US-Präsident Donald Trump hat mit einer Aussage zur NATO und ihrem Afghanistan-Einsatz einen diplomatischen Sturm ausgelöst – und damit ausgerechnet Prinz Harry auf den Plan gerufen. Der Herzog von Sussex meldete sich ungewöhnlich deutlich zu Wort und forderte Respekt für die Opfer des Krieges. Die Reaktionen reichten bis in die Spitze der britischen Politik – und setzten Trump unter Druck.
Prinz Harry fordert mehr Respekt von Trump – und der rudert tatsächlich zurück: Was ist passiert?
Ausgangspunkt war ein Interview des US-Präsidenten mit Fox News am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos, welches in der dritten Januarwoche 2026 stattfand. In dem Gespräch erklärte Donald Trump laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa), die NATO-Verbündeten hätten sich im Afghanistan-Krieg zurückgehalten und sich von den Frontlinien ferngehalten. Zudem äußerte er Zweifel, ob das Bündnis den USA im Ernstfall beistehen würde. Diese Aussagen trafen einen sensiblen Nerv. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hatte die NATO erstmals in ihrer Geschichte Artikel 5 aktiviert – ausdrücklich zur Unterstützung der USA. Mehr als 3500 Koalitionssoldaten starben, darunter 457 britische Soldaten, wie die BBC in einem Beitrag zu dem Thema erläutert.
Prinz Harry, der in seiner zehn Jahre andauernden Karriere beim Militär zweimal als Soldat in Afghanistan eingesetzt war, reagierte mit einer scharf formulierten Stellungnahme auf die Aussagen des US-Präsidenten. Über seinen Sprecher erklärte er laut BBC: „Ich habe dort gedient. Ich habe dort Freunde fürs Leben gefunden. Und ich habe dort Freunde verloren.“ Der jüngere Sohn von König Charles III. betonte weiterhin: „Diese Opfer verdienen es, ehrlich und mit Respekt angesprochen zu werden.“
Für Royal-Fans dürfte diese Aussage bemerkenswert sein, denn für gewöhnlich vermeidet die königliche Familie politische Kommentare. Harry äußert sich allerdings seit Jahren regelmäßig zumindest zu Themen, die Veteranen betreffen – insbesondere seit seinem Rückzug aus dem engeren Kreis der Königsfamilie.
Nach Rüffel von Prinz Harry: Weißes Haus rudert zurück – zumindest teilweise
Auch Großbritanniens Premierminister Keir Starmer reagierte ungewöhnlich deutlich. Trumps Worte seien „beleidigend und ehrlich gesagt entsetzlich“. Auf die Frage, ob der US-Präsident sich entschuldigen müsse, sagte Starmer einem Sky News-Bericht zufolge: „Wenn ich mich so falsch ausgedrückt hätte, würde ich mich auf jeden Fall entschuldigen.“
Veteranen, Angehörige gefallener Soldaten und Politiker aller Parteien schlossen sich in Medienberichten und in den sozialen Netzwerken der Kritik an. Diane Dernie, deren Sohn einen Einsatz in Afghanistan schwer verletzt überlebte, nannte Trumps Aussagen gegenüber Sky News „die ultimative Beleidigung“. Ähnliche Stimmen finden sich in Berichten der BBC und der Washington Post.
Das Weiße Haus hielt sich zu der Empörung in Großbritannien zunächst auffallend zurück – unter anderem, weil die Debatte in den USA kaum Wellen schlug und Donald Trump zuletzt nur selten öffentlich auftrat. Noch bevor Premierminister Keir Starmer eine Entschuldigung forderte, veröffentlichte das Weiße Haus jedoch eine Stellungnahme, in der es Trumps grundsätzliche NATO-Position bekräftigte. Darin heißt es, die Beiträge der USA zur NATO seien deutlich höher als die der anderen Mitgliedstaaten, zudem habe Trump höhere Verteidigungsausgaben der Verbündeten durchgesetzt. Auch betonte das Weiße Haus, nur die USA seien in der Lage, Grönland zu schützen.
Zu Starmers Aufforderung an Trump, sich für seine Aussagen zu entschuldigen, äußerte sich das Weiße Haus bislang allerdings nicht. Und auch in den sozialen Netzwerken reagierte der US-Präsident nicht auf die Empörung von Prinz Harry und Co.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren