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  3. Raumfahrt: "Erfüllung jedes Astronautentraums" ist die Mond-Reise – auch für Matthias Maurer

Raumfahrt
18.07.2022

"Erfüllung jedes Astronautentraums" ist die Mond-Reise – auch für Matthias Maurer

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer kurz nach seiner Rückkehr aus dem All. Der sechsmonatige Aufenthalt habe „seinen Körper verändert“, sagte er unserer Redaktion.
Foto: Federico Gambarini

Nach einem halben Jahr im All gewöhnt sich der deutsche Astronaut Matthias Maurer wieder an das Leben auf der Erde. Doch zum Mond würde er sehr gern reisen.

Herr Maurer, bei Ihnen steht ein Urlaub an. Da drängt sich die Frage auf: Wenn man nun ein halbes Jahr an dem exotischsten Ort war, den man sich derzeit eigentlich so vorstellen kann – die Erdumlaufbahn in 400 Kilometern Höhe – wohin fährt man dann eigentlich in den Urlaub?

Matthias Maurer: Wenn ich ehrlich bin: Ich war die vergangenen zwei Jahre fast nur unterwegs – natürlich inklusive meines sechsmonatigen Aufenthaltes im All, da bin ich jetzt froh, wenn ich einfach meine Familie, meine Freunde sehen kann. Ein Buch lesen, im Wald spazieren gehen. Das möchte ich machen. Und das Ganze wird hier im Kölner Raum – wo ja das Astronautenzentrum der ESA steht, das einzige Zentrum für bemannte Raumfahrt in Europa überhaupt, wenn man mal von Russland absieht – und in meiner Heimat, dem Saarland, stattfinden.

Seit dem 6. Mai sind Sie wieder auf der Erde. Wie geht es Ihrer Muskulatur? Gehen Sie schon wieder zum Joggen?

Maurer: Ich bin noch nicht ganz fit. Man sagt, dass man etwa so lange zum Regenerieren auf der Erde braucht, wie man Zeit im All verbracht hat. Da ist also noch einiges zu tun. Ich jogge täglich, bin jetzt bei etwa sieben Kilometer am Stück. Einen Halbmarathon beispielsweise würde ich aber noch nicht hinbekommen, der würde viel zu sehr auf die Kniegelenke gehen. Wenn ich nicht jogge, gehe ich radeln, schwimmen oder zum Fitness hier im Astronautenzentrum.

Astronaut Matthias Maurer als erster Deutscher auf dem Mond?

Wir wollen heute gar nicht unbedingt über Ihren Einsatz auf der ISS reden, darüber ist ja genug gesprochen worden. Stattdessen wollen wir nach vorne schauen. Die Amerikaner haben in den kommenden Jahren Großes vor: Sie wollen zum Mond fliegen, zudem eine Raumstation in der Mondumlaufbahn bauen. Und diese soll eine Plattform dafür sein, um von dort aus zum Mars zu fliegen. Auch wenn diese Frage nun vielleicht sehr spekulativ klingt: Wann steht die erste Deutsche oder der erste Deutsche auf dem Mond?

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Maurer: Wenn ich spekulieren muss, dann würde ich sagen, dass im Jahr 2030 der oder die erste Deutsche auf dem Mond stehen wird. Da bin ich mir sicher. Bei der ESA engagieren sich vor allem Deutschland, Frankreich und Italien in der bemannten Raumfahrt – also auch finanziell. Diese drei Länder sind die Hauptakteure in der ESA bei den geplanten Mondmissionen, die die Amerikaner vorantreiben und mit denen wir eng kooperieren. Darum werden bis 2030 auch Astronautinnen und Astronauten aus Europa den Mond besuchen.

Würden Sie gern zum Mond fliegen wollen?

Maurer: Ein klares „Ja“. Jeder Astronaut würde das gern machen. Das wäre die Erfüllung eines jeden Astronautentraums.

Sie sind Materialwissenschaftler, haben in diesem Fach promoviert. Welche Materialien locken auf dem Mond, die für die Menschheit interessant wären?

Maurer: Das klingt zunächst einmal simpel: Wasser. In den polaren Zonen des Mondes gibt es Wasser. Wenn man Wasser aufspaltet, kann man den daraus entstehenden Sauerstoff als Atemluft nutzen. Fügt man Wasserstoff und Sauerstoff wieder zusammen, kann man das als Antrieb nutzen, etwa für eine Reise zum Mars. Der Mond wäre also eine Tankstelle für Reisen zum Mars.

Was würde noch auf dem Mond locken?

Maurer: Der Mond ist nach derzeitig gängiger Theorie ja aus der Erdkruste entstanden. Während sich die Erdoberfläche durch die Atmosphäre und das Leben stark verändert hat, ist der Mond noch in großen Zügen seit über vier Milliarden Jahre gleichgeblieben. Der Mond ist also wissenschaftlich gesehen für uns ein großes Geschichtsbuch. Wir können auf ihm in die Frühzeit unseres eigenen Planeten blicken. Wir können in seinen Kratereinschlägen untersuchen, ob die dafür verantwortlichen Kometen und Meteoriten Spuren organischer Substanzen enthalten. Denn weiteren Theorien zufolge kam das organische Leben ja eben beispielsweise erst über Kometen auf unsere Erde. Diese Theorien könnten wir auf dem Mond überprüfen.

Astronaut Maurer: Forschung im All wichtig für Technologie auf der Erde

Würden Sie also eine Besiedlung des Mondes für sinnvoll halten?

Maurer: Nein. Wir könnten dort zwar ein großes Radioteleskop zur Erforschung des Universums aufbauen, die Bedingungen dort wären wegen der fehlenden Atmosphäre viel besser als auf der Erde. Etwa den Hinweisen auf eine neue kosmische Hintergrundstrahlung nachgehen, die nun nachgewiesen wurde. Aber eine Besiedlung sollte nicht im Vordergrund stehen. Ich würde mit dem Mond eher wie mit der Antarktis heute umgehen. Wissenschaftlich erforschen, wenigen nachhaltigen Tourismus zulassen, aber nicht besiedeln und keinen Raubbau betreiben.

Halten Sie es für wichtig, dass Deutschland sich an den Bestrebungen der Menschheit ins All beteiligt?

Maurer: Ein ganz klares Ja. Blickt man in die Geschichte, haben stets die Länder dominiert, die bei den Handelsströmen und den Technologien weit vorn waren. So wird es auch mit dem Weltraum sein. Der erdnahe Orbit entwickelt sich zu einem Wissenschafts- und Wirtschaftsraum.

Können Sie uns ein paar Beispiele nennen?

Maurer: Wir können etwa in der Schwerelosigkeit Glasfasern für die Medizin, für die Telekommunikation oder Hochleistungsrechner herstellen, die – auf mikroskopischer Ebene – viel weniger Fehler enthalten. Das haben wir auf der ISS nachgewiesen. Oder: Man kann Tumorzellen in der Schwerelosigkeit züchten, die nicht wie auf der Erde in der Petrischale durch die Gravitation zusammengedrückt werden – und die so viel mehr einem Tumor im menschlichen Körper ähneln. Und gegen den dann bessere Medikamente entwickelt werden können. So werden auch viele Tierversuche überflüssig. Das Gleiche gilt für das Herstellen von Organoiden, also organähnlichem künstlichem Gewebe, zum Beispiel Nierengewebe. Und: Wir haben auch schon einen schlagenden Herzmuskel auf der ISS gezüchtet. Ein weiteres Beispiel: Im Asteroidengürtel lässt sich Platin in großen Mengen abbauen. Die Möglichkeiten im All sind gigantisch.

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Foto: NASA

Also Ressourcenabbau im All wäre interessant?

Maurer: Ja natürlich. Aber da sind noch rechtliche Probleme zu beachten. Denn der Weltraum gehört ja allen. Und Abbauprodukte dürfen eigentlich nicht gehandelt werden. Zwei Länder sind hier aber schon vorgeprescht und sagen inzwischen in ihren Gesetzgebungen potenziellen Firmen: Was Ihr im Weltraum abbaut, dürft Ihr in unserem Land auch verkaufen.

Welche Länder sind das?

Maurer: Natürlich die USA. Und überraschenderweise Luxemburg. Die Luxemburger sind weltraumbegeistert. Und haben auch bisher schon viel Geld im All mit Weltraumtelekommunikation verdient.

Weltraumschrott und beschwerliche Reise zum Mars als Hürden für die Raumfahrt

Was halten Sie von einer Mission zum Mars?

Maurer: Das wird schon schwieriger. Nur ein Beispiel: Im Laufe meines sechsmonatigen Aufenthaltes im All hat sich mein Körper verändert. Es sammelte sich mehr Flüssigkeit im Kopf, der Hirndruck erhöhte sich, weil die Schwerkraft fehlte. Das führte bei mir zu einer Ödembildung in den Augen, die bei mir zum Glück reversibel war. Für einen Flug zum Mars hin und zurück veranschlagt man aber mindestens 500 Tage, eher zwei Jahre. Dazu kommt die dauerhafte Strahlung außerhalb des Magnetgürtels der Erde. Es macht keinen Sinn, zum Mars zu fliegen und die Astronautinnen und Astronauten kommen dort blind und krebskrank an. Zum Mars zu fliegen, nur um eine Flagge in den Boden zu rammen, das lehne ich ab. Ich sage aber auch: Wenn wir hinfliegen, dann muss es eine nachhaltige Reise sein, bei der das Gewinnen von Wissen im Vordergrund steht.

Was glauben Sie: Wann wird der erste Mensch den Mars betreten?

Maurer: Wenn wir mit dem jetzigen Tempo so weitermachen, bei dem rein staatliche Akteure den Takt vorgeben: ab 2050. Aber: Wenn private Akteure mit großem Potenzial wie etwa die weltraumbegeisterten Milliardäre Elon Musk oder Jeff Bezos die Sache vorantreiben, könnte in der zweiten Hälfte der Dreißigerjahre ein Mensch auf dem Mars landen. Da aber auch solche privaten Akteure wohl allein nicht ausreichend Mittel haben, wird eine solche Mission wohl eher eine Mischform aus privaten und staatlichen Bestrebungen sein.

Was sagen Sie zum Thema Ökologie im Erdorbit, zum Thema Weltraumschrott?

Maurer: Dieses Thema wird immer brisanter. Vier Tage, nachdem ich auf der ISS ankam, haben die Russen einen ihrer Satelliten im All abgeschossen. Wir mussten wegen der Gefahr einschlagender Trümmerteile zur Sicherheit in unseren angedockten Raumkapseln Schutz suchen. Im Prinzip genauso wie in dem bekannten Film „Gravity“ mit Sandra Bullock und George Clooney. Zum Glück ist nichts passiert. Aber alle zwei bis drei Wochen mussten wir ohnehin auch Ausweichmanöver einleiten, damit die ISS nicht von weiteren anderen größeren Trümmerteilen getroffen wird. Ich habe überdies ohne Probleme Kleinsteinschläge im Panzerglasfenster der ISS sehen können. Wir müssen deshalb endlich verbindliche internationale Regeln aufstellen. Der Müll muss so entsorgt werden, dass er in tiefere Orbitalschichten verfrachtet wird, sich durch Atmosphäre dort verlangsamt und dann in ihr verglüht. Verbleibt der Schrott und Müll aber in höheren Orbitalschichten, wird er dort Ewigkeiten kreisen und vermüllt alles immer weiter. Wir müssen also dringend auch im Weltraum ökologisch denken.

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