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China
09.11.2021

Hungert sich die chinesische Journalistin Zhang Zhan zu Tode?

Ein pro-demokratischer Aktivist zeigt zwei Plakate vor dem Verbindungsbüro der chinesischen Zentralregierung. Auf einem Plakat ist ein Foto der chinesischen Journalistin Zhang Zhan zu sehen.
Foto: Kin Cheung, dpa

Die chinesische Journalistin Zhang Zhan sitzt im Gefängnis, weil sie ihre Recherche-Streifzüge durch das wegen Corona abgeriegelte Wuhan auf 122 Video-Clips veröffentlicht hat.

Zhang Zhans letzte Stunden in Freiheit sind nach wie vor auf Youtube dokumentiert. In den Abendstunden des 14. Mai 2020 filmt die 38-Jährige ein kurzes Selfie-Video mit ihrem Smartphone, im Hintergrund erkennt man den Bahnhof Hankou in Wuhan. Wenige Stunden später wird die Bürgerjournalistin festgenommen.

Bruder schlägt Alarm: Sie wiegt nicht mal mehr 40 Kilo

Vor wenigen Tagen nun hat ihr Bruder Alarm geschlagen. Zhang Zhan, die zurzeit eine vierjährige Haftstrafe absitzt, sei durch ihren mehrmonatigen Hungerstreik körperlich am Ende. Sie wiege bei einer Körpergröße von 1,77 Metern nicht einmal mehr 40 Kilogramm. „Sie wird den kommenden Winter möglicherweise nicht überleben“, schrieb Zhang Ju auf Twitter. Von Amnesty International bis Human Rights Watch haben internationale Menschenrechtsorganisationen die chinesische Regierung dazu aufgerufen, Zhang Zhan endlich zu begnadigen.

Dass sie überhaupt im Gefängnis sitzt, ist ein weiteres Zeichen für die immer rigider werdende Null-Toleranz-Politik, mit der der chinesische Staat gegenüber kritischen Stimmen vorgeht. Zhangs „Verbrechen“ sind exakt 122 Videoclips, die sie im letzten Frühjahr während ihrer Recherche-Streifzüge durch Wuhan aufgenommen hat. Darin zeigte sie in verwackelten Aufnahmen die chaotischen Zustände in völlig überfüllten Spitälern nach dem Ausbruch von Corona. Sie interviewte Bürger und kritisierte immer wieder die Regierung.

Schon vor der Pandemie hatte sie Ärger mit der Polizei

2018 wurde die heute 38-jährige Zhang erstmals von der Polizei vorgewarnt, im April 2019 gar für zehn Tage in Untersuchungshaft genommen. Der Vorwurf lautete – wie immer, wenn es um Dissidenten geht – sie habe „Streit angezettelt und Ärger provoziert“. Als Ende 2020 ein weiterer Prozess gegen Zhang begann, erschien sie körperlich deutlich geschwächt, aber nicht gebrochen im Gerichtssaal: „Glauben Sie nicht, dass Ihr Gewissen Ihnen sagen wird, dass es falsch ist, mich auf die Anklagebank zu setzen?“

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