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Anne Will
08.11.2016

Auftritt von Nora Illi bei "Anne Will" wird Fall für den Rundfunkrat

Nora Illi (Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats Schweiz) bei der Talkshow Anne Will am vergangenen Sonntag.
Foto: Wolfgang Borrs, dpa

Eine vollverschleierte Muslima in der Talk-Show Anne Will sorgte für Wirbel. Nun soll der Rundfunkrat des NDR feststellen, ob dem radikalen Islam eine Plattform geboten wurde.

Zwei Tage nach dem Auftritt der vollverschleierten Schweizerin Nora Illi in der ARD-Talksendung „Anne Will“ sind die Wogen noch nicht geglättet. An vielen Stellen haben die umstrittenen Aussagen Illis, die Kritiker als IS-Propaganda einordnen, Irritationen ausgelöst.

Gerda Hasselfeldt, die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe in Berlin, sagte unserer Zeitung: „Der Auftritt einer vollverschleierten Frau in einer Diskussionssendung ist befremdlich.“ Die Vollverschleierung stehe für die Ungleichbehandlung und Unterdrückung der Frau. Zudem forderte Hasselfeldt: „Wir dürfen islamistischer Propaganda keine Plattform geben.“

Kritik am Auftritt der Frauenbeauftragten des „Islamischen Zentralrates Schweiz“, kurz IZRS, kommt auch von der Schweizer Bundesanwaltschaft. Die Behörde sei „irritiert darüber, dass dem IZRS im öffentlich-rechtlichen Fernsehen eine Plattform geboten wird“, sagte ein Sprecher. Die „Anne Will“-Redaktion wies indes Darstellungen zurück, sie sei explizit vor dem Auftritt gewarnt worden, und verteidigte die Einladung Illis.

"Anne Will": Nora Illi sorgte schon früher für Aufregung

In ihrer Heimat hat Nora Illi bereits 2010 mit ihren Aussagen mediale Schockwellen und Proteste von Frauenrechtlerinnen ausgelöst. Die vierfache Mutter, die aus einem Multikulti-Stadtviertel in Bern kommt, war mit 18 zum Islam konvertiert und zeigt sich seither nur mit einem Gesichtsschleier, dem Nikab, in der Öffentlichkeit. Der Zentralrat, für den sie als Funktionärin agiert, ist keinesfalls ein Dachverband. Vielmehr handelt es sich um einen radikal-islamischen Verein. Gegen ein Vorstandsmitglied des Zentralrates laufe ein Strafverfahren, sagte der Sprecher der Schweizer Bundesanwaltschaft.

Beim Norddeutschen Rundfunk (NDR), der die von Wills eigener Firma in Berlin produzierte Sendung verantwortet, sind zahlreiche kritische Zuschauerreaktionen eingegangen. Der Rundfunkrat des Senders wird sich deshalb voraussichtlich in seiner nächsten Sitzung am 2. Dezember mit der Sendung befassen, wie Ursula Thümler, die Vorsitzende des Gremiums, sagte.

Die 58 Mitglieder des NDR-Rundfunkrats vertreten gemäß Staatsvertrag die Interessen der Bürger. Sie achten darauf, dass die Programmgrundsätze eingehalten werden. Wenn der Rat einen Verstoß feststellt, kann er den Intendanten rügen und ihn auffordern, dies künftig zu unterlassen. Vor Ausstrahlung einer Sendung darf das Gremium allerdings nicht eingreifen, heißt es im Staatsvertrag.

Der Medienwissenschaftler Klaus-Dieter Altmeppen von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt bezeichnete im Gespräch mit unserer Zeitung die Sendung nicht als Fall für den Rundfunkrat. Die Medien müssten sich auch mit Vertretern extremer Gruppierungen auseinandersetzen, deren Aussagen dann allerdings kritisch hinterfragen und einordnen. Das setze eine gute Vorbereitung voraus, sagte Altmeppen. „Frau Will und ihre Redaktion waren nicht darauf vorbereitet.“ Ein entschiedenes Nachhaken hat er bei Will vermisst. „Es ist heikel, wenn sich eine Talkshow darauf verlässt, dass die Zusammensetzung der Gäste für einen Ausgleich sorgt.“

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