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Corona-Pandemie
09.06.2021

Drosten befürchtet nachlassende Impfbereitschaft

Der Virologe Christian Drosten warnt vor einem möglichen Nachlassen der Impfbereitschaft im Sommer.
Foto: Michael Kappeler/dpa/Archivbild

Die Inzidenzen sind gesunken, der Alltag normalisiert sich: Werden sich über den Sommer dennoch große Teile der erwachsenen Bevölkerung impfen lassen? Virologe Drosten hofft es zwar, hat aber Zweifel.

Der Virologe Christian Drosten hat vor Rückschlägen für die Corona-Impfkampagne über den Sommer in Deutschland gewarnt.

Man müsse aufpassen, dass die Menschen künftig nicht nachlässig würden und sich zum Beispiel die Zweitimpfung nicht mehr abholten, weil sie keine Lust mehr hätten oder es zu kompliziert sei, sagte der Leiter der Virologie der Berliner Charité am Dienstag im Podcast "Coronavirus-Update" (NDR-Info).

"Solche Dinge dürfen einfach nicht eintreten. Das wird, glaube ich, die nächste große Aufgabe sein."

Drosten erwartet demnach in einigen Wochen eine Diskussion über die Förderung der Impfbereitschaft. Ziel seien mindestens 80 Prozent Zweifachimpfungen, zumindest in der "impffähigen erwachsenen Bevölkerung", erinnerte er. Dies werde hoffentlich bis Ende August, Mitte September erreicht werden. Auch nach der Aufhebung der festgelegten Reihenfolge seit Montag bleibe es zunächst wichtig, die Gruppen zu impfen, in denen dies wegen des erhöhten Covid-19-Risikos dringlich sei. Das Augenmerk müsse im Moment noch auf der Versorgung der Menschen ab Mitte 40 liegen, so Drosten. Aktuell liegt der Anteil der vollständig Geimpften in der Bevölkerung bei knapp 22 Prozent.

Dass die Impfkampagne nicht ins Stocken gerät, ist für den Wissenschaftler auch vor dem Hintergrund der als besorgniserregend eingestuften Virusvarianten wichtig: Die zunächst in Indien entdeckte Mutante Delta oder ähnliche Varianten würden "sicherlich bis zum Herbst hier auch das Feld dominieren", sagte Drosten. Es gelte, bis dahin für eine möglichst hohe Impfquote bei Erwachsenen zu sorgen. "Dann werden wir keine großen Probleme haben" - ein kleines Fragezeichen sehe er diesbezüglich nur beim Thema Kinder. In England würden Ausbrüche in Schulen durch die Delta-Variante beobachtet.

Als besorgniserregend werden Varianten eingestuft, wenn sie sich zum Beispiel möglicherweise leichter verbreiten, schwerere Krankheitsverläufe verursachen oder wenn sich das Virus so verändert hat, dass der Schutz von Geimpften und Genesenen beeinträchtigt sein könnte. Bei der Delta-Variante, die Experten in England Sorgen bereitet, sieht Drosten unverändert Unklarheiten. Erst wenn das Virus dort immer weiter in die breite Bevölkerung komme, werde man sehen, was es wirklich mit dem Virus auf sich habe, sagte er.

Für Drosten ist der Blick auf die Delta-Entwicklung in anderen Ländern wichtig: Bisher sei aber weder in Dänemark, wo viele Proben analysiert werden, noch in Deutschland in den vergangenen Wochen eine starke Zunahme zu sehen. In Deutschland lag der Anteil von Delta an untersuchten Proben nach Berichten des Robert Koch-Instituts aus den vergangenen Wochen bei um 2 Prozent. Drosten berichtete von inoffiziellen Zahlen, die suggerierten, dass es nun "vielleicht eine leichte Erhöhung gibt, aber sicherlich wohl keine Verdoppelung". Eine Verdopplung der Werte von Woche zu Woche sei in England beobachtet worden.

"Natürlich wird die Fallzahl gen Winter wieder hochgehen. Das kann auch schon im Herbst passieren. Aber das wird ab jetzt jeden Winter passieren", sagte Drosten. Die Situation sei dann durch den erwarteten Effekt der Impfungen auf Krankheitsverläufe aber verändert: Würde man strikt nur Labornachweise messen, sähe man wohl eine Art vierte Welle. Aber es sei dann keine pandemische Welle mehr. Drosten hatte auch zuvor schon mehrfach betont, dass er langfristig damit rechnet, dass sich Sars-CoV-2 wie die altbekannten Coronaviren verhalten werde, die Erkältungen auslösen.

Nach seiner bereits am Wochenende in einem Interview geäußerten Annahme, dass Corona von Fledermäusen über die Pelzindustrie zum Menschen gelangt sein könnte, regte Drosten eine entsprechende wissenschaftliche Untersuchung an - "die aber natürlich rein in China und von chinesischen Wissenschaftlern durchgeführt werden kann und sollte". Möglicherweise sei das Virus aber heutzutage in Zuchtbetrieben gar nicht mehr zu finden, etwa weil Bestände längst gekeult wurden. Möglich sei auch, dass der Erreger aus der Zucht in einem anderen Land über Handelsbeziehungen nach China gekommen sei.

Das Vorgehen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die wegen ungeklärter Fragen eine Experten-Kommission nach China geschickt hatte, kritisierte Drosten deutlich. Unter anderem sei das Zustandekommen der Gruppe nicht transparent gewesen. Auch entspreche das Vorgehen nicht dem üblichen wissenschaftlichen Prozess. Der Bericht der Gruppe lese sich, als hätte man "einige der Fragen hier in der kurzen Zeit schon gut abgeklopft". Drosten sagte: "Das ist für mich wirklich auch nicht akzeptabel."

Über Versuche, den Grundlagen mancher Mutmaßungen über den Beginn der Pandemie nachzugehen, sagte er: "Geht man dann an die Quelle, so wie man das zumindest als westlicher Wissenschaftler kann, dann stößt man auf ein Nichts."

© dpa-infocom, dpa:210608-99-913717/4 (dpa)

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08.06.2021

Die Aufgabe von Herrn Drosten ist uns Angst zu machen. Sonst würden sich weniger Menschen an die Vorsichtsmaßnahmen halten. Aber mit Angst leben ist auch nicht gesund. Es fehlt der gesund Mittelweg. Die einen behaupten, es gibt kein Corona, die andere rufen, ihr werdet ALLE an Corona erkranken.

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08.06.2021

Ich halte das für eine rufschädigende Unterstellung.
Herr Drosten scheint mir ein sehr kompetenter Virologe zu sein. Er wie auch die Virologin Melanie Brinkmann haben doch mit ihren Befürchtungen und Prognosen recht behalten.

Leider haben maßgebliche PolitikerInnen in unserem Land nicht die Einsicht und die Kraft gehabt, konsequent zu handeln. Daran sind auch unsachliche Aussagen schuld, die solchen ExpertInnen Falsches unterstellen.

Raimund Kamm

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08.06.2021

Die Wahrheit zusagen ist Angst machen.
Fakt ist, Corona ist da. Fakt ist, dass wir ziemlich alle früher oder später an Covid erkranken werden. Nicht unbedingt schwer. Ob schwer oder leicht, dass weiss halt keiner im Voraus. Genauso, ob man Folgeschäden davon trägt. Ausser wir machen einen schärferen Dauerlockdown für die nächsten 10 Jahre oder mehr .... und wer will das?

Er hat damit recht. Wenn jetzt im Sommer sich weniger Leute impfen lassen, weil Covid nicht mehr so spürbar ist, dann könnten sie ein Herbst ähnlich wie 2020 bevorstehen. Vielleicht nicht mehr so ausgeprägt aber mit einer deutlichen Steigerung und auch wieder Anstieg in Intensivstationen.
Was man im Sommer aufgrund gefühlter Sicherheit versäumt, kann man im Herbst nicht einfach wieder aufholen.
Der gesunde Mittelweg ist, nicht panisch zu werden aber auch Corona nicht zu verdrängen.

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