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Digitalpakt

21.02.2019

Bayerns Schüler bekommen Tablets vom Bund

Eine Grundschülerin arbeitet an einem Laptop. Das soll mit Geld aus dem Digitalpakt bald in ganz Deutschland Realität werden.
Bild: Marc Tirl, dpa (Archiv)

Fünf Milliarden Euro fließen in die technische Ausstattung der Schulen in den Bundesländern. Aber reicht das? Lehrerverbände sind da skeptisch.

Die Kreidezeit ist an vielen bayerischen Schulen längst vorbei. Wo einst der Lehrer mit Kalkstift über die Tafel kratzte, stehen heute interaktive Tafeln, über die man ins Internet gehen kann. Das Problem nur: Bayerns Schulen liegen bei der digitalen Ausstattung meilenweit auseinander. Einerseits sind 11.000 Klassenzimmer komplett digitalisiert. Andererseits hat die Hälfte der Schulen nicht einmal einen WLAN-Zugang. Die Bundesregierung will, dass sich das ändert.

Digitalpakt: Der Freistaat bekommt wohl 777 Millionen Euro vom Bund

Der Bund möchte fünf Milliarden Euro aus dem Digitalpakt in deutsche Schulen investieren. Seit Mittwochabend ist der Weg dafür frei – Bundesrat und Bundestag haben sich auf Formulierungen für eine entsprechende Grundgesetzänderung geeinigt.

Wie viel Geld jedes Bundesland bekommt, richtet sich nach der Bevölkerungszahl und dem Steueraufkommen. Nach Bayern fließen wohl rund 777 Millionen Euro. Mit dem Geld sollen Schulen ans schnelle Internet angeschlossen werden und digitale Geräte anschaffen können – unter einer Bedingung: Der Bund kann Berichte und Akten anfordern und damit kontrollieren, ob die Länder sein Geld auch wirklich zum Nutzen der Schüler verwenden.

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Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, nennt die Zusammenarbeit von Bund und Ländern „vernünftig“. Wenn beide sich jetzt einigen, könnten die Schulen vermutlich noch kommendes Schuljahr profitieren.

Vor allem klamme Bundesländer wie Berlin seien auf die Finanzspritze angewiesen. Doch Geld allein reiche nicht, um die Schulen ins digitale Zeitalter zu führen: „Für eine sinnvolle pädagogische Umsetzung braucht es viel mehr als fünf Milliarden Euro.“ Damit Schüler gute Leistungen bringen, müssten Lehrer einen Mehrwert darin sehen, digitale Geräte im Unterricht zu nutzen.

Meidinger ist sich sicher: Das funktioniert nur, wenn Lehrer auch langfristig dafür ausgebildet werden. Diese Fortbildungswelle läuft in Bayern gerade an. Glaubt man den Angaben aus dem Kultusministerium, ist es die größte, die es in Bayern je gegeben hat. Jeder Lehrer muss sich anmelden – unter anderem für Onlinekurse.

Eltern und Lehrer sind skeptisch, ob Investitionen allein reichen

Viele Städte und Landkreise haben in den vergangenen Monaten schon an den Schulen nachgefragt, wie viele digitale Geräte sie bestellen möchten. Nach welchen Kriterien die Mittel vergeben werden, ist vor der endgültigen Entscheidung über den Digitalpakt noch unbekannt. Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Fünf Milliarden Euro aus dem Digitalpakt: Länder, macht was draus!

Martin Löwe, Präsident des Bayerischen Elternverbands, wüsste gerne, was Lehrer mit all der Technik anfangen sollen. Er vermisst klare Konzepte. „Schüler wissen oft besser als der Lehrer, wie man ein Tablet bedient, das braucht man ihnen nicht erklären.“ Löwe wünscht sich, dass die Schüler stattdessen einen kritischen Umgang mit internetfähiger Technik lernen. Das müsse in den Lehrplan für alle Schularten.

Eltern aus ganz Bayern erzählen Löwe regelmäßig von einem weiteren Problem. „Technische Geräte müssen natürlich gewartet werden.“ Zwar gibt es an jeder Schule einen Lehrer, der sich neben seiner normalen Arbeit um den richtigen Einsatz der Technik kümmert. Diese Systembetreuer sind allerdings schon jetzt oft überlastet.

Nicht nur die Grünen im Landtag fordern, dass die Schulen Hilfe von externen IT-Experten bekommen. CSU und Freie Wähler haben im Koalitionsvertrag vereinbart, ein „zentrales, landesweit verfügbares Angebot für Wartung und Pflege“ auf die Beine zu stellen. Wie das aussehen kann und wo die auf dem Arbeitsmarkt begehrten IT-Fachkräfte herkommen sollen, weiß bislang noch keiner.

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23.02.2019

Die Digitalisierung verändert unsere Arbeitswelt rasant. Daher ist es unbedingt erforderlich, die Ausbildung an den allgemeinbildenden Schulen an den Wandel anzupassen.

Der digitale Wandel wird nicht damit gemeistert, dass jedem Schüler ein Tablet zur Verfügung gestellt wird, wie es im Artikel propagiert wird. Der Umgang mit diesem Medium ist der jüngeren Generation ohnehin meist geläufiger als den Lehrern. Vielmehr ist es erforderlich, Kompetenzen zu vermitteln, die dazu geeignet sind, technische oder betriebswirtschaftliche Abläufe so in Algorithmen zu transformieren, dass diese automatisiert werden können.

Bereits im Jahre 2012 wurde in England ein Einplatinencomputer mit dem Ziel entwickelt, jungen Menschen den Erwerb solcher Fähigkeiten und Kenntnisse zu erleichtern. Das Ergebnis war der Raspberry Pi. Die Idee war es damals, den Raspberry an Schulen und Universitäten einzusetzen um den Unterricht und das Studium interessanter zu gestalten. Entsprechend niedrig wurde der Verkaufspreis angesetzt (z. Zt. ca. 35,- Euro). Der ursprünglich von der Universität Cambridge stammende Raspberry Pi ist heute im Bildungsbereich in England sehr weit verbreitet. In Deutschland hingegen eher begrenzt. Dabei bringt der Raspberry alles mit, was erforderlich ist, um Schüler auf die digitale Transformation vorzubereiten (Betriebssystem, Compiler, Interpreter, Anwendungssoftware). Selbstverständlich benötigt man dann auch Lehrer, welche fachlich geeignet sind, solche digitale Kompetenzen zu vermitteln. Hier wäre das Geld sicherlich sinnvoller investiert.

Peter Wolfinger
Wirtschaftsinformatiker und zert. Berufsausbilder

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