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Italien

18.03.2019

Bunga-Bunga-Partys: Warum musste diese Frau sterben?

Eine frühere Aufnahme von Imane Fadil: Im April 2012 erschien sie vor einem Mailänder Gericht im Prozess gegen Silvio Berlusconi, bei dessen Partys sie Gast gewesen sein soll.
Bild: Oliver Morin, afp

Imane Fadil hätte wohl viel über das wilde Treiben in der Residenz von Silvio Berlusconi erzählen können. Jetzt prüft der Staatsanwalt, ob sie vergiftet wurde.

Sie war eine der wichtigsten Zeuginnen in den sogenannten Ruby-Prozessen gegen Silvio Berlusconi und dessen Entourage. Ihre Aussage wurde mit Spannung erwartet. Doch nun ist die 34 Jahre alte Imane Fadil tot. Bereits am 1. März soll sie in einem Mailänder Krankenhaus gestorben sein. Wurde die Marokkanerin vergiftet? Dieser Frage geht nun die Staatsanwaltschaft Mailand nach, die erst eine Woche nach dem Tod des Ex-Models eingeschaltet wurde. Sie hat ein Ermittlungsverfahren wegen Totschlags eingeleitet.

Fadil war 2010 mehrfach Gast in der Villa des italienischen Ex-Ministerpräsidenten. Je nach Darstellung handelte es sich dabei um „galante Abendessen“ oder ausschweifende Sex-Partys, an denen auch die minderjährige Karima El Marough alias Ruby Rubacuori teilnahm. Derzeit läuft der dritte Prozess in der Ruby-Affäre. Darin werfen die Ermittler Berlusconi und weiteren 27 Angeklagten, darunter Mitarbeiter Berlusconis und angehende Models, Falschaussage und Zeugenbestechung vor. Fadil hätte dies mit ihren Aussagen bestätigen können.

Berichte über mögliche radioaktive Verstrahlung im Prozess gegen Silvio Berlusconi

Derzeit wirft der Fall Fadil vor allem Fragen auf. Was war etwa die genaue Todesursache der 34-Jährigen? In italienischen Medien war die Rede von erhöhtem, aber nicht lebensgefährlichem Vorkommen giftiger Substanzen im Körper der Zeugin. Das habe eine toxikologische Untersuchung ergeben. Auch von einer möglichen radioaktiven Verstrahlung Fadils wurde berichtet. Innere Organe seien schwer geschädigt gewesen, kaum weiße Blutkörperchen hätten sich trotz zuletzt mehrfacher Transfusionen in ihrem Blut befunden. „Es gibt keine präzise Diagnose für den Tod, aber aus den Untersuchungen ergeben sich Hinweise auf eine Vergiftung“, sagte Staatsanwältin Tiziana Siciliano. In dieser Woche soll Fadils Leichnam obduziert werden.

Fadil war Ende Januar in eine Klinik in Rozzano bei Mailand eingeliefert worden und hatte laut ihrem Anwalt Paolo Savesi damals selbst den Verdacht geäußert, vergiftet worden zu sein. Erst zwei Wochen zuvor war die 34-Jährige das letzte Mal vor Gericht erschienen. Ihr Antrag auf Nebenklage und Schadenersatz wurde damals abgelehnt. Auch die Anträge der beiden Belastungszeuginnen Ambra Gutierrez und Chiara Danese wurden abgelehnt. In dem noch laufenden Prozess geht es um den Vorwurf, die Teilnehmerinnen an den „Bunga Bunga“-Abenden des vierfachen italienischen Ministerpräsidenten, mehr als ein Dutzend junge Frauen, seien zur Vertuschung der wahren Vorgänge von der Entourage Berlusconis bestochen worden.

Im Ruby-Prozess wird Berlusconi Zeugenbestechung vorgeworfen. Benannt ist er nach Karima "Ruby" El-Marough, die 2010 bei als Minderjährige bei Sex-Partys dabei gewesen sein soll.
Bild: Ettore Ferrari/Zennaro Luca, dpa

Eine Zeugin im Ruby-Prozess sagte: "Ich habe Angst"

Nach dem Verlassen des Gerichtssaals sagte Fadil damals: „Im Gegensatz zu den anderen habe ich immer die Wahrheit gesagt. Es gab zahlreiche Versuche der Bestechung vonseiten Berlusconis.“ Ihr sei Schweigegeld angeboten worden, sie habe aber abgelehnt. „Ich habe Angst, man weiß nicht, mit wem man es da zu tun hat“, sagte Fadil. Außerdem fügte sie hinzu, sie plane die Veröffentlichung eines Buches, in dem sie die Hintergründe der Bunga-Bunga-Abende in Berlusconis Privatresidenz Arcore bei Mailand aufdecken werde.

Die Bunga-Bunga-Affäre nahm im Jahr 2010 ihren Lauf, nachdem die Teilnahme der damals minderjährigen Karima El Marough an den Berlusconi-Festen aufflog. In einem Verfahren wegen Amtsmissbrauchs und Prostitution Minderjähriger wurde Berlusconi 2015 definitiv freigesprochen, das Kassationsgericht bekräftigte damals, es sei zu Prostitution gekommen, es sei aber nicht nachweisbar, dass Berlusconi von der Minderjährigkeit El Maroughs wusste. Die Anklage im noch laufenden Verfahren nimmt an, der Ex-Ministerpräsident, der weiterhin die von ihm gegründete Partei Forza Italia leitet, habe Zeuginnen mit insgesamt rund zehn Millionen Euro bestochen.

Silivo Berlusconi behauptet, Imane Fadil nie getroffen zu haben

Auf den Tod von Fadil angesprochen sagte der 82-Jährige: „Ich habe diese Person nie kennengelernt und nie mit ihr gesprochen.“ Mehrere Personen behaupten das Gegenteil. So spricht der frühere Berlusconi-Freund und wegen der Ruby-Affäre zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilte TV-Moderator Emilio Fede von mindestens drei Besuchen Fadils in Berlusconis Privathaus. Auch Fadil selbst berichtet von mehreren Begegnungen mit dem Ex-Ministerpräsidenten, darunter einer im Februar 2010. Berlusconi habe ihr in seinem Büro eine Uhr mit dem Wappen des AC Mailand, Ringe sowie ein Kuvert mit 2000 Euro überreicht.

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