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Biodiversität
22.05.2021

Deutschland startet Weltnaturerbe-Fonds gegen das Artensterben

„Der Weltbiodiversitätstag muss ein Weckruf sein: Wir müssen den dramatischen Verlust an Biodiversität stoppen“, sagt Entwicklungsminister Gerd Müller.
Foto: Bernd von Jutrczenka, dpa

Exklusiv Was haben Schokolade und Duschgel gemeinsam? Oft enthalten sie Palmöl, für das Wald gerodet wird und Tiere vertrieben werden. Deutschland will jetzt gegensteuern.

Jeden Tag verschwinden rund 150 Pflanzen- und Tierarten unwiederbringlich vom Angesicht der Erde. Von geschätzten acht Millionen Arten auf der Welt ist eine Million vom Aussterben bedroht. An dieses Drama erinnern die Vereinten Nationen jedes Jahr am 22. Mai, dem Welttag der Biodiversität. Im Kampf gegen die dramatische Entwicklung spielen Naturschutzgebiete die Hauptrolle, in den vergangenen zehn Jahren wurden immer mehr Flächen ausgewiesen.

Knapp 17 Prozent der weltweiten Landfläche und 7,7 Prozent der Meeresgebiet stehen inzwischen unter Naturschutz. Doch auch in geschützten Regionen gehen weiter jeden Tag wertvolle Arten für immer verloren – manche sind noch nicht einmal entdeckt. Denn viele dieser Schutzgebiete existieren nur auf dem Papier – Geldmangel verhindert, dass dort auch wirklich Artenschutz stattfindet. Darauf weist ein neuer Report der Vereinten Nationen hin.

Rund drei Viertel der Naturschutzgebiete befinden sich in der so genannten Dritten Welt

Für Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) ist der Artenschwund auch eine direkte Gefahr für den Menschen. Unserer Redaktion sagte er: „Der Weltbiodiversitätstag muss ein Weckruf sein: Wir müssen den dramatischen Verlust an Biodiversität stoppen – auch um unsere Gesundheit zu schützen. Gesunde Menschen gibt es nur auf einem gesunden Planeten. Das heißt, die Brandrodung des Regenwalds stoppen, illegale Wildtiermärkte schließen und noch intakte Lebensräume viel konsequenter schützen.“ Nach Müllers Angaben schreitet das Artensterben derzeit 100-mal schneller voran, als es ohne menschlichen Einfluss der Fall wäre.“

Rund drei Viertel der Naturschutzgebiete befinden sich in der so genannten Dritten Welt: Urwälder in Afrika, Asien und Lateinamerika, Mangrovenlandschaften der Tropen oder sensible Meeres-Ökosysteme. Doch in Entwicklungs- und Schwellenländern sei die Finanzierung der Parks oft nicht gesichert, so Müller, dabei sei der Artenschutz eine globale Aufgabe. Deutschland werde sich auf diesem Gebiet deshalb künftig stärker engagieren: „Unsere Antwort ist der „Weltnaturerbe-Fonds. Sein Ziel ist, für 30 der herausragenden Artenschutzgebiete in Afrika, Asien und Lateinamerika eine ewige Grundfinanzierung sicherzustellen“, sagt Müller.

Für Müller stehen auch die Verbraucher in der Pflicht für den Artenschutz

In dieser Woche gab Müller den Startschuss für den Fonds, an dem sich auch die französische Regierung beteiligen will. Angestrebt werde ein Kapitalstock von einer Milliarde Dollar (0,82 Milliarden Euro). Der Fonds werde so zur „weltweit größten Naturschutzstiftung“. Deutschland habe die Gründung maßgeblich vorangetrieben und 100 Millionen Dollar zum Start bereitgestellt. Private Stiftungen hätten bereits weitere 35 Millionen US-Dollar beigesteuert. „Der Weltnaturerbe-Fonds kann so in sieben Schutzgebieten starten.“ Darunter befinden sich etwa die Nationalparks Madidi in Bolivien oder North Luangwa in Sambia. Mit dem Geld aus der Stiftung sollen etwa Wildhüter bezahlt werden, auch die örtliche Bevölkerung soll in die Schutzmaßnahmen eingebunden werden.

Für Müller stehen aber auch die Verbraucher in Deutschland in der Pflicht für den Artenschutz: „Wir können und müssen mehr tun, um das weltweite Artensterben aufzuhalten. Das fängt bei unserem Einkauf an.“ In jedem zweiten Produkt im Supermarkt sei heute Palmöl enthalten: „Wenn Sie unter der Dusche stehen, ist in Ihrem Shampoo mit großer Wahrscheinlichkeit Palmöl drin. Genauso wie in ihrer Pizza oder Schokolade. Das war vor zehn Jahren noch nicht so.“ Auch der Soja-Anbau sei oft problematisch:“ Das wird größtenteils als Futter für unsere Nutztiere verwendet.“ Müller fordert: „Es dürfen keine Regenwälder brennen, um neue Ackerflächen zu gewinnen für das weltweit boomende Geschäft mit Soja oder Palmöl.“ Nötig sei endlich eine streng überwachte Zertifizierung: „Ich bin für ein EU-Importverbot für Palmöl und Soja, das auf gerodeten Waldflächen angebaut wurde.“ In den Häfen von Rotterdam oder Hamburg dürfe kein Schiff anlegen, der Palmöl- und Sojaprodukte aus nicht zertifizierter Produktion zu uns bringen will.“

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