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Hochschulen

03.03.2021

Bildungsministerin Anja Karliczek lässt BAföG-Millionen ungenutzt

Einen Antrag auf BAföG und Überbrückungshilfen haben viele Studierende gerade in Corona-Zeiten dringend nötig.
Foto: Andrea Warnecke, dpa

Exklusiv Bildungsministerin Anja Karliczek hätte offenbar viel mehr Geld in die Überbrückungshilfen für Studierende stecken können. Stattdessen gingen Millionen Euro aus ihrem Etat zurück.

Während in der Corona-Pandemie über die Öffnung von Schulen und Kindertagesstätten gesprochen wurde, gerieten die Hochschulen vielfach aus dem Blick. Seit Monaten sind Universitäten und Fachhochschulen dicht, die Studierenden arbeiten von zuhause aus, ohne Kontakt und vielfach auch ohne ausreichende Geldreserven. „Die finanzielle Situation vieler Studierender ist sehr prekär“, sagte Vorstandsmitglied Carlotta Kühnemann vom Fzs, dem freiwilligen Zusammenschluss von Student*innenschaften, unserer Redaktion. Umso bitterer sind neue Zahlen aus dem Bundesbildungsministerium von Anja Karliczek. Die CDU-Politikerin überwies aus den ihr zugeteilten BAföG-Mitteln rund 160 Millionen Euro ans Finanzministerium zurück. Geld, das sie eigentlich in die dringend benötigen Überbrückungshilfen für die Studierenden hätte stecken können.

160 Millionen Euro gingen zurück an Scholz

Wie aus der Endabrechnung des Ministeriums für das Jahr 2020 hervorgeht, die unserer Redaktion vorliegt, gab Karliczek rund 360 Millionen Euro an BAföG-Mitteln nicht aus. Diese sogenannten Minderabflüsse setzte sie nur teilweise für die Studierenden-Überbrückungshilfen ein. Rund 134 Millionen Euro gingen demnach an die Studierendenwerke, weiter 66 Millionen Euro wurden für den KfW-Studienkredit zur Verfügung gestellt. Macht unterm Strich 200 Millionen Euro – die restlichen 160 Millionen nutzte Karliczek nicht. Das Geld ging ans Bundesfinanzministerium zurück.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek in der Kritik: Warum hat sie offenbar Millionen Euro an Hilfen für Studierende nicht genutzt?
Foto: Bernd von Jutrczenka, dpa

Der laxe Umgang mit BAföG-Mitteln scheint Methode zu haben: Bereits 2019 verbuchte Karliczek eine Minderausgabe von knapp 900 Millionen Euro. Rund zwei Drittel davon landeten wieder in der Kasse von Finanzminister Olaf Scholz.

Die Grünen sind empört über Karliczek

Bei der Opposition sorgt das für Empörung. „Chancengerechtigkeit ist Frau Karliczek wohl kein Begriff, denn seit Jahren führt sie das BAföG mutwillig Richtung Abgrund, während jährlich tausende bedürftige junge Menschen aus der Förderung fallen“, sagte die Grünen-Haushaltsexpertin Ekin Deligöz unserer Redaktion und ergänzte: „Dass Frau Karliczek dabei auch noch hunderte Millionen Euro zurück ans Finanzministerium überweist, während sich noch immer tausende Studierende aufgrund der Pandemie in finanzieller Not befinden, ist überhaupt nicht mehr zu vermitteln und absolut zynisch.“

 

Fzs-Vorstand moniert Notstand bei den Studierenden

Fzs-Vorstand Carlotta Kühnemann sagte, auch die Überbrückungshilfe könne „den politisch verursachten Notstand nicht abfangen“. Zum einen sei sie viel zu niedrig angesetzt, zum anderen komme es zu willkürlichen Ablehnungen. „Uns erreichen Berichte von Studierenden, die sich laut Definition nicht in einer pandemiebedingten Notlage befinden, weil sie durch die erste und nicht die zweite Welle ihren Nebenjob verloren haben.“ Für manche Studentinnen und Studenten seien 40 Euro für Winterschuhe eine zu hohe Ausgabe, erklärte Kühnemann.

„Die Zunahme sozialer Ungleichheit wird durch das mangelhafte Handeln des Bundesbildungsministeriums aktiv in Kauf genommen“, kritisierte Kühnemann und kam zu einem ähnlichen Schluss wie die Grünen-Politikerin Deligöz. Es sei dies „eine Entwicklung, die der Bundesbildungsministerin egal zu sein scheint“.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz kritisiert Bildungsministerin Karliczek.
Foto: Alexander Kaya

Deligöz wiederum warf den Bildungspolitikerinnen und -politikern der Regierungskoalition vor, dass sie nicht schon längst Sturm gelaufen seien. Dies sei „ein Zeichen, dass ihnen die Empathie für die soziale Lage der Studierenden fehlt. Eine Aufstiegsgesellschaft gelingt uns nicht, wenn wir Studierende mit ihren sozialen Nöten im Regen stehen lassen.“

Kühnemann schlug Alarm. „Es braucht dringend eine grundlegende Reform im BAföG, dessen Förderquote sich auf einem historischen Tiefstand befindet“, sagte sie. Der Zugang zur Bildung müsse allen Menschen ermöglicht werden, und zwar unabhängig von den sozioökonomischen Ressourcen.

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