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Brexit
02.07.2021

Boris Johnson trifft Angela Merkel: Die feine englische Art

Coronakonforme Begrüßung zwischen Merkel und Johnson.
Foto: dpa

Die Kanzlerin und der britische Premier wollen die bilateralen Beziehungen erneuern. Wie genau, ist unklar.

Mit großen Scherzen hielt sich Boris Johnson dieses Mal zurück, wohlwissend, dass es schwer werden würde, im Gesicht von Angela Merkel abzulesen, ob sie seinen Humor auch immer so lustig findet. Stattdessen gab es während des Besuchs der Kanzlerin im Vereinigten Königreich vor allem viele warme und herzliche Worte. Sie wurde am Freitagmittag vom britischen Premierminister auf dessen Landsitz in Chequers mit zwei Ellenbogen-Begrüßungen empfangen.

Es war nicht nur ihre voraussichtlich letzte Staatsvisite in Großbritannien, sondern auch ihr 22. Besuch als Kanzlerin. Die schwierigsten Hürden habe man in den Gesprächen hinter sich gelassen, sagte Merkel. Es sollte ein von der Kanzlerin lancierter Neuanfang sein, auch wenn sie bei dessen Ausgestaltung nach der Bundestagswahl im September fehlen wird.

Nach Brexit: Geplant ist ein Freundschaftsvertrag oder Kooperationsvertrag mit Großbritannien

„Da Großbritannien nicht mehr in der EU ist, können wir nun ein neues Kapitel in unserer Geschichte aufschlagen“, sagte Merkel während der Pressekonferenz und setzte damit den Ton. Das Ziel: Das vertrauensvolle Verhältnis zwischen den beiden Ländern hervorzuheben, zu stärken, zu vertiefen. Geplant ist dafür ein „Freundschaftsvertrag oder Kooperationsvertrag“, nachdem die Dauer-Querelen zwischen Großbritannien und der EU wegen des Brexit auch Spuren in den Beziehungen zwischen Berlin und London hinterlassen haben.

Foto: Steve Parsons

In den vergangenen Jahren wirkte es oft, als ob die Deutsche gute Miene zum britischen Spiel aufzusetzen versuchte, das begleitet wurde von einer harschen Rhetorik aus London und regelmäßigen Drohungen gegenüber Brüssel. Am Freitag schien das vergessen, man versprach vielmehr, für die verbliebenen Meinungsverschiedenheiten pragmatische Lösungen zu finden, und betonte die gemeinsamen Werte und Interessen, etwa in sicherheits- und außenpolitischen Fragen. Merkel lobte zudem die Zusammenarbeit mit dem Konservativen.

Zur Schau getragene Harmonie zwischen Angela Merkel und Boris Johnson

Sie habe sich immer gut mit Johnson verstanden. „Jeder hat seine eigene Art“, sagte sie. „Wir stellen uns nicht gegenseitig ein Zeugnis aus.“ Fast schon zeigte sich der Premier erleichtert. Dabei teilte auch Johnson Nettigkeiten aus. So dankte er der Kanzlerin für ihr „historisches Engagement“, „nicht nur für die deutsch-britischen Beziehungen, sondern für die Diplomatie auf der ganzen Welt“. Bei aller zur Schau getragenen Harmonie bargen einige Punkte Konfliktpotenzial. Insbesondere beim Thema Live-Spiele der gerade stattfindenden Fußball-EM herrscht Uneinigkeit.

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Merkel übt Kritik an hohen Zuschauerzahlen bei den EM-Spielen in London

So betrachtet Merkel die hohen Zuschauerzahlen bei den noch ausstehenden Spielen in London kritisch. „Ich bin sorgenvoll und skeptisch, ob das gut ist und nicht ein bisschen viel.“ Bei den Halbfinalspielen und dem Finale im Londoner Wembley-Stadion sollen nächste Woche jeweils 60000 Zuschauer zugelassen werden, obwohl in Großbritannien  wegen der Delta-Variante die Infektionszahlen seit Wochen dramatisch steigen. Die Bundesrepublik hat das Königreich deshalb Ende Mai als Virusvariantengebiet eingestuft. Die Briten reagierten zuletzt verstimmt, dass sich die Kanzlerin innerhalb der EU für schärfere Einreiseregeln aus Großbritannien starkgemacht hatte. Mittlerweile gibt es Anzeichen, dass Berlin die Einstufung bald wieder zurücknehmen könnte. Weil sich die Delta-Variante auch in Deutschland rasant ausbreitet, macht eine Abschottung zunehmend weniger Sinn.

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