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Autobahnen
12.04.2019

Eine Tempolimit-Initiative soll das Land der Raser zähmen

Ein Straßenwärter montiert ein Tempolimit-Schild: In Franken und Schwaben wird so schnell gerast wie nirgends sonst auf deutschen Autobahnen.
Foto: Jens Büttner, dpa

Mehr Sicherheit und weniger Abgase: Wie eine Initiative die Politik doch noch zu einem Tempolimit auf deutschen Autobahnen bewegen will.

In Franken und Schwaben wird so schnell gerast wie nirgends sonst auf deutschen Autobahnen. Auf der A9 zwischen Nürnberg und Ingolstadt brettern die Autos am fränkischen Örtchen Lohen im Schnitt mit 160 Kilometern pro Stunde über den Asphalt. Auf der A8 zwischen Augsburg und dem Autobahnkreuz Ulm ziehen die schnellsten zehn Prozent der Fahrer mit durchschnittlich Tempo 204 am Städtchen Burgau vorbei. Das geht aus Daten des Navigationsgeräteherstellers TomTom hervor.

Tempolimit: Raser sollen eingebremst werden

Ein Bündnis aus Umweltverbänden, der Unfall-Opferhilfe und der Gewerkschaft der Polizei will die Schnellfahrer einbremsen. Sie nehmen einen neuen Anlauf für die Einführung eines allgemeinen Tempolimits auf den Schnellstraßen in ganz Deutschland. „Wir sind davon überzeugt, dass sich mit einem Tempolimit 130 die Zahl der Unfalltoten und Schwerverletzten auf den Autobahnen in Deutschland deutlich reduzieren lässt“, sagte der Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft von Nordrhein-Westfalen, Michael Mertens, bei der Vorstellung der Initiative.

Obwohl Autos immer sicherer werden, geht die Zahl der Unfalltoten auf den Autobahnen nicht zurück. Seit zehn Jahren kommen dort pro Jahr rund 400 Menschen ums Leben. Laut Mertens sterben 300 davon auf Abschnitten ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. „Ein Tempolimit rettet Leben“, schlussfolgert Mertens.

Neben der Sicherheit stellen die Umweltverbände vor allem auf den Kampf gegen die Erderwärmung ab. Deshalb verlangen die Deutsche Umwelthilfe, Greenpeace, der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und der ökologische Verkehrsclub sogar eine allgemeine Höchstgeschwindigkeit von Tempo 120. Beim Durchdrücken des Gaspedals wird besonders viel Sprit verbrannt und dementsprechend mehr klimaschädliches Kohlendioxid in die Luft geblasen.

Durch die Schülerproteste für Klimaschutz sieht sich das Umweltlager im Aufwind. „Frau Merkel, handeln Sie! Nehmen Sie die Forderungen der Schüler, der Wissenschaftler und der Bevölkerung ernst und machen Sie den Weg für ein Tempolimit frei“, drängte Umwelthilfe-Chef Jürgen Resch die Kanzlerin. Der Umweltschützer ist in der Union ungelitten, weil er sie mit seinen Klagen seit mehreren Jahren vor sich her treibt. Nach den Berechnungen der Klimaschützer lassen sich mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h pro Jahr drei Millionen Tonnen CO2 einsparen. Der gesamte Verkehrssektor steht pro Jahr für rund 170 Millionen Tonnen, weshalb der Effekt zum Schutz des Planeten eher klein wäre.

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Umweltministerin macht sich für ein Tempolimit stark

SPD-Bundesumweltministerin Svenja Schulze macht sich dennoch für ein Tempolimit stark. „Ich halte es für sinnvoll, weil es den CO2-Ausstoß senkt und den Verkehr beruhigt“, sagte die SPD-Politikerin unserer Redaktion. „Der Verkehrsminister weigert sich aber, darüber nachzudenken“, warf sie ihrem CSU-Kabinettskollegen Andreas Scheuer vor. Der Minister wollte sich auf Anfrage nicht noch einmal zur Thematik äußern. Scheuer hatte das Tempolimit zu Jahresbeginn als wider „den gesunden Menschenverstand“ abgekanzelt.

Für die Union stieg Fraktionsvize Ulrich Lange (CSU) in den Ring, um Scheuer zu verteidigen. „Pauschale Verbote und Einschränkungen sind nicht der richtige Weg, um Klimaschutz voranzubringen. Darum ist auch die Diskussion um ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen nicht zielführend“, sagte er. Er plädierte dafür, die Geschwindigkeit durch elektronische Verkehrszeichen der Wetter- oder Verkehrslage anzupassen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

12.04.2019

Scheuer will die Grenzwerte für Stickoxid, Feinstaub und CO2 heraufsetzen und keine generelles Tempolimit einführen! Er begründet das damit, dass er die Autofahrer nicht gängeln und ihnen - gemäß dem Motto der Autoindustrie „Freie Fahrt für freie Bürger“ - ihre Freiheit lassen will! In trauter Tradition mit dem falschen Glyphosat-Heiland der „C“SU Schmidt.
Was wird Scheuer denn den in ihrer Gesundheit durch Autoemissionen Geschädigten und Angehörigen von durch überhöhte Geschwindigkeit zu Schaden gekommenen Unfallopfern bzw. Unfallverletzten erklären, wenn diese ihm seine verfehlte, fakten- und gewissenlose Politk vorhalten, die zu dieser „Gängelung“ der „anderen Art“ geführt hat? Und wie will Scheuer unserer jungen Generation erklären, dass er mit seiner industriefreundlichen Autopolitik keinen Beitrag dafür leistet, dass unser Planet auch in Zukunft - im Sinne des 1,5 Grad Ziels - weiterhin lebenswert bleibt? Das sieht verheerend aus für Scheuer mit seiner autoindustriehörigen Meinung auf Weihnachtsmann-Niveau , die den Geruch eines gigantischen Ablenkungsmanövers der betrügerischen Automobilindustrie und ihrer Helfershelfer in Politik und Medien hat.
Und kürzlich stellte sich heraus: Dieser Professor aus Schmallenberg, auf den sich Scheuer zum Thema Grenzwerte beruft, leidet offensichtlich an Rechenschwäche. Und die Experten, die Scheuer persönlich in seine Verkehrskommission berufen hatte, besitzen offensichtlich keinen gesunden Menschenverstand! Sie haben ja offensichtlich nicht einmal ihre Aufgabe verstanden!

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12.04.2019

Nach Krampp-Karrenbauer sind Tempolimits ja eine Phantom-Denatte!
Tempo-Limit: Nach Krampp-Karrenbauer eine Phantom-Debatte? Soll heißen, wir haben anstelle von klug steuernden Verkehrsministern nur Phantome in der Regierung? Soll heißen, Behauptungen, dass höhere Geschwindigkeit mit höherem Spritverbrauch und damit höheren Abgaswerten verbunden seien, sind Phantom-Behauptungen? Soll heißen, Behauptungen, dass höhere Geschwindigkeit größere Unfallrisiken bergen, sind Phantom-Behauptungen? Soll heißen, dass die Hunderte von Verkehrstoten, die vermieden werden könnten, sind Phantom-Tote? Und das soll christliche Politik sein?
Aber im Autoland Deutschland kann man keine Wählerstimmen gewinnen mit Tempolimits und Fahrverboten! Eher übernimmt die Autoindustrie die Regierung! Genug Spenden sind ja schon in die richtige Richtung geflossen!

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12.04.2019

Na ja, ich kann es schon nachvollziehen, dass eine geringere Geschwindigkeit sicherlich wenigere schwere Unfälle bedeuten würde, dass ist für jeden gesunden Menschenverstand durchaus nachvollziehbar.

Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit ist sicherlich nicht die einzige und entscheidende Lösung, um tödliche Unfälle zu reduzieren. Am Beispiel der LKW Unfälle sind hier auch die Punkte, Ablenkung, Eintönigkeit und geringer Abstand entscheidend.

Ich selber fahre auch - wenn es möglich ist - lieber schneller als langsamer, das liegt wohl bei vielen Deutschen im Blut. Und ja Geschwindigkeitsbeschränkung ist für die Deutschen das gleiche wie bei den Amis "Waffenverbote". Keiner will es, obwohl jedem klar ist, dass es besser wäre.

Solange das so ist, wie es ist - vielleicht ändert das Thema Elektromobilität etwas - sollte die Regierung eher Autobauer verpflichten, Systeme einzubauen, die den Mindestabstand und die Geschwindigkeitsbeschränkung automatisch einhalten, Verhindern, dass man einen Spurwechsel macht, wenn die linke oder rechte Spur belegt ist und davor sorgen, dass es alternativen für den LKW durch die Bahn gibt. Generell bei der Bahn, sollten die Preise eigentlich halbiert werden, zu mindestens im Regionalverkehr, damit es als ernste Alternative auch gesehen und genutzt wird.

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12.04.2019

Die Diskussion geht zumindest bei den Verkehrstoten in die falsche Richtung. Auszug aus einem Bericht der FAZ:
Der Unfallforscher Siegfried Brockmann schätzt, dass von den 3177 Verkehrstoten im Jahr 2017 (Anfang der neunziger Jahre waren es noch mehr als 10.000) höchstens 80 durch Tempo 130 hätten vermieden werden können. Viel relevanter für die Sicherheit auf den Autobahnen sind Auffahrunfälle durch unaufmerksame oder abgelenkte Lkw-Fahrer, insbesondere am Stauende. Auch hier lässt sich die Zahl der Verkehrstoten nur näherungsweise angeben. Brockmann schätzt die Zahl der Todesopfer durch Auffahrunfälle mit Lkw auf deutlich mehr als 300.

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12.04.2019

Der Unfallforscher Siegfried Brockmann erachtet ein Tempolimit (egal in welcher Höhe) aber für ein recht probates Mittel um die Sicherheit auf Autobahnen zu erhöhen. ;-) https://udv.de/de/blog/tempolimit-deutschen-autobahnen

80 Tote weniger und noch viel viel mehr Verletzte, das ist doch schon mal was? Den Whataboutism hinsichtlich der LKWs kann man da getrost mal stecken lassen.

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12.04.2019

Deine Interpretation der Ergebnisse von Unfallforscher Siegfried Brockmann geht offensichtlich in die falsche Richtung! So werden Fake News gemacht! Bravo! Du verstehst Dein Metier!

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