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Corona und die Verantwortung des Einzelnen: Was uns Kennedy lehrt

Kommentar Von Bernhard Junginger
24.01.2021

Virus-Mutationen und der holprige Impfstart schaffen eine neue Unsicherheit, in der es mündige Staatsbürger braucht, die keine Schlupflöcher suchen.

Der demokratische US-Präsident hat in seiner Antrittsrede einen Satz gesagt, der ziemlich gut beschreibt, was wir im Kampf gegen die Corona jetzt beherzigen sollten. Nein, gemeint ist nicht Joe Biden vergangene Woche, sondern John Fitzgerald Kennedy, vor 60 Jahren und ein paar Tagen. „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für Euer Land tun könnt.“ Zugegeben: Das berühmte Zitat kann auf verschiedene Weisen gelesen werden, manche halten es für abgedroschen, zu pathetisch oder weisen auf die Widersprüchlichkeiten seines Autors hin. Doch es bleibt der wohl stärkste Appell an die Eigenverantwortung des mündigen Bürgers in einer freiheitlichen Demokratie.

Der Einzelne sollte nicht versuchen, ein Schlupfloch in den Corona-Regeln zu finden

Der Satz bedeutet, auf heute übertragen, keineswegs, dass sich der Staat bei der Bekämpfung der Pandemie aus der Verantwortung stehlen darf. Ganz im Gegenteil. Die Bundesregierung muss gerade jetzt Orientierung geben. Der Einzelne aber, das lehrt uns Kennedy, sollte jetzt nicht spitzfindig darüber nachdenken, wo er vielleicht noch ein Schlupfloch in den Corona-Regeln finden könnte. Sondern darüber, wie er verantwortungsvoll handeln kann, gerade dort, wo Anordnungen unsinnig, widersprüchlich oder nicht zu kontrollieren scheinen.

Ein Jahr nach dem Bekanntwerden der ersten Corona-Fälle in Deutschland sind die Infektions- und Todeszahlen so hoch, wie es damals für die meisten Menschen kaum vorstellbar war. Unsere Hoffnung, alles werde sich schnell ändern, wenn nur erst ein Impfstoff zugelassen ist, hat sich als trügerisch erwiesen.

Alleingänge und Sonderwege in der Corona-Pandemie haben sich als gefährlich erwiesen

Wichtige Fragen sind offen. Können Geimpfte ihre Mitmenschen nicht mehr anstecken? Wird der Frühling die Wende bringen? Schützt eine Impfung  auch vor Mutationen des Virus? Was derzeit darüber bekannt ist, stimmt eher pessimistisch. Selbst wer geimpft ist oder Corona schon hatte, kann sich nicht in Sicherheit wiegen.

Hinter hohen Todeszahlen sehen wir kaum mehr die Einzelschicksale. Fast jeder kennt inzwischen aber auch Menschen, die Corona hatten und bei denen die Erkrankungen einen eher milden Verlauf genommen hat. Das darf uns nicht einlullen. Durch veränderte Virus-Varianten aus Großbritannien oder Südafrika, möglicherweise ansteckender und tödlicher, könnte sich die Gefahr auch für die Jungen, die Gesunden drastisch verschärfen. Gerade jetzt darf die Gesellschaft nicht auseinanderfallen. Alleingänge von anfangs weniger betroffenen Regionen und so genannte Sonderwege haben sich als gefährlich erwiesen.

Was unbestritten gegen das Coronavirus hilft, sollte jeder einzelne auch tun

Das Ende der schrecklichen, lähmenden Pandemie wird kommen, das ist sicher. Bis dahin wird es noch ziemlich kompliziert, langwierig und leider wohl hart werden. Wir alle müssen uns bemühen, den Verlust an Menschenleben möglichst niedrig zu halten. Was unbestritten gegen die Ausbreitung des tödlichen Virus hilft, sollten wir gerade jetzt auch tun: Kontakte so weit wie möglich reduzieren, Menschenansammlungen meiden.

Muss der erlaubte Ausflug ans vierzehneinhalb Kilometer entfernte Ziel, wo es vor Spaziergängern wimmelt, wirklich sein? Täte es statt des regelkonformen privaten Kontakts zu einer Person auch ein langes Telefonat? Wo geht noch was in Sachen Homeoffice? Könnten wir so vorausschauend einkaufen, dass sich die Fahrten zum Supermarkt halbieren? Es müssen ja nicht gleich Hamsterkäufe sein. Ist jetzt wirklich die Zeit, um die nächste Fernreise zu planen? Das alles sollten wir fragen. Oder sehr frei nach Kennedy: Nicht danach, was unser Staat uns noch alles verbieten soll. Sondern danach, was wir selbst dazu beitragen können, den Corona-Albtraum zu beenden.

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