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Krieg in der Ukraine
21.06.2022

Dritter Weltkrieg: Wie wahrscheinlich ist das Szenario wirklich?

Soldaten der Bundeswehr mit Leopard 2-Panzern in Vilnius, Litauen. Auch bei dem Nato-Mitglied sieht man die Gefahr eines Weltkrieges
Foto: Mindaugas Kulbis, dpa (Archivbild)

Russlands Außenminister Sergej Lawrow schätzt die Gefahr eines Dritten Weltkrieges als "real" ein. Doch wie wird das im Westen gesehen und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer ultimativen Eskalation wirklich?

Es ist das große Schreckensszenario rund um den Krieg in der Ukraine, welches Russlands Außenminister Sergej Lawrow ausgesprochen hat. "Die Gefahr ist ernst, sie ist real, sie darf nicht unterschätzt werden", sagte er über einen möglichen Dritten Weltkrieg in einem Interview im russischen Fernsehen, welches er in seinem Telegram-Kanal verbreitete. Doch wie real ist ein solches Szenario wirklich?

Dritter Weltkrieg: Westen nimmt russische Drohungen ernst

Zunächst einmal ist es auffällig, dass aus Russland immer wieder Drohungen und Andeutungen in Richtung eines Dritten Weltkrieges oder eines Atomkrieges - der wohl selbiges zur Folge hätte - verlauten. Zu Beginn des Krieges in der Ukraine erklärte Russlands Präsident Wladimir Putin, dass er seine Atomstreitkräfte in Alarmbereitschaft versetzen lässt. Seitdem ist auch die Angst vor einem Atomkrieg, wie sie im Kalten Krieg allgegenwärtig war, wieder zurück.

Kürzlich sagte der Kreml-Chef: "Jeder, der versucht, sich bei uns einzumischen oder mehr noch, eine Bedrohung für unser Land und unser Volk zu schaffen, muss wissen, dass Russlands Antwort sofort erfolgen und zu solchen Konsequenzen führen wird, die Sie in Ihrer Geschichte noch nie erlebt haben."

Video: dpa Exklusiv

Wegen solcher Aussagen ist die Angst in Europa und der Welt groß, dass es tatsächlich zu der ultimativen Eskalation kommen könnte. Auch von den Politikern des Westens werden die Drohungen ernstgenommen. "Ich tue alles, um eine Eskalation zu verhindern, die zu einem Dritten Weltkrieg führt. Es darf keinen Atomkrieg geben", stellte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) klar.

Scholz bekam offenen Brief von Intellektuellen und Kunstschaffenden

Scholz musste für sein Zaudern und den Warnungen vor einer Eskalation, die den Dritten Weltkrieg bedeuten könnte, viel Kritik einstecken. Er bekam Ende April aber auch einen offenen Brief von 28 Intellektuelle, Künstlerinnen und Künstler, in welchem sein Handeln begrüßt wird. Der Brief im Wortlaut:

"Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, wir begrüßen, dass Sie bisher so genau die Risiken bedacht hatten: das Risiko der Ausbreitung des Krieges innerhalb der Ukraine; das Risiko einer Ausweitung auf ganz Europa; ja, das Risiko eines 3. Weltkrieges. Wir hoffen darum, dass Sie sich auf Ihre ursprüngliche Position besinnen und nicht, weder direkt noch indirekt, weitere schwere Waffen an die Ukraine liefern. Wir bitten Sie im Gegenteil dringlich, alles dazu beizutragen, dass es so schnell wie möglich zu einem Waffenstillstand kommen kann; zu einem Kompromiss, den beide Seiten akzeptieren können. Wir teilen das Urteil über die russische Aggression als Bruch der Grundnorm des Völkerrechts. Wir teilen auch die Überzeugung, dass es eine prinzipielle politisch-moralische Pflicht gibt, vor aggressiver Gewalt nicht ohne Gegenwehr zurückzuweichen. Doch alles, was sich daraus ableiten lässt, hat Grenzen in anderen Geboten der politischen Ethik."

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Aussagen zum 3. Weltkrieg als Abschreckung zu verstehen?

Die scharfen Töne von Lawrow und Putin könnten vor allem als Abschreckung zu verstehen sein - und als Warnung, sich in den Krieg in der Ukraine direkt einzumischen. Ähnlich sieht es auch Militär- und Sicherheitsexperte Carlo Masala: "Wladimir Putin möchte den Westen daran erinnern, dass Russland eine Atommacht ist. 'Mischt euch nicht in den Konflikt mit der Ukraine ein', so ließen sich Putins Worte auch übersetzen. Wenn die angeordnete Alarmbereitschaft dann noch den einen oder anderen Staat davon abhält, der Ukraine Waffen zu liefern, ist Russlands Präsident schon ganz zufrieden."

Vor allem die USA und Großbritannien halten oftmals dagegen, senden scharfe Worte zurück in Richtung Moskau. "Lawrows Markenzeichen im Laufe der vergangenen 15 Jahre, in denen er russischer Außenminister ist, war diese Art von Prahlerei. Ich glaube nicht, dass im Moment eine unmittelbare Gefahr einer Eskalation besteht", sagte der britische Verteidigungsminister James Heappey bei BBC. US-Präsident Biden nannte Putin schon früh einen Kriegsverbrecher und machte deutlich, dass unter ihm wenig Deeskalation zu erwarten ist.

Klar ist: Die Nato-Staaten versuchen, eine direkte Beteiligung in der Ukraine zu verhindern, um ein Horrorszenario nicht zu provozieren.

Wie hoch ist die Gefahr für einen Dritten Weltkrieg?

Sicherheitsexperten sind sich derzeit einig, dass Panik vor einem Dritten Weltkrieg nicht angebracht ist. "Das ist sehr unwahrscheinlich. Putin geht es um die Ukraine. Würde er zudem ein Nato-Mitglied angreifen, befände er sich im Krieg mit der Nato und daran hat Putin keinerlei Interesse", erklärte Masala von der Universität der Bundeswehr in München dem ZDF: "Wir stehen nicht vor einem Atomkrieg. Für den Einsatz von Atomwaffen müsste Putin wirklich mit dem Rücken zur Wand stehen. So weit ist es aber noch lange nicht."

Das sehen auch die meisten seiner Kollegen so. "Ich glaube nicht, dass Putin den Krieg über die Ukraine hinaus ausweitet, weil er an der Wiederherstellung des Imperiums interessiert ist und von einem Krieg gegen die Nato gar keinen Gewinn hätte. Dafür wäre Russland militärisch und ökonomisch nicht gerüstet", schätzte beispielsweise Prof. Jörg Baberowski von der Humboldt Universität Berlin.

Die Gefahr schwingt aber immer mit - so sieht man es auch im Bundestag. Die zurückhaltende Einstellung bei den Waffenlieferungen in die Ukraine, welche die Ampel-Regierung lange fuhr, ist auch damit zu erklären. Auch in den Parteien der Opposition gibt es diese Gedanken. "Damit kein Flächenbrand entsteht, muss der Westen noch enger zusammenstehen. In der Unterstützung der Ukraine und beim Schutz des Nato-Bündnisgebiets", sagte der Ex-Verteidigungsstaatssekretär Thomas Silberhorn der Bild.

Putin selbst sagte bei seiner Rede zum "Tag des Sieges" am 9. Mai in Moskau, dass sich die "Schrecken eines Weltkriegs nicht wiederholen" dürfen. Das klingt immerhin nicht danach, dass er derzeit weitere Provokationen unternehmen will.

Video: dpa

3. Weltkrieg: Diese Szenarien gibt es

Um die Gefahr eines Dritten Weltkrieges zu minimieren, gibt es einige Szenarien möglichst zu verhindern. Dabei liegt aber nicht alles in den Händen Deutschlands und der Nato-Staaten. Im Folgenden sind die drei wahrscheinlichsten Szenarien für einen neuerlichen Weltkrieg zusammengefasst.

Die Nato greift in den Krieg in der Ukraine ein: Falls die Nato in den Krieg in der Ukraine eingreifen sollte, dann könnte eine Eskalation und sogar ein Dritter Weltkrieg bevorstehen. Eine Einmischung wäre dann der Fall, wenn Soldaten aus den Nato-Staaten auf den Seite der Ukraine kämpfen. Auch eine Flugverbotszone wäre eine direkte Beteiligung, denn dann müssten russische Flugzeuge von der Nato abgeschossen werden, wenn sie über der Ukraine fliegen sollten.

Russland verübt Grenzverletzungen oder greift Nato-Staat an: Sobald Russland einen Staat der Nato angreift, würde der Nato-Bündnisfall ausgelöst werden. Dann müssten also die Verbündeten zur Hilfe eilen und in den Krieg eintreten. Derzeit ein unwahrscheinliches Szenario, aber eben nicht ausgeschlossen.

Versehentlicher Zwischenfall: Womöglich die gefährlichste Option, weil die wahrscheinlichste. Kürzlich kam es über dem Mittelmeer beinahe zu einem Zusammenstoß von Flugzeugen der USA und Russland. Beide Seiten werfen sich gegenseitig Provokationen vor. Je aufgeheizter die Stimmung, desto gefährlicher. Beispielsweise könnte ein Flugzeug der USA an der Grenze versehentlich abgeschossen werden, oder ein russische Rakete verfehlt ihr Ziel und trifft auf Nato-Territorium. Dann wäre wohl eine Reaktion nötig, welche sogar einen Kriegseintritt betreffen könnte.

Alle aktuellen Entwicklungen erfahren Sie jederzeit in unserem Live-Blog zum Krieg in der Ukraine.

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