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Schlagzeuger
23.06.2022

Fleetwood-Mac-Urgestein: Mick Fleetwood wird 75

Der Musiker Mick Fleetwood wird 75.
Foto: picture alliance / Britta Pedersen/dpa-Zentralbild, dpa

Als Bluesband in London gegründet, wurden Fleetwood Mac in den 70er Jahren zu einer der erfolgreichsten Pop- und Rockbands der Welt. Schlagzeuger Mick Fleetwood überstand mit der Gruppe stürmische Zeiten.

Von der Dachterrasse seines Restaurants kann Mick Fleetwood auf das Meer schauen. "Fleetwood's On Front Street" liegt direkt an der Küste von Maui. Die Hawaii-Insel ist seit Jahren ein Zuhause des britischen Schlagzeugers - wenn er nicht gerade auf Welttournee mit Fleetwood Mac ist.

Die erfolgreiche Pop- und Rockband ("Go Your Own Way", "Little Lies"), die er vor über 50 Jahren als Blueskombo mitgegründet hat, füllt bis heute Arenen und sogar ganze Stadien. Jetzt wird Mick Fleetwood 75 Jahre alt (24.6.) - und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis es wieder heißt: "The Mac is back."

Fernsehserie in der Mache

Derzeit ist Fleetwood allerdings anderweitig beschäftigt. Der fast zwei Meter große Musiker produziert die TV-Serie "13 Songs" über einen alternden Rockstar, der nach einer Krebsdiagnose nur noch wenige Monate zu leben hat, vorher aber noch mit seiner früheren Band 13 Lieder aufnehmen will. Fleetwood, der seit 1981 mehrere Soloalben veröffentlicht hat und bis heute solo musiziert, soll die Musik dazu beisteuern.

Der Musik wegen war der 1947 im englischen Redruth/Cornwall geborene Michael John Kells Fleetwood als Teenager nach London gezogen. Zuvor hatte er mit seiner Familie unter anderem in Ägypten und Norwegen gelebt. Sein Vater, ein Kampfpilot der Royal Air Force, war dorthin versetzt worden. Mit 16 soll er seinen ersten Auftritt gehabt haben. Als Drummer der Band The Cheynes trat Fleetwood auch im Vorprogramm der Rolling Stones auf, bevor die ihren großen Durchbruch erlebten.

Als Schlagzeuger für John Mayall & The Bluesbreakers lernte er den Bassisten John McVie und den Gitarristen Peter Green kennen. Als Green die Gruppe verließ, um seine eigene zu gründen, nahm er die Rhythmusfraktion gleich mit und benannte seine neue Bluesband nach den beiden: Fleetwood Mac war geboren. 1968 erschien das erste Album "Peter Green's Fleetwood Mac". Auf dem zweiten, "Mr. Wonderful", stand nur noch der Bandname Fleetwood Mac.

Mit der Instrumental-Single "Albatross", die auf keinem Album war, landete die Gruppe 1969 einen Nummer-eins-Hit in Großbritannien. "Man Of The World" war ein weiterer Erfolg. Doch schon bald stieg Green, dessen LSD-Gebrauch zunehmend zum Problem wurde, aus. "Peter zu verlieren war tragisch für uns", erinnerte sich Fleetwood, der damit zum Bandleader wurde, im "Guardian".

Wechsel in der Besetzung

Es folgten einige Besetzungswechsel, der Einstieg von John McVies Ehefrau, der Keyboarderin und Sängerin Christine McVie, und der Umzug der Band in die USA. Dort traf der Schlagzeuger die wegweisende Entscheidung, die Band um ein US-Duo zu erweitern - Sängerin Stevie Nicks und Gitarrist und Sänger Lindsey Buckingham. Das erste Studioalbum in dieser Besetzung, das zehnte insgesamt, hieß nur "Fleetwood Mac" und wurde ein großer Erfolg. Songs wie "Landslide", "Rhiannon" oder "Say You Love Me" sind heute Klassiker.

Doch das Nachfolgewerk stellte alles in den Schatten. Das 1977 erschienene "Rumours" mit Songperlen wie "Dreams", "Don't Stop" oder "The Chain" toppte die Hitparaden in Großbritannien und den USA. Allein im ersten Monat nach Erscheinen verkaufte sich "Rumours" 10 Millionen Mal. Es gewann einen Grammy als Album des Jahres und ist bis heute eins der meistverkauften Alben der Musikgeschichte.

Das Album entstand in einer turbulenten Zeit, als die Beziehung zwischen Nicks und Buckingham sowie die Ehe der McVies gerade zerbrochen war und der Drogen- und Alkoholkonsum der Bandmitglieder exzessiv war. Kurioserweise führten diese Umstände zu einigen der besten Songs in der Geschichte von Fleetwood Mac, wo private Dramen fortan an der Tagesordnung waren und das Songwriting bestimmten.

Fleetwood selbst war zeitweise auch mit Sängerin Nicks liiert. "Ich hab mich schließlich in sie verliebt und es war chaotisch", schrieb er in seiner Autobiografie "Play on". "Es passierte auf Tournee und war eine verrückte Liebesaffäre, die länger dauerte, als wir uns wirklich erinnern."

Freundschaft mit Harry Styles

Die Affäre endete, als Fleetwood mit Nicks' Freundin Sara anbandelte. Der gleichnamige Song vom Album "Tusk" handelt angeblich von ihr. Zu diesem Zeitpunkt war Fleetwood noch mit Jenny Boyd, der Mutter seiner Töchter Lucy und Amy, verheiratet. Sara Recor wurde 1988 seine zweite Frau. Die Ehe hielt vier Jahre. Von 1995 bis 2015 war der Drummer mit Lynn Frankel verheiratet, mit der er die Töchter Ruby und Tessa hat.

Die Mädchen waren es, die ihren Vater vor Jahren zu einem Konzert der Boygroup One Direction zerrten, wo sich Fleetwood backstage mit dem fast 47 Jahre jüngeren Sänger Harry Styles anfreundete. Das führte zu einer kuriosen Kooperation: seit kurzem ist der Mittsiebziger das Gesicht einer Werbekampagne für Nagellack von Styles' Marke Pleasing. Auf psychedelisch bunten Fotos posiert der Altrocker im Hippieoutfit mit bunten Nägeln. Ein Gefühl von "Warum nicht?" oder "Auf sowas wäre ich nie gekommen" habe ihn dazu veranlasst, sagte er der "Vogue".

Interne Dramen bis heute

Bei Fleetwood Mac dauern die internen Dramen übrigens bis heute an. Zuletzt musste Buckingham die Band auf Drängen seiner Ex-Freundin Nicks verlassen - ausgerechnet zum 50. Bandjubiläum. Eine erneute Reunion scheint dennoch möglich und wäre auch im Sinne von Mick Fleetwood, der sich nach eigener Aussage mit Buckingham ausgesprochen hat. "Verrückte Dinge können passieren", sagte er dem "Rolling Stone"-Magazin. "Ich weiß, dass ich mit Lindsey Musik machen will und dass ich wieder mit ihm spielen will."

Bis er wieder in einer vollen Konzertarena seinen berühmten Satz "The Mac is back!" sagt, sitzt er vermutlich noch einige Male in seinem Restaurant auf der Bühne hinter dem Schlagzeug. Das "Fleetwood's" ist nämlich nicht nur Restaurant, sondern auch Konzertclub. "Ich bin Musiker", betonte er vor einigen Jahren im Gespräch mit seinem Kollegen Sammy Hagar in der US-Sendung "Rock & Roll Road Trip". "Und es ist ein Raum, an dem ich immer diese Seite von mir ausleben kann, die niemals verschwindet."

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