerenge von Messina hin. 1908 kamen bei einem Erdbeben in Messina mehr als 70 000 Menschen ums Leben. Die Brücke soll den Planern zufolge Beben bis zu einer Stärke von 7,1 auf der Richterskala widerstehen. 

    Ministerpräsidentin Meloni hingegen spricht von einem „strategischen Projekt für die Entwicklung der gesamten Nation“. Sie plant, einen Teil der Kosten auf Italiens Ausgaben für Verteidigung anzurechnen, da die Brücke die Überfahrt von Militärfahrzeugen ermöglichen wird. Die Brücke von Messina sei „ein strategischer Korridor für die schnelle Truppenbewegung und die Stationierung von Ausrüstung an der Südflanke der Nato“.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren