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Seilbahn-Katastrophe
23.12.2021

Überlebender von Gondelunfall in Italien: Ein Hauch von Frieden für Eitan

Beim Absturz der Gondel einer Seilbahn am norditalienischen Lago Maggiore kamen am 23. Mai 14 Menschen ums Leben. Der sechsjährige Eitan überlebte.
Foto: Piero Cruciatti, dpa

Der Junge, der als einziger den Absturz einer Gondel überlebte, muss seitdem viel durchmachen. Nun scheinen die Auseinandersetzungen in seiner Familie beendet.

Seit dem 23. Mai, Pfingstsonntag, ist das Leben des sechsjährigen Eitan auf den Kopf gestellt. Der Sohn israelischer Eltern befand sich an jenem Tag in der Seilbahngondel, die am Monte Mottarone nahe dem Lago Maggiore abstürzte. Techniker und Verantwortliche hatten das System der Notbremsen außer Kraft gesetzt. Als dann das Zugseil riss, sauste die Gondel ungebremst zu Tal, knallte gegen einen Stützpfeiler, schleuderte zu Boden und überschlug sich mehrfach. Von 15 Personen, die in der Gondel waren, überlebte nur Eitan.

Seilbahn-Unglück: Eitans Eltern, Urgroßeltern und der kleine Bruder kamen ums Leben

Seine Eltern, Urgroßeltern sowie sein kleiner Bruder kamen ums Leben. Und um den Jungen, der zunächst selbst wegen seiner Verletzungen im künstlichen Koma lag, entspann sich ein erbitterter Sorgerechtsstreit. Sein Großvater entführte ihn zwischenzeitlich sogar nach Israel.

Eitans Großvater kämpfte vor Gericht darum, dass der Junge in Israel bleibt.
Foto: Ariel Schalit, dpa

Nun, zum Jahresende, entspannt sich erstmals alles ein wenig. Was auch an einer weitreichenden Entscheidung eines Mailänder Familiengerichts aus der vergangenen Woche liegt: Eitan soll zwar, wie es bereits israelische Gerichte festhielten, künftig bei seiner Tante väterlicherseits in Pavia in der südlichen Lombardei wohnen. Dort lebte er mit seinen Eltern seit dem Säuglingsalter, sein Vater war zum Medizinstudium aus Israel nach Italien gekommen. Das Gericht entzog allerdings seiner Tante Aya B. die Vormundschaft und setzte einen Anwalt aus Monza als „außenstehenden Dritten“ ein, der bis zum 18. Geburtstag Eitans dessen rechtlicher Vertreter sein wird. Dies, so die Familienrichterin, sei wegen der „sehr großen Konfliktsituation“ zwischen beiden Familien notwendig geworden.

Vorerst hat diese Entscheidung die Wogen geglättet. „Diese Entscheidung gibt uns Hoffnung“, sagte Eitans Großvater Shmuel Peleg, dessen Tochter bei dem Unglück starb und der gegen die Vormundschaft der Tante väterlicherseits geklagt hatte. „Wir haben das von Anfang an gefordert“, sagte er in einem Interview mit der Zeitung La Repubblica.

Eitans Großvater wollte ihn nach israelischer Tradition erziehen

Hintergrund der Auseinandersetzung waren unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie Eitan am besten aufwachsen solle. Laut Tante sei die Stabilität im Umfeld das Wichtigste. Pelegs Familie forderte dagegen Eitans Rückkehr nach Israel – die Familie habe dorthin zurückkehren wollen, Eitan solle nach israelischer Tradition aufwachsen. Doch gemunkelt wird auch, der Sorgerechtsstreit könne die zu erwartenden Millionen-Entschädigungen für den Sechsjährigen zum Grund haben. „Wir wollten von Anfang an, dass alle Güter von neutraler Seite betreut werden“, sagte jetzt dessen Großvater.

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Gegen den 58-Jährigen ermittelt die Staatsanwaltschaft Pavia, weil er am 11. September Eitan nach Israel entführt hatte. Peleg, ehemaliger Offizier der israelischen Streitkräfte, brachte den Jungen von einem Ausflug nicht mehr zu dessen Tante zurück, die nach dem Seilbahnunglück von italienischen Gerichten als Vormund eingesetzt worden war. Stattdessen transportierte er Eitan erst per Auto ins schweizerische Lugano und von dort per Privatflugzeug nach Tel Aviv in Israel. Dabei bekam er mutmaßlich Hilfe von einem Bekannten, gegen den ebenfalls ermittelt wird, sowie von seiner Ex-Frau Ester C.

Eitan ist seit dem 3. Dezember wieder in Italien bei seiner Tante

Einen fast dreimonatigen Rechtsstreit um den Aufenthaltsort von Eitan entschied Ende November schließlich der Oberste Gerichtshof in Israel: Eitan müsse zu seiner Tante nach Italien zurückkehren. Dort ist er am 3. Dezember auch eingetroffen. Inzwischen besucht er die erste Klasse einer katholischen Grundschule in Pavia und braucht zum Gehen keinen Laufstuhl mehr. Zweimal pro Woche, das hat seine Tante Aya B. den Pelegs mitgeteilt, könne die Familie in Israel mit dem Jungen telefonieren – allerdings nur zwei Personen gleichzeitig, um das Kind nicht zu überfordern.

„Ich will Teil von Eitans Leben sein“, betonte Shmuel Peleg in dem Interview. „Ein Großvater, der seinem Enkel zur Seite steht, der eine schlimme Tragödie erlebt hat. Das ist das Einzige, was mich interessiert.“ Auf die Frage, ob er seinen Enkel erneut eigenhändig nach Israel bringen wolle, antwortete der 58-Jährige: „Natürlich nicht.“ Er sei damals aktiv geworden, weil ihm keinerlei Garantien über die Zusammenarbeit im Hinblick auf die Entscheidungen über Eitans Zukunft gegeben worden seien.

Der Abtransport der Gondel – fast fünf Monate nach dem Unglück.
Foto: Vigili del Fuoco, dpa

Nach seiner Darstellung kam die Entscheidung über die Vormundschaft der Tante im Schnellverfahren zwei Tage nach dem Unglück und ohne sein Wissen zustande. Gegen sie legte Peleg Beschwerde ein, über die nun noch der Oberste Gerichtshof in Italien entscheiden muss. Es geht dabei vor allem um den Aufenthaltsort des Jungen. „Wenn entschieden wird, dass er in Italien leben soll und es Abmachungen gibt über Besuchstermine, werde ich das akzeptieren“, sagte sein Großvater.

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