Startseite
Icon Pfeil nach unten
Panorama
Icon Pfeil nach unten

Virenschiff „MV Hondius“ auf Teneriffa: Nun werden die Urlauber ausgeflogen

„MV Hondius“

Virenschiff auf Teneriffa: Nun werden die Urlauber ausgeflogen

  • |
  • |
  • |
  • |
    Spanische Regierungsbeamte besprühen auf dem Flughafen von Teneriffa Passagiere der „MV Hondius“ mit Desinfektionsmitteln, bevor diese ein Flugzeug besteigen dürfen.
    Spanische Regierungsbeamte besprühen auf dem Flughafen von Teneriffa Passagiere der „MV Hondius“ mit Desinfektionsmitteln, bevor diese ein Flugzeug besteigen dürfen. Foto: Arturo Rodriguez, AP/dpa

    Kurz vor 11 Uhr am Sonntag erreicht ein kleines Zubringerboot die Hafenmole von Granadilla im Süden Teneriffas. An Bord: die ersten Passagiere der „MV Hondius“, jenes Kreuzfahrtschiffs, auf dem ein Hantavirus-Ausbruch drei Menschen das Leben kostete. Seit Tagen hält er internationale Behörden und die Weltöffentlichkeit in Atem. Die Szenen des Rücktransports an Land erinnern an Coronazeiten: In Schutzkleidung gehüllt, mit FFP2-Masken vor Mund und Nase, steigen 13 spanische Passagiere und ein spanisches Besatzungsmitglied aus dem Boot. Sie durften nur Handgepäck mitnehmen, verpackt in Plastiksäcke.

    Wenig später sitzen sie in einem Bus der militärischen Katastrophenschutzeinheit UME. Ziel: ein komplett abgeschirmter Bereich des zehn Minuten entfernten Flughafens Teneriffa Süd, auf dem jeden Tag Tausende von Urlaubern ankommen und abfliegen. Später werden ihnen sechs niederländische und vier deutsche Passagiere folgen. Sie werden mit einem Mediziner der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der auf den Kapverden an Bord gegangen war, mit einer Sondermaschine in die Niederlande ausgeflogen. Zum Militärflughafen Eindhoven. Dort sollten, so der Plan, Einsatzkräfte der Feuerwehr Essen und der Feuerwehr Frankfurt die Deutschen abholen. Die Niederlande übernehmen auch den Rücktransport von Staatsbürgern aus Belgien und Griechenland.

    Evakuierung: Für diesen Montag wird ein letzter Flug für Reisende aus Australien, Neuseeland und asiatischen Ländern erwartet

    Weitere Sonderflüge mit Bootspassagieren sind am Sonntag unter anderem nach Kanada, Frankreich, Großbritannien, Irland und in die USA gegangen. Für diesen Montag wird ein letzter Flug für Reisende aus Australien, Neuseeland und mehreren asiatischen Ländern erwartet.

    Die „MV Hondius“ hatte Teneriffa in den frühen Morgenstunden von den Kapverdischen Inseln kommend erreicht. Das Schiff durfte aus Sicherheitsgründen nicht am Kai anlegen. Kurz vor Sonnenaufgang ging ein spanisches Medizinerteam an Bord, um Passagiere und Besatzungsmitglieder erneut zu untersuchen. „Das Team, das an Bord die epidemiologische Bewertung vornimmt, teilt uns mit, dass weiterhin alle Passagiere symptomfrei sind“, erklärte Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García.

    Abschiedsgruß von der mit Hantaviren befallenen „MV Hondius“ – an Passagiere, die am Sonntag zum Hafen von Granadilla auf Teneriffa ausgeschifft werden.
    Abschiedsgruß von der mit Hantaviren befallenen „MV Hondius“ – an Passagiere, die am Sonntag zum Hafen von Granadilla auf Teneriffa ausgeschifft werden. Foto: AP/dpa

    Die ganze Logistik folgt einem strikten Sicherheitsprinzip: kein Kontakt zur Bevölkerung, keine Kontakte zu Urlaubern, keine normale Abfertigung. Die Evakuierung war politisch bis zuletzt umstritten: Die kanarische Regionalregierung hatte sich gegen die Ankunft des Schiffes gewehrt. Regionalpräsident Fernando Clavijo warnte noch in der Nacht zum Sonntag, er werde das Ankern im Hafen von Granadilla nicht erlauben. Sollte Spanien das Schiff trotzdem aufnehmen, trage Madrid die Verantwortung.

    Weltgesundheitsorganisation: „Das ist kein zweites Covid-19“

    Die spanische Regierung, die einer Bitte der WHO folgte, ordnete die Aufnahme der „MV Hondius“ schließlich an. „Einen sicheren Hafen anzubieten, ist eine moralische und rechtliche Pflicht gegenüber unseren Bürgern, Europa und dem Völkerrecht“, begründete Spaniens sozialdemokratischer Regierungschef Pedro Sánchez die Entscheidung. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus wandte sich in einem Aufruf an die Bevölkerung Teneriffas: „Ich möchte, dass Sie mich klar verstehen: Das ist kein zweites Covid-19. Das derzeitige Risiko für die öffentliche Gesundheit durch das Hantavirus bleibt gering.“

    Das Hantavirus wird in der Regel über Nagetiere und deren Ausscheidungen übertragen. Bei der in diesem Ausbruch nachgewiesenen südamerikanischen Andes-Variante sind in seltenen Fällen Übertragungen von Mensch zu Mensch möglich. Auf der „MV Hondius“ wurden nach jüngsten Angaben sechs Hantavirus-Fälle bestätigt, hinzu kamen zwei Verdachtsfälle. Drei Menschen starben: ein niederländisches Ehepaar und eine deutsche Passagierin.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren