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Lehrer-Meldeplattform

11.10.2018

AfD erntet massive Kritik für Petzportal

Die AfD hat Portale eingerichtet, in denen Schüler ihre Lehrer melden sollen. Kritik kommt von vielen Seiten.
Bild: Daniel Karmann, dpa (Symbolbild)

In anonymen Portalen der AfD sollen Schüler ihrer Lehrer melden, wenn sie sich kritisch über die Partei äußern. Das löst Empörung aus.

Was sich zunächst nach einem schlechten Scherz anhörte, lässt immer mehr Lehrer und Politiker hellhörig werden: Die AfD sorgt mit Online-Portalen, auf denen Schüler politische Äußerungen von Lehrern melden sollen, für Empörung. „Organisierte Denunziation ist ein Mittel von Diktaturen“, sagte Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Wer so etwas als Partei einsetzt, um missliebige Lehrer zu enttarnen und an den Pranger zu stellen, gibt viel über sein eigenes Demokratieverständnis preis.“

Kritik an AfD-Meldeplattform kommt auch vom bayerischen Kultusminister

Wie bereits in Hamburg geschehen, will die AfD in mehreren Bundesländern Meldeplattformen gegen Lehrkräfte einrichten, die angeblich gegen das Neutralitätsgebot verstoßen und sich kritisch über die Partei äußern: in Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

An Schulen gilt generell ein Neutralitätsgebot. Demnach sollen Lehrer Schülern nicht ihre Meinung aufzwingen. Themen, die in der Gesellschaft kontrovers diskutiert werden, müssen so auch im Unterricht dargestellt werden. Schüler sollen die Fähigkeit erlangen, politische Situationen zu analysieren.

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AfD zu Portalen: Hat nichts mit Denunziation zu tun

An bayerischen Schulen sei das ein grundlegendes Bildungs- und Erziehungsziel, erklärt der bayerische Kultusminister Bernd Sibler: „Die Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Entwicklungen hat ihren festen Platz im Unterricht.“ Das Sammeln anonymer Hinweise würde Sibler zufolge zu einer „Kultur des Misstrauens“ führen, die allenfalls den Interessen der AfD dienen würde. „Zu behaupten, dass Deutschlands Lehrkräfte einseitig informieren, ist ein Einschüchterungsversuch“, sagte auch der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger.

Die AfD hingegen sieht sich als Opfer der Lehrerschaft. Markus Bayerbach, selbst Förderlehrer und AfD-Vorsitzender des Kreisverbandes Augsburg-Stadt, sagte kürzlich unserer Redaktion, dass in der Schule unterschiedliche Meinungsbilder oft nicht respektiert würden. In Franken etwa habe sich ein Lehrer im Unterricht beim Thema Extremismus „extrem gegen unsere Partei gewandt“. Mitte September hatte die Hamburger AfD ihre Meldeplattform „Neutrale Schule“ gestartet. „Ernstzunehmende und scherzhafte Beiträge halten sich etwa die Waage“, erklärte AfD- Fraktionschef Alexander Wolf nach Sichtung von mehreren hundert Hinweisen.

Ein Sprecher sagte aber auf Anfrage, genaue Zahlen zu Fällen von Einflussnahmen von Lehrern gegen die AfD könnten noch nicht genannt werden. Auch die AfD im Bundestag verteidigte die Online-Portale. „Das hat mit Denunzierung gar nichts zu tun“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer Bernd Baumann. Die Mehrheit der Journalisten sei links oder links-grün eingestellt. „An Schulen dürfte das ähnlich sein.“ (mit dpa)

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