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Südafrika

16.02.2018

Auf den Spuren Nelson Mandelas

Das große Vorbild Nelson Mandela steht symbolisch auf einem überdimensionalen Foto hinter ihm: Cyril Ramaphosa kürzlich bei einem Redeauftritt in Kapstadt genau an jener Stelle, an der Mandela sich vor 28 Jahren erstmals nach seiner Freilassung an die Südafrikaner wandte.
Bild: Rodger Bosch, afp

Cyril Ramaphosa hat es geschafft: Er ist nun Präsident seines Landes. Während einer politischen Auszeit wurde er zu einem der reichsten Menschen des Kontinents

Einst galt Cyril Ramaphosa als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge Nelson Mandelas als Präsident Südafrikas. Als sich in den 90er Jahren jedoch Thabo Mbeki im parteiinternen Machtkampf durchsetzte, wandte sich Ramaphosa – äußerst erfolgreich – der Geschäftswelt zu. Mit dem erzwungenen Rückzug des skandalumwitterten Präsidenten Jacob Zuma wird der Traum des Multimillionärs und Ex-Gewerkschafters Ramaphosa nun doch noch wahr.

Bereits im Dezember hatte er den Machtkampf in der Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC) gewonnen. Die Partei des legendären Anti-Apartheid-Kämpfers Mandela wählte ihn zum neuen Vorsitzenden, Zuma musste Platz machen. Den Weg ins Präsidentenamt machte ihm Zuma ungleich schwerer: Bis zuletzt widersetzte sich der 75-Jährige mit aller Kraft der Entmachtung. Erst als ihm die Absetzung durch ein parlamentarisches Misstrauensvotum drohte, gab Zuma auf – am Mittwochabend erklärte er seinen Rücktritt. Einen Tag später wählte das südafrikanische Parlament Ramaphosa zu dessen Nachfolger.

Ramaphosas Aufstieg zum mächtigsten Mann Südafrikas hätte den vor fünf Jahren verstorbenen Nelson Mandela wohl nicht überrascht. Der Friedensnobelpreisträger nannte ihn einst den begabtesten Anführer der „neuen Generation“ – junge Anti-Apartheid-Aktivisten, die in den 70er Jahren die Plätze der inhaftierten Vatergeneration einnahmen.

Der neue Präsident wurde 1952 in Soweto geboren, dem berühmten Township bei Johannesburg, ein Zentrum des Widerstands gegen die Apartheid. Als Student politisierte er sich. 1974 wurde er festgenommen und verbrachte elf Monate in Einzelhaft. Nach seinem Studium gründete Ramaphosa 1982 die mächtige Bergarbeitergewerkschaft NUM, die fünf Jahre später mit massiven Streiks an den Grundfesten der weißen Herrschaft rüttelte.

Für umso mehr Irritation sorgte seine Rolle während der Bergarbeiterstreiks im Jahr 2012, als vor der Platinmine von Marikana 34 Kumpel von der Polizei erschossen wurden. Ramaphosa war damals Aufsichtsratsmitglied des Minenbetreibers Lonmin und hatte kurz vor dem Massaker ein hartes Vorgehen gegen die Streikenden gefordert. Später entschuldigte er sich.

Im gleichen Jahr kehrte Ramaphosa auf die politische Bühne zurück, die er 1996 verlassen hatte, und wurde zum ANC-Vize hinter Jacob Zuma gewählt. 2014 wurde er Südafrikas Vizepräsident – eine ambivalente Rolle: Einerseits musste er Zuma, von Korruptionsvorwürfen überhäuft, unterstützen. Andererseits kritisierte er ihn hin und wieder, wenn auch nur vorsichtig. Oppositionsführer Mmusi Maimane wirft ihm daher Komplizenschaft vor. Und Ramaphosas Biograf Ray Hartley schrieb, der neue ANC-Chef habe zwar „keine Verbindung zu den Korruptionsskandalen“, die Südafrika in den vergangenen Jahren erschüttert haben. Er sei aber wohl eher „mächtiger Insider als radikaler Reformer“.

Dabei spielte Ramaphosa eine entscheidende Rolle beim friedlichen Übergang Südafrikas von einem auf Rassenideologie basierenden, autoritären Staat zur Demokratie. Er war Chefunterhändler des ANC, später führte er die Gruppe an, die die neue Verfassung des Landes ausarbeitete. Der 65-Jährige wirkt bei öffentlichen Auftritten zurückhaltend und entspannt.

Der vierfache Vater will den Wiederaufbau der Wirtschaft in den Fokus rücken. Er setzt auf Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Das Erreichen dieser Ziele sei in den vergangenen Jahren „von schlechtem Führungsverhalten und falschen Prioritäten unterwandert“ worden, bemängelte er in einer Rede. Was für Ramaphosa spricht: In seiner Auszeit von der Politik schaffte er es als Geschäftsmann zu einem der reichsten Menschen Afrikas aufzusteigen – ohne in größere Korruptionsskandale verwickelt zu werden. Gregory Walton, afp

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