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Terror in Christchurch

16.03.2019

Anschläge auf Moscheen in Christchurch: Was wir wissen - und was nicht

Bei Angriffen auf zwei Moscheen voller Menschen, die an Freitagsgebeten teilnahmen, sind mehrere Menschen getötet worden.
Bild: Mark Baker, dpa

Eine brutale Gewalttat erschüttert Neuseeland: Bei einem Angriff auf zwei Moscheen sterben in Christchurch mindestens 49 Menschen. Auch Kinder waren unter den Opfern. Das ist bisher bekannt.

Bei einem mutmaßlichen Terror-Angriff auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch sind mindestens 49 Menschen getötet worden. Bei einem Besuch in Christchurch teilte die Premierministerin Jacinda Ardern am Samstag mit, dass auch Kinder unter den Opfern waren. Zudem wurden durch Schüsse in den beiden Gotteshäusern mehrere Dutzend muslimische Gläubige verletzt. Was wir bislang über den Angriff wissen - und was noch unklar ist.

Anschläge in Christchurch: Was wir wissen

Die Opfer: Die Polizei teilte mit, dass mindestens 49 Menschen bei den Anschlägen in Christchurch getötet wurden. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden werden 48 Menschen mit Schusswunden in den Krankenhäusern der Stadt behandelt. Unter den Verletzten sind nach Worten des türkischen Außenministers Mevlüt Çavusoglu auch zwei türkische Staatsbürger. Auch zwei Indonesier - Vater und Sohn - sind nach Angaben des Außenministers des Landes verletzt worden.

Premierministerin Jacinda Ardern teilte am Samstag bei einem Besuch in der Stadt Christchurch mit, dass auch Kinder unter den Opfern waren. Vermutungen legen außerdem nahe, dass es sich bei allen 49 Todesopfern um Muslime handelt. Darunter sind auch Flüchtlinge, die erst vor kurzem aus Ländern wie Syrien nach Neuseeland gekommen waren.

Die Tat: Die Angriffe fanden in der Al-Noor-Moschee im Zentrum von Christchurch und in einer Moschee im Vorort Linwood statt. Sie ereigneten sich während des Freitagsgebets, als sich dort über 300 Menschen versammelt hatten. Die ersten Schüsse fielen gegen 13.15 Uhr. Der Täter schoss er mit mindestens zwei Schnellfeuerwaffen. Premierministerin Ardern zufolge hatte er die Waffen manipuliert, um die Schusskraft zu erhöhen. Mit einer Helmkamera filmte er die Tat und übertrug sie live ins Internet.

Die Polizei stellte zwei weitere Feuerwaffen und Sprengstoff im Auto des Verdächtigen sicher. Nach aktuellem Stand der Ermittlungen scheint er die Schüsse in den Moscheen alleine abgefeuert zu haben. Laut Premierministerin Ardern wollte der Schütze auch noch anderswo morden. "Er hatte absolut die Absicht, seine Attacke fortzuführen", sagte Ardern bei ihrem Besuch in Christchurch. Nach Angaben der Polizei vergingen vom ersten Alarm bis zur Festnahme 36 Minuten.

Die Verdächtigen: Als mutmaßlicher Haupttäter wurde ein 28-jähriger Australier festgenommen. Er lebt seit mehreren Jahren in Neuseeland und hatte einen Waffenschein. Zudem war er Mitglied in einem Schützenverein. Er wurde am Samstag dem Haftrichter vorgeführt. Beim Gerichtstermin zeigte er das "Okay"-Zeichen in die Kameras, wie es in der englischsprachigen Welt verbreitet ist: Daumen und Zeigefinger zusammengehalten, die anderen Finger abgespreizt. Er habe sich laut neuseeländischen Medienberichten nicht zu den Vorwürfen geäußert. Am 5. April soll es den nächsten Gerichtstermin geben.

Reisen in den Balkan lassen vermuten, dass der Tatverdächtige ideologische Verbindungen nach Europa hatte. Nach Angaben der bulgarischen Justiz war der Mann 2016 und 2018 unter anderem in Serbien, Bosnien-Herzegowina und Bulgarien.

Zudem gab es zwei weitere Festnahmen.

Neuseeländische Medien berichten unter Berufung auf die australische Polizei mit Namensnennung, dass es sich bei dem Angreifer um einen weißen gebürtigen Australier handle.
Bild: Facebook, afp

Das Video: Der Haupttäter zeigte den Angriff live auf Facebook aus der Ich-Perspektive in einem 17-minütigen Video. Der Attentäter trägt einen Tarnanzug. Im Video ist auch zu sehen, dass mehrere Waffen und Magazine mit Namen und Schriftzügen versehen sind. Nach der Tat sagt der Angreifer, dass er bedauere, die Moschee nicht noch abgebrannt zu haben. Facebook teilte mit, das Video nach einem Hinweis der Polizei entfernt und die Profile des Attentäters sowohl auf Facebook als auch auf Instagram gesperrt zu haben. Die Ermittler forderten die Öffentlichkeit dazu auf, die Aufnahmen nicht im Internet zu verbreiten.

Die Folgen: Neuseeland ist geschockt - die Polizei spricht von einem "nie dagewesenen Ereignis". Alle Moscheen im Land wurden aufgerufen, ihre Türen zu schließen. Der Öffentlichkeit wurde geraten, sich bis auf Weiteres von Moscheen fernzuhalten. Eine zwischenzeitliche Ausgangssperre an den Schulen in Christchurch wurde aufgehoben. Die Premierministerin Jacinda Ardern kündigte an, dass die Regierung Neuseelands nun die Waffengesetze verschärfen will.

Angriff in Christchurch: Polizisten vor der Moschee im Ortsteil Linwood. Foto: Mark Baker/AP
8 Bilder
Terror in Christchurch: Angriff auf zwei Moscheen
Bild: Mark Baker/AP (dpa)

Angriffe in Christchurch: Was wir nicht wissen

Die Hintergründe: Dazu äußerte sich die Polizei bislang nicht. "Wir sind in dieser Phase nicht in der Lage, Details dazu bekanntzugeben, was zu den Angriffen geführt hat", teilte sie mit.

Das Manifest: Im Internet kursiert ein 74-seitiges Schreiben, das der Haupttäter kurz vor der Tat veröffentlicht haben soll. Darin kündige er die Tat an und lege seine rechtsextreme und fremdenfeindliche Motivation dar. Das Schreiben nimmt auch auf den norwegischen rechtsextremen Massenmörder Anders Behring Breivik Bezug. Es heißt darin, der Attentäter habe kurz Kontakt mit Breivik gehabt. Dazu erklärten sowohl das Gefängnis im norwegischen Skien als auch Breiviks Anwalt, dies sei nahezu unmöglich. Die neuseeländische Polizei sagt bislang nicht, ob sie das "Manifest" für echt hält.

Die Mittäter: Es ist weiterhin unklar, ob zwei andere Verdächtige, die ebenfalls schon am Freitag festgenommen wurden, mit dem Australier in Kontakt standen. (mit dpa)

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