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Frust und Stau

30.07.2009

An Autobahn-Baustellen wird zu wenig gearbeitet

Auch die Baustelle auf der A8 ärgert die Autofahrer. Foto: Schöllhorn

An Autobahnbaustellen in Deutschland wird zu wenig gearbeitet. Auch in Augsburg sind die Arbeiter selten lange und kaum samstags im Einsatz. Das hat Gründe. Von Andrea Wenzel

Von Andrea Wenzel

Augsburg/Berlin - An Autobahnbaustellen in Deutschland wird zu wenig gearbeitet. Auch inAugsburg sind die Arbeiter selten lange und kaum samstags im Einsatz.Das hat Gründe.

Die Baustellen auf deutschen Autobahnen sorgen immer wieder für Ärger. Vor allem in der Ferienzeit, wenn Reisende lange im Stau stehen.

Dann diskutieren Autofahrer wieder, ob an den Baustellen auch wirklich ausreichend intensiv gearbeitet wird, um die Verkehrshindernisse so schnell wie möglich zu beseitigen. Ihr Eindruck: oft stehen die Bagger schon am Nachmittag still, am Samstag wird gar nicht gearbeitet.

An Autobahn-Baustellen wird zu wenig gearbeitet

Die FDP-Bundestagsfraktion kann diesen Eindruck nun bestätigen. Eine kleine Anfrage an die Bundesregierung hat ergeben, dass an den Autobahnbaustellen im Schnitt 55 Stunden in der Woche gearbeitet wird. Damit wird das Potenzial nicht voll ausgeschöpft. "Gerade ein Drittel der Wochenzeit wird für Bauarbeiten an den Autobahnbaustellen genutzt - es ist unglaublich, wie hier auf Kosten der Autofahrer und der Volkswirtschaft gespart wird", reagiert FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring auf die Antwort der Bundesregierung.

Dort heißt es, dass in der Sommerferienzeit (1. Juli bis 31. August) etwa 400 Baustellen mit einer Dauer von acht Tagen oder mehr auf Deutschlands Autobahnen existieren. Zu 171 Baustellen kann die Regierung genauere Informationen liefern. Für sie ist eine Gesamtbauzeit von 25.800 Tagen vorgesehen. Davon sind 3.170 Tage Samstage.

Schwammige Antwort der Regierung

Die Frage nach der Nutzung der Tageshelligkeit und die Anzahl der Nachtbaustellen umgeht die Regierungsantwort. Stattdessen informiert man darüber, dass bei 31 Baustellen Nebenangebote existieren, die zur "Bauzeitverkürzung" beitragen sollen. Bei weiteren 31 Baustellen seien "Beschleunigungsvergütungen" vertraglich vereinbart. Nicht genug für FDP-Mann Döring. "Es muss zur Regel werden, dass gearbeitet wird, solange es hell ist - an neuralgischen Punkten dazu auch nachts." Dazu fordert er: "Anstatt an 400 Stellen gleichzeitig die Autobahn aufzureißen, könnten die Arbeiten nacheinander und dafür schneller erledigt werden. Wir brauchen ein besseres Baustellenmanagement."

Genau dieses hebt die Bundesregierung jedoch lobend hervor. Auf den Internetseiten des Verkehrsministeriums betont Minister Tiefensee am Beispiel Hessen, dass gemeinsam mit den Ländern große Anstrengungen unternommen würden, um Staus zu verhindern.

Durch ein wirkungsvolles Verkehrs- und Baustellenmanagement in Hessen hätten sich die Baustellen bedingten Stauzeiten seit 2007 mehr als halbiert. Dazu fügt Tiefensee an: "Auf Drängen des Bundes gilt für 92 Prozent aller Ausschreibungen: Vom Sonnenaufgang bis Einbruch der Dunkelheit muss gearbeitet werden. Das kostet etwas mehr, aber volkswirtschaftlich rechnet sich das." Offenbar sind sich FDP und Tiefensee einig, doch (noch) sieht die Realität anders aus. Die FPD stützt sich auf eine Aussage des ADAC der sagt, dass ein Viertel der Staus vermeidbar wäre.

In Augsburg wird kaum an Samstagen gearbeitet

Nicht nur Autobahnbaustellen, sondern auch Baustellen in der Stadt beschäftigen die Bürger. In Augsburg beispielsweise steht ein wahrer Baumarathon an. Friedberger-Straße, Rote-Torwall-Straße/Haunstetter Straße oder Kreuzung Mühlhauser Straße/Bgm.-Wegele-Straße. Auch hier wird kaum an Samstagen, selten bis in die späten Abendstunden und kaum nachts gearbeitet, bestätigt der Leiter des Tiefbauamts Josef Weber.

"Wir halten uns an die Tarifverträge. Diese schreiben vor, dass die Arbeiter nicht länger als zehn Stunden eingesetzt werden dürfen." Man versuche zwar mit einer zweiten Kolonne Bauarbeiter die Einsatzzeiten zu verlängern, das gestalte sich jedoch schwierig. "Dazu müssen die Firmen auch ausreichend Personal bieten können", erklärt Weber.

Anwohner klagen über Baulärm

Deshalb werde nur in begründeten Ausnahmefällen an Samstagen, bis spät in den Abend oder gar nachts gearbeitet. Das liegt aber auch an der Lärmbelästigung. "Wir haben schon versucht, mit den Arbeiten bereits um fünf Uhr morgens zu beginnen und Abends bis 20 oder 21 Uhr fortzusetzen. Doch dann dauert es nicht lange, bis sich die ersten Anwohner beschweren. Das ist in der Stadt schwierig.".

Bonussystem nicht möglich

Andere Mittel, die Bauarbeiten zu beschleunigen, hat die Stadt nicht. Bonussysteme seien nicht zulässig erklärt Weber. "Als öffentlicher Auftraggeber dürfen wir keine Honorierung dafür ausloben, wenn Firmen vor dem eigentlichen Termin fertig sind." So könne man sich nur damit behelfen, die Baustellen in die Ferienzeit zu verlegen. Hier habe man zwischen 40 und 50 Prozent weniger Verkehr. In diesem Jahr komme dazu, dass Mittel aus dem Konjunkturpaket zugesichert wurden, die innerhalb von zwei Jahren abgearbeitet sein müssen.

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