Von den Wasserträgern wird viel zu selten gesprochen. Die Kriminalassistentinnen und Assistenten sind die Arbeitsbienen in den TV-Mordkommissionen, die mit unendlichem Fleiß Handydaten und Überwachungsvideos auswerten, unfassbar genaue Persönlichkeitsprofile liefern, ständig Ergebnisse aus der Kriminaltechnik auf den Tisch knallen und scheinbar 24/7 im Dienste des Gesetzes schuften, damit das jeweilige Star-Ermittlungspersonal allerlei Bösewichte zur Strecke bringen kann. Sie heißen Kalli, Jütte, Nadeshda oder eben Noah. Er ist in den Zürich-„Tatorten“ der Mann, der in allerlei lichtarmen Räumen am Computer nach Daten-Gold schürft. Im aktuellen Fall „Könige der Nacht“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) wird Noah Löwenherz (Aaron Arens) zum wahren Nachtkönig, obwohl ihn der Titel gar nicht meint. Dennoch bringt sein verständlicher Wunsch nach einer Auszeit, einem „Sabatical“, die Handlung auf unerwartete und beinahe tragische Weise voran.
Die „Tatort“-Ermittlerinnen rauchen schon zusammen
Dabei sind im Zürich-„Tatort“ Tessa Ott (Carol Schuler) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) als höchst ungleiches Duo für die Aufklärungsarbeit zuständig. Die Beiden teilen sich mittlerweile sogar schon mal eine Zigarette, auch wenn sie den Geschmack „echt widerlich“ finden. Widerlich sieht auch die nackte Leiche aus, über die sie sich beugen müssen. Der Stricher Ruben (Yves Weckemann) liegt übel zugerichtet am Ufer des Flüsschens Limmat.
In den ersten Minuten der Folge sah man ihn noch heftig durch die Nacht feiern, mit Drogen und Schnaps, in Gesellschaft von zwei Männern. Wenig später schleifen ihn zwei vermummte Kerle in eine Plastikplane eingerollt aus dem Hochhaus. Beobachtet wird das alles von der Pizzabotin Moya Alemu (Nambitha Ben-Mazwi), die nur Minuten zuvor bei jenem Partytrio im 23. Stock drei flache Kartons abgeliefert hat. Als sie entdeckt wird und noch dazu den Arbeitsausweis verliert, hat sie ein massives Problem - doch das hat sie ohnehin schon, denn sie ist eine illegale Migrantin und hat nur für eine Freundin die Nachtschicht übernommen.
Wie es sich für die Folgen des Zürich-Duos gehört, dreht sich vieles um bessere Kreise, um Geld, Macht und Einfluss und die dunklen Seiten der Geldmetropole. So gerät denn auch ein honoriger Richter (Stefan Merki) ins Visier der Ermittlerinnen, der ein Verhältnis mit Ruben hatte. Wurde er etwa erpresst? Und haben die Erpresser auch Ruben auf dem Gewissen?
Natürlich hat Regisseur Claudio Fäh genretypisch diverse falsche Fährten gelegt und dabei einen angenehm düsteren „Tatort“ gedreht. Als erfahrener Hollywood-Actionregisseur (“Northmen - A Viking-Saga“) reichert er das Geschehen mit einigen ordentlichen Thriller-Elementen an, die das Publikum problemlos bei der Stange halten, nicht nur in den ersten beklemmenden zehn Minuten. Fäh hält die Spannung hoch und liefert am Ende einen zackigen Showdown mit einem reichlich durchgeknallen, zottelhaarigen Mörder, der sogar Hollywood-tauglich wäre. Das Motiv für den Tod von Ruben sei an dieser Stelle nicht verraten, doch es ist so lapidar wie abstoßend.
Eine starke Folge vor der „Tatort“-Sommerpause
Mit dieser starken Folge aus der Schweiz verabschieden sich „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ in eine Sommerpause, die man eigentlich gar nicht so nennen kann, denn der Frühling steht ja gerade erst mal in voller Blüte. Wir als Fangemeinde müssen uns unfassbare 19 Wochen gedulden, bis wir ab dem 13. September den Blumen des Bösen wieder beim Wuchern zuschauen dürfen. Der Grund: Einerseits die Fußball-Weltmeisterschaft, die stets das Programmgefüge durcheinander bringt, andererseits stehen heuer laut ARD nur 26 Sonntagskrimis zur Verfügung, vier weniger als im Schnitt vergangener Jahre. Dann hoffen wir wenigstens mal auf spannende WM-Kicks.
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