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Transnistrien-Konflikt
20.07.2022

Lage in Transnistrien vor Eskalation: Worum geht es im Transnistrien-Konflikt?

Es gab Anschläge in der moldauischen Konfliktregion Transnistrien. So drohen den Transnistrien-Konflikt aufzutauen
Foto: Press Center of the Ministry of Internal Affairs of the Pridnestrovian Moldavian Republic, dpa (Archivbild)

In Transnistrien gab es Explosionen, das könnte den eingefrorenen Transnistrien-Konflikt auftauen. Es wächst auch die Sorge, dass Moldau zum Nebenschauplatz des Krieges in der Ukraine wird.

Die Lage in Transnistrien war lange Zeit nicht mehr so unübersichtlich und unruhig, wie es Ende April der Fall war. Nach mehreren Explosionen hatte der Sicherheitsrat von Transnistrien die rote und damit höchste Terrorwarnstufe verhängt. Zwar hat es sich wieder etwas beruhigt, doch im Schatten des Krieges in der Ukraine könnte auch die Lage in der Region direkt an der ukrainischen Grenze eskalieren. Doch warum ist das so und worum geht es in dem Transnistrien-Konflikt?

Transnistrien: Anerkennung, Lage, Einwohner und Bedeutung

Das Gebiet von Transnistrien befindet sich im Osten der Republik Moldau. Es stellt eine schmale Landzunge direkt an der Grenze zur Ukraine dar. Es handelt sich um ein De-facto-Regime, da die Region völkerrechtlich zur Republik Moldau gehört. Nur Russland hat Transnistrien als eigenständigen Staat anerkannt.

Transnistrien hat rund 450.000 Einwohner. Die Region hat in der Republik Moldau eine große Bedeutung, insgesamt kommt diese nämlich nur auf 2,5 Millionen Einwohner. Die meisten der Einwohner leben in der Stadt Tiraspol, welche die zweitgrößte Stadt des Landes darstellt.

Auch im Zuge des Krieges in der Ukraine spielt Transnistrien eine wichtige Rolle, da die Region viele Kriegsflüchtlinge aufgenommen hat. In Moldau wurden insgesamt rund eine halbe Million Menschen aus der Ukraine aufgenommen, viele davon waren zunächst in Transnistrien oder sind dort untergekommen. Eine beachtliche Zahl, wenn man die Einwohnerzahl der Republik Moldau betrachtet.

Der Fluss Dnister durchfließt die Ukraine und die Republik Moldau - und die Stadt Tiraspol in Transnistrien.
Foto: Michele Grimaz, dpa (Archivbild)

Transnistrien-Konflikt: Erklärung und Entstehung

Der Transnistrien-Konflikt begann im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion. Zu dieser gehörte Moldau bis zum Jahre 1991, dann wurde die staatlich souveräne Republik Moldau ausgerufen. Schon im Jahr zuvor hatte der Konflikt langsam begonnen, im März 1992 eskalierte er dann in einer kriegerischen Auseinandersetzung.

Bis zum August 1992 kämpften prorussische Separatisten in Transnistrien gegen die Armee der Republik Moldau um die Unabhängigkeit. Mit Erfolg, denn seit Ende des kurzen Krieges, der über 500 Todesopfer forderte, hat die Region eine De-facto-Unabhängigkeit erlangt. Die Kämpfe endeten damals durch die Vermittlung vom General Alexander Leben, welcher die 14. Armee Russlands befehligte, die in Transnistrien stationiert ist.

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Transnistrien wurde nur von Russland als Staat anerkannt, die Republik Moldau beansprucht das Gebiet weiter für sich. Der Konflikt war nach dem kurzen Krieg allerdings eingefroren, nachdem zahlreiche diplomatische Lösungsansätze nicht gelangen.

Video: dpa Exklusiv

Krieg in der Ukraine taut Transnistrien-Konflikt auf

Der Transnistrien-Konflikt galt über die Jahre als einer der lösbarsten der postsowjetischen Territorialkonflikte. Gerade in den letzten Jahren war es für die Republik Moldau nicht Priorität, Transnistrien einzugliedern, da die Befürchtung bestand, dass das instabile politische und gesellschaftliche System das nicht verkraften könne. Auch das politische System in Transnistrien ist unterdessen in einem schlechten Zustand.

Explosionen in der transnistrischen Hauptstadt Tiraspol haben den Konflikt nun wieder aufgetaut. Die Republik Moldau erklärte, dass man nicht wisse, wer geschossen habe, dies aber als Versuch zu werten sei, die Lage zu destabilisieren. Die Ukraine beschuldigt Russland für den Beschuss von Sendemasten und Gebäuden. Nun geht die Angst um, dass sich der Angriffskrieg Russlands auch auf die Republik Moldau ausdehnen könnte. In Transnistrien sind rund 1500 russische Soldaten stationiert. Diese dienen dort nominell als Friedenswächter. Nun besteht aber die Sorge, dass diese Soldaten in die Ukraine marschieren könnten.

Die Republik Moldau ist weder Mitglied der EU noch der NATO. Allerdings hat das Land im März, genau wie die Ukraine, einen Beitrittsantrag bei der Europäischen Union eingereicht. Es ist kein Geheimnis, dass Russlands Präsident Wladimir Putin die Annäherung an den Westen der ehemaligen sowjetischen Staaten alles andere als gern sieht. Die Sorge ist daher nicht unberechtigt, dass die Region Transnistrien und auch die Republik Moldau ein Nebenschauplatz des Krieges in der Ukraine werden.

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