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Champs-Élysées

20.06.2017

Angreifer von Paris war IS-Anhänger

Bei dem Angriff am Montag kam der Islamist ums Leben. Polizisten und Passanten blieben unverletzt. Der Mann durfte legal Waffen führen.
Bild: Bertrand Combaldieu (dpa)

Der 31-jährige Angreifer, der am Montag Polizisten auf den Champs-Élysées attackierte hatte, war Polizei und Behörden bekannt. In einem Bekennerschreiben bekannte er sich zum IS.

Obwohl von den Behörden als Gefährder eingestuft, durfte der Angreifer von der Pariser Champs-Elysées zahlreiche Waffen führen. Bei einer Durchsuchung seines Hauses in Plessis-Pâté bei Paris wurde ein "Waffenlager" gefunden, wie am Dienstag aus Ermittlerkreisen verlautete. Infolge der Ermittlungen wurden vier Verwandte des beim Anschlag am Montag ums Leben gekommenen Islamisten in Polizeigewahrsam genommen.

Angreifer bekennt sich in einem Schreiben zum IS

Der 31-Jährige, der seit 2015 in einer Gefährderdatei geführt wurde, besaß den Ermittlern zufolge neun den Behörden bekannte Waffen: Zwei Pistolen und einen Karabiner, für die er eine Behördenerlaubnis benötigte, sowie sechs weitere Waffen, die er den Behörden lediglich melden musste. Er war Mitglied in einem Sportschützenverein.

Der Angreifer war nicht vorbestraft, stand aber in einer Datei mit mutmaßlich radikalisierten Islamisten. Er war mehrfach in die Türkei gereist, für viele Dschihadisten ein Transitland auf dem Weg nach Syrien. Schon 2013 geriet er ins Visier der tunesischen Behörden: Er hatte sich in einer Wohnung aufgehalten, in der sich "Waffen und Menschen mit Nähe zur dschihadistischen Bewegung" befanden, wie es aus französischen Ermittlerkreisen hieß.

Dienstagabend wurde bekannt, dass er ein Anhänger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) war. Wie Ermittler am Dienstag in Paris mitteilten, wurde ein Abschiedsbrief gefunden, in dem sich der 31-Jährige zum Chef der IS-Miliz, Abu Bakr al-Baghdadi, bekennt.

Seine Familie soll der Salafisten-Szene angehören. Der Vater, der Bruder, die Ex-Frau und die Schwägerin des 31-Jährigen wurden nach dem Anschlag in Polizeigewahrsam genommen und verhört. In Frankreich ist dies nach Anschlägen eine gängige Prozedur.

Trotz Eintrags in der Gefährderdatei behielt der Täter seinen Waffenschein

Dass der Mann trotz des Eintrags in der Gefährderdatei einen Waffenschein und Waffen besitzen konnte, sorgte am Dienstag für Debatten. Eine solche Situation sei nicht "zufriedenstellend", sagte Premierminister Edouard Philippe den Sendern RMC und BFMTV. Die erste Erlaubnis zum Waffenbesitz sei aber erteilt worden, bevor der Mann als radikaler Islamist gemeldet worden sei.

Als er Ende 2016 eine Verlängerung seines Waffenscheins beantragte, bat die Polizei den Inlandsgeheimdienst DGSI um eine Einschätzung, wie es aus Ermitterkreisen hieß. Dieser kam zu dem Schluss, dass es nicht zielführend sein, den Waffenschein zu entziehen. Die Erlaubnis wurde schließlich verlängert.

Der Mann hatte am Montag auf den Champs-Elysées einen Mannschaftswagen der Polizei gerammt. Sein Wagen fing daraufhin Feuer. Der Angreifer wurde schwer verletzt und starb noch am Tatort. Die genaue Todesursache war zunächst unklar. Polizisten oder Passanten wurden nicht verletzt.

Trotz Ausnahmezustand kommt es immer wieder zu Anschlägen

Im Auto des Mannes wurden zwei verschlossene Gasflaschen, ein Schnellfeuergewehr, zwei Handfeuerwaffen und große Mengen Munition gefunden. Innenminister Gérard Collomb sprach von einem "Anschlagsversuch".

Der Angriff ereignete sich zwei Monate nach einer Attacke auf Polizisten auf den weltberühmten Champs-Elysées: Am 20. April, drei Tage vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahl, eröffnete ein Mann auf dem Prachtboulevard das Feuer auf Polizisten und tötete einen Beamten, bevor er selbst erschossen wurde. Bei dem toten Angreifer wurde ein Schreiben mit Bezug zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat gefunden. Der IS reklamierte die Attacke für sich.

In Frankreich sind seit Anfang 2015 bei islamistischen Anschlägen 239 Menschen getötet worden. Seit der Pariser Anschlagsserie vom 13. November 2015 mit 130 Toten herrscht in Frankreich der Ausnahmezustand. afp

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