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Heimlich mitgefilmt

23.06.2017

Ärger über "Lauschangriff": Kretschmann lästert über Grüne

Hoffentlich diesmal ohne Lauschangriff: Cem Özdemir und Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, unterhalten sich beim Grünen-Bundesparteitag.
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Hoffentlich diesmal ohne Lauschangriff: Cem Özdemir und Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, unterhalten sich beim Grünen-Bundesparteitag.
Bild:  Rainer Jensen (dpa)

Dass Baden-Württembergs Ministerpräsident nicht immer auf der Linie der Grünen im Bund liegt, ist bekannt. Aber der Ton, in dem er in einem Gespräch über die eigene Partei schimpft, lässt aufhorchen. In Stuttgart ist man sauer über den Mitschnitt - und Berlin wiegelt ab.

Ein Läster-Video von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat die demonstrative Einigkeit der Grünen in Frage gestellt. In dem Mitschnitt zieht Kretschmann mit deutlichen Worten über den Beschluss her, ab 2030 nur noch abgasfreie Autos neu zuzulassen.

Unter anderem spricht der prominente Politiker im Gespräch mit einem Bundestagsabgeordneten von "Schwachsinns-Terminen". Dass Kretschmann das konkrete Zieljahr 2030 kritisch sieht, ist bekannt.

Ein Regierungssprecher in Stuttgart nannte das Video vom Berliner Bundesparteitag am vergangenen Wochenende einen "Lauschangriff" auf ein privates Gespräch, dessen Veröffentlichung unter anderem auf YouTube "sittenwidrig" sei. Man wolle aber nicht juristisch dagegen vorgehen.

Grünen-Chef Cem Özdemir betonte die grundsätzliche Geschlossenheit der Partei: "Im Ziel der abgasfreien Mobilität besteht große Einigkeit." Man freue sich, dass Kretschmann mit der Partei einen "engagierten Wahlkampf" machen werde.

Christian Jung, der in der Aufnahme als Urheber genannt wird, verteidigte sich gegen die Vorwürfe aus Stuttgart: "Die Aufnahmesituation war eindeutig und klar erkennbar", wird Jung in der rechtskonservativen Wochenzeitung "Junge Freiheit" zitiert.

Im Gespräch mit dem Baden-Württemberger Abgeordneten Matthias Gastel sagte Kretschmann unter anderem, die Grünen müssten mit sechs oder acht Prozent bei der Bundestagswahl zufrieden sein, wenn sie so etwas beschlössen. "Dann jammert nicht rum und lasst mich in Ruhe und macht euren Wahlkampf selber." Er als Ministerpräsident mache das nicht.

Für die Grünen ist der Mitschnitt ärgerlich, weil sie im Wahlkampf um ein geschlossenes Auftreten bemüht sind und Konflikte auf dem Parteitag zum Wahlprogramm größtenteils im Hintergrund abgeräumt hatten. In Umfragen liegen sie derzeit bei sieben bis acht Prozent, Ziel ist ein zweistelliges Ergebnis bei der Bundestagswahl am 24. September und der dritte Platz hinter Union und SPD.

Kretschmann ist der beliebteste Grünen-Politiker in Deutschland, der erste grüne Ministerpräsident und einer der wichtigsten Vertreter des pragmatischen Realo-Flügels der Partei. Er koaliert in Baden-Württemberg mit der CDU. Im linken Parteiflügel gibt es immer wieder Kritik an Kretschmanns Politik und seinen Ansichten.

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