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Syrien-Konflikt

29.12.2013

Blutiger Überfall auf Sadat: Der Albtraum dauerte sieben Tage

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Der Erzbischof von Homs und Hama berichtet über den Überfall von Rebellen auf die christliche Stadt Sadat. Wenige Wochen vor den Friedensverhandlungen droht der Krieg zu eskaliere.

Die Hoffnung, dass der syrische Bürgerkrieg die christliche Kleinstadt Sadat verschonen würde, hielt bis zum 21. Oktober. Dann kamen sie: Kämpfer der dem Terrornetzwerk El Kaida nahestehenden Al-Nusra-Front eroberten den Ort. Sie blieben eine Woche. Sieben Tage genügten, um Tod und Verwüstung über weite Teile der Stadt rund 60 Kilometer südlich von Homs zu bringen.

Mirella Yazgi ist 18 Jahre alt. Sie ist aus Sadat geflohen und lebt seit drei Monaten in Augsburg. In einer Videoanimation hat sie das Schicksal ihrer Heimatstadt dokumentiert. Vorher: gepflegte Häuser und Gärten, Kirchen und Plätze, Menschen bei der Olivenernte. Nachher: Trümmerberge, verwüstete Kirchen, Trauerbilder von getöteten Verwandten der Familie Yazgi. Es ist ein trauriger Film.

Erzbischof von Homs und Hama liefert ernüchternde Details des Dramas

Mirella hat die Sequenzen dem Erzbischof der Diözese Homs und Hama, Silvanos Boutros al-Nehme, gezeigt. Der syrisch-orthodoxe Würdenträger, der bei einer Rundreise durch Deutschland auch Landsleute in Augsburg besuchte, lieferte die ernüchternden Details des Dramas: „Über tausend Familien flohen sofort aus der Stadt. Die anderen, darunter Kinder, Frauen, ältere Menschen, wurden als menschliche Schutzschilde benutzt“, berichtet der Geistliche. Als die Islamisten am 28. Oktober die Stadt unter dem militärischen Druck der Truppen des Assad-Regimes wieder verließen, wurden 45 Menschen in einem Massengrab entdeckt, zehn weitere gelten als vermisst. Rund 50 Prozent der Stadt mit ihren 15 zum Teil kunsthistorisch bedeutenden Kirchen sind zerstört. Erzbischof Boutros al-Nehme beklagte in Augsburg die fehlende Solidarität: „Wo ist das christliche Gewissen in der Welt?“

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Für Hanna Issa, dem zweiten Vorsitzenden der Assyrischen Demokratischen Organisation (ADO) in Europa, ist der brutale Angriff auf Sadat ein weiterer Beweis dafür, dass die Rebellen immer stärker von islamistischen Kämpfern beherrscht werden. Gleichzeitig erhebt er schwere Vorwürfe gegen das Assad-Regime: „Der Regierung kommen Meldungen über blutige Überfälle auf Christen nicht ungelegen. Das Regime hofft, dass sich die Weltöffentlichkeit von den Rebellen abwendet.“ Er sei sich sicher, dass die regulären Truppen Sadat militärisch ohne Probleme hätten verteidigen können. Gleiches gelte für das berühmte christliche Bergdorf Maalula an der Grenze zum Libanon, das ebenfalls von Islamisten besetzt worden war. Tatsächlich konnte die syrische Armee in den letzten Wochen militärische Erfolge erringen. Rücksicht auf Zivilisten nimmt sie dabei längst nicht mehr.

Die Lage in Aleppo eskaliert

Während in Sadat heimkehrende christliche Familien mit dem Wiederaufbau begonnen haben, eskalierte die Lage in Aleppo. Je nach Nachrichtenquelle sind dort in den vergangenen zehn Tagen bei Angriffen der syrischen Luftwaffe mehr als 300 Menschen getötet worden. Die medizinische Versorgung für die vielen Verletzten droht zusammenzubrechen

Beobachter vermuten, dass Assads Regierung versucht, durch eine militärische Offensive vor der am 22. Januar geplanten Friedenskonferenz im schweizerischen Montreux ihre Position zu verbessern. Unklar ist allerdings, wer daran teilnimmt: Die syrische Opposition droht mit einem Boykott der Konferenz, falls die Angriffe auf Aleppo nicht aufhören sollten.

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