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Verhandlungen

04.06.2020

Brexit: Der Streit um die Fischerei in der Nordsee

Fischfang in der Nordsee: Zwischen der EU und Großbritannien stehen die Zeichen politisch auf Sturm.
Bild: Carsten Rehder, dpa

Die Verhandlungen über die Brexit-Regelungen zwischen London und Brüssel sind schwierig. Woran das liegt und wieso die Fischerei so viel politische Sprengkraft hat.

Die Hoffnungen für die Zukunft waren groß unter jenen Fischern, die allabendlich mit ihren Schleppern in den Hafen von Ilfracombe tuckern. Während die Sonne hinter dem Kliff verschwindet, entladen sie den Fang des Tages, Körbe voller Wellhornschnecken und Hummer. Hier, an der südwestenglischen Nordküste, stimmten die Fischer 2016 voller Leidenschaft für den Austritt Großbritanniens aus der EU – so wie der überwältigende Großteil ihrer Kollegen im Rest des Landes. Endlich, so der Wunsch, würden die verhassten Fangquoten aus Brüssel abgeschafft. Endlich würden sie wieder die Kontrolle über ihre Gewässer erhalten. Vier Jahre später herrscht Ernüchterung.

Die Fischer schimpfen: "Es ist eine Schande"

„Es ist eine Schande“, schimpft einer der Männer in Gummistiefeln über die Verhandlungen zum Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich. Die vierte und vorerst letzte Gesprächsrunde diese Woche zwischen EU-Chefunterhändler Michel Barnier und dessen Kollege in London, David Frost, hat kaum Fortschritte erzielt.

Neben den Themen der gleichen Wettbewerbsbedingungen und den Regeln zum Brexit gilt just der Fischfang als größte Hürde: Jener Sektor, der nur 0,04 Prozent des britischen Bruttoinlandsprodukts ausmacht und selbst mit Verarbeitung nur 0,1 Prozent zur Wirtschaftsleistung beiträgt, ist gesamtwirtschaftlich zwar kaum von Bedeutung. Die Finanzindustrie kommt auf mehr als sieben Prozent. Doch die Fischereibranche besitzt Symbolkraft – für beide Seiten. Und somit politische Sprengkraft.

Brexit: Der Streit um die Fischerei in der Nordsee

Brexit-Verhandlungen: Warum Boris Johnson mit einem Fisch wedelte

Es ist kein Zufall, dass Premierminister Boris Johnson im Wahlkampf mit einem eingeschweißten Fisch herumwedelte und gerne den Geist der Seefahrernation eines unabhängigen Staats beschwört. Oder dass 2018 tagelang der „Jakobsmuschel-Krieg“ tobte. Damals eskalierte der Streit um die Fischgründe im Ärmelkanal zwischen britischen und französischen Fischern.

In den Verhandlungen fordert die EU weiterhin gesicherten Zugang zu britischen Gewässern und damit im Grunde den Status quo. London dagegen will die Fangquoten jährlich neu verhandeln – und senken. Können sich die beiden Seiten bei dem heiklen wie komplexen Thema annähern? „Das Königreich hat sehr wenig, was die EU will, doch der Zugang zu den Fischgründen gehört dazu“, sagt der Handelsexperte und Ex-Regierungsberater David Henig. Deshalb sei er die „stärkste Karte“ der Briten im Poker.

Wie in London ist die Fisch-Lobby auch in Brüssel groß. Trawler aus Frankreich, Belgien, Dänemark und den Niederlanden wollen weiterhin in britischen Revieren kreuzen dürfen. Auch aus Deutschland kommt Druck: Denn die Heringe und Makrelen, die hauptsächlich aus englischen Gewässern gezogen werden, sind für den Export in die EU bestimmt. Dasselbe gilt für Meerestiere oder Lachs aus Schottland. Mehr als 70 Prozent des britischen Fangs werden in die EU ausgeführt.

Der Lieblingsfisch der Briten kommt aus der EU

Umgekehrt ist der Lieblingsfisch nicht in ausreichender Quantität in der Heimat zu finden. Ergo: „Wir brauchen Zugang zu europäischen Gewässern“, so Henig. Wenn Brexit-Anhänger regelmäßig voller Stolz auf das britische Leibgericht Fish & Chips verweisen, vergessen sie, dass der Kabeljau und Schellfisch hierfür vor allem vom Kontinent auf die Insel importiert wird. Und damit Zöllen und Kontrollen unterliegen würde, sollte es keine Einigung geben.

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13.06.2020

Man muss akzeptieren, dass Europa am Ärmelkanal endet. Die Engländer waren noch nie Europäer und wollen nun nach dem Brexit auch nicht ihre Schulden bezahlen. Früher herrschten ähnliche Verhältnisse, die zu Kriegen führten, für die immer Deutschland verantwortlich gemacht wurde.
Europa ohne England und den USA ist die Zukunft.

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13.06.2020

Was sie hier betreiben ist Relativierung wie sie bestimmte Kreise betreiben. Deutschland als unschuldiges Opfer. Für den 2. Weltkrieg gibt es keinerlei Rechtfertigung. Hitler-Deutschland hat den Krieg angefangen trotz dauernden Nachgeben der anderen. Für den 1. Weltkrieg war nicht nur Deutschland Schuld. Hier haben sich durchaus andere dann von Schuld frei zuwaschen versucht. Fakt ist aber auch das Wilhelm der II Deutschland isoliert hat und andere bewusst provoziert hat.

Aber die damalige Situationen waren ganz andere als das Brexitdrama.

Eine goldene Zukunft ohne die USA und dem Vereinigten Königreich hat ein freies Europa nicht. Dafür ist China zu stark, Russland nicht zuverlässig und demokratisch gefestigt. Und die jetzige EU zu unflexibel.

Da können selbsternannte Retter des Abendlandes noch so laut tönen. Eher sollte die EU neu gegründet werden. Mit klaren Vorgaben hinsichtlich Gewaltenteilung, Rechtsstaat und Demokratie und Mehrheitsentscheidungen ala Bundesrat. Mit entsprechenden Konsequenzen (Rauswurf) bei Verstössen gegen diese.


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