1. Startseite
  2. Politik
  3. Boris Johnson liegt in den Umfragen vorn

Großbritannien

08.09.2019

Boris Johnson liegt in den Umfragen vorn

Ob sich Premier Boris Johnson auch nach einer möglichen Neuwahl die Hände reiben kann, ist längst nicht ausgemacht.
Bild: Duncan Mcglynn, dpa

Obwohl Johnson empfindliche Abstimmungsniederlagen verdauen muss, bleiben die Konservativen nach Umfragen stärkste Partei. Das Land ist gespalten.

Während sie drinnen im Palast erbittert stritten, herrschte draußen ein Spektakel, das selbst für britische Brexit-Verhältnisse außergewöhnlich war. Täglich versammelten sich tausende Demonstranten vor dem Westminster-Palast, pfiffen und schrien und schwenkten ihre mitgebrachten Flaggen. Die meisten waren EU-Befürworter, aber es kamen in dieser für das Vereinigte Königreich so schicksalhaften Woche auch etliche Brexit-Anhänger ins Regierungsviertel.

Brexit-Umfrage: Pro-Europäer lägen bei erneutem Referendum vorne

Tag für Tag protestieren die Menschen, vor allem vor der Downing Street, wollten „die Demokratie verteidigen“ und forderten lautstark „Stopp den Putsch“, nachdem Premierminister Boris Johnson dem Parlament eine Zwangspause verordnet hat, die nächste Woche beginnen soll.

Ein weiterer Tiefschlag für den Premier bedeutet am Samstag der Rücktritt seiner Arbeitsministerin Amber Rudd: Sie glaube nicht mehr daran, dass ein geregelter EU-Austritt das Hauptziel der Regierung sei, schrieb Rudd in einem Brief an Johnson. Auch der Rauswurf von 21 Tory-Rebellen durch Johnson aus der Tory-Fraktion am Dienstag hatte zu dem Schritt beigetragen.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Umfragen zufolge würde bei einem erneuten Referendum zwar das pro-europäische Lager gewinnen. Doch diese leichte Verschiebung liegt daran, dass sich die überwältigende Mehrheit der jungen Menschen, die 2016 noch nicht ihr Kreuz setzen durften, für den EU-Verbleib aussprechen würden. Weil auch das Unterhaus polarisiert ist, fordert der Premierminister Neuwahlen. Johnson mag am Mittwochabend das entsprechende Votum verloren haben, am Montag will er die Vorlage erneut den Abgeordneten vorlegen, um Neuwahlen am 15. Oktober zu erreichen. Warum? Johnson pocht darauf, am 31. Oktober das Land aus der EU zu führen – „komme, was wolle“, ob mit oder ohne Austrittsabkommen. So will er sich die Stimmen der Brexit-Anhänger sichern, von denen die Hälfte auf einen No Deal besteht, wie Umfragen zeigen.

Neuwahlen: Opposition will Verschiebung des Brexit-Termins abwarten

Ein weiteres Viertel der Leave-Wähler von 2016 wäre einverstanden mit dem ungeregelten Austritt. Sollte Johnson entgegen seiner Versprechen die Scheidung aufschieben, würde der Konservative etliche Unterstützer an die Brexit-Partei unter Rechtspopulist Nigel Farage verlieren, sagt der Wahlforscher John Curtice. Er prognostiziert, dass es bei einer Wahl, so lange der Brexit nicht vollzogen ist, mehr ein Wettkampf zwischen Johnson und Farage werden würde denn ein Duell zwischen Johnson und dem Labour-chef Jeremy Corbyn. Denn erst wenn Großbritannien aus der EU ausgetreten sei, dürfte die Popularität der Brexit-Partei nachlassen.

Der altlinke Oppositionschef Corbyn dagegen schreckt viele moderate Briten ab und hat sich zur Enttäuschung der Pro-Europäer auch in der Brexit-Frage nie klar positioniert, sondern will das Ergebnis des EU-Referendums respektieren. Austritt ja, aber bitte geregelt mit Abkommen. Diese Woche immerhin gewannen die No-Deal-Gegner die Kraftprobe gegen Johnson.

Und bislang sieht alles danach aus, als ob Corbyns Labour und die anderen oppositionellen Parteien bei ihrem Standpunkt blieben und zuerst die Verschiebung des Brexit-Termins abwarten wollen, bevor sie sich auf Neuwahlen einlassen. Es ist eine Wette darauf, dass Johnson mit dem Plan, einen neuen Vertrag mit der EU auszuhandeln, scheitert. Von einem Aufschub der Scheidungsfrist würde – neben der Brexit-Partei – Labour profitieren, so Curtice.

Boris Johnson drohen im pro-europäischen Schottland Verluste

Johnson beharrt auf den 15. Oktober, auch weil er die Umfragen anführt. Das Meinungsforschungsinstitut YouGov fand heraus, dass 35 Prozent der befragten Briten für die Konservativen stimmen würden, während nur ein Viertel der Menschen ihr Kreuz bei Labour machen würde. Beide Parteien legten leicht zu, während die proeuropäischen Liberaldemokraten verloren und nur noch bei 16 Prozent lagen.

Trotz des Vorsprungs: Johnsons Chancen, dass er eine absolute Mehrheit gewinnt, stünden bei einer Wahl im Oktober „bestenfalls bei 50 zu 50“, sagt Curtice. Das ist auch dem Mehrheitswahlrecht auf der Insel geschuldet, ganz nach dem Motto: The winner takes it all, der Verlierer in einem Wahlkreis geht komplett leer aus. Hinzu kommt, dass ihm in liberalen Städten und europafreundlichen Regionen wie Schottland Verluste drohen.

Lesen Sie zum Thema auch: Brexit-Chaos in Großbritannien: "England ist auf der Intensivstation"

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

08.09.2019

Begreifen denn die Engländer nicht, dass sie von Johnson und Konsorten gnadenlos angelogen wurden? Der Brexit wird die englische Wirtschaft in Grund und Boden stoßen! Gegen das engl. Pfund wird auf Teufel komm raus spekuliert werden! Und der größte Dealmaker aller Zeiten, Trump, wird nicht helfen!

Permalink
09.09.2019

@Gerhard Die amerikaner werden IMMER zu england halten, wenn es nach deutschland gegangen wäre sollten die engländer auch denn EURO beitreten und dem SCHENGEN abkommen beitreten zum GLUCK haben das die englander NIEEEEEEEE gemacht denn dann hatten sie heute eine 0 % geldpolitik und wenn sie schengen beigetreten hatten ohhhh GOD dann hätten sie das gleiche problem wie deutschland frankreich italien schweden etc etc. Bitte vergessen sie nicht das die engländer IMMER in der geschichte als gewinner ausgegangen sind und die deutschen IMMER belogen wurden von denn frauen und herren in berlin und von denn medien in der geschichte

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren