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Landtagswahlen 2016

14.03.2016

Darum ist die AfD in den sozialen Netzwerken so erfolgreich

Facebook ist für die AfD die mit Abstand wichtigste Plattform.
Bild:  Jens Buettner (dpa)

Ohne Facebook würde die AfD gar nicht existieren, meinen Experten: In sozialen Netzwerken hat die Protestpartei gegenüber Union, SPD und Co. deutlich die Nase vorn. Aber warum?

Montag, 14. März 2016, der Tag nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Die Alternative für Deutschland (AfD) postet auf Ihrem Facebook-Account ein Bild, auf dem steht: "Fulminanter Wahlsieg in den drei Bundesländern". Das stimmt natürlich nicht. In keinem der genannten Bundesländer wurde die Protest-Partei stärkste Kraft und hat die Wahl entsprechend gewonnen.

Die Kommentatoren unter dem Bild stören sich nicht an dieser Falschmeldung. "Die Merkel hat gestern ihr persönliches Waterloo erlebt," schreibt einer, "Ich freu mich richtig für AFD. Die haben richtige Ohrfeigen verteilt," ein anderer. Bis zum Mittag stieg die Zahl der Kommentare auf fast 600, beinahe 800 Facebook-Nutzer haben den Post der AfD geteilt.

Die rege Interaktion ist kein neues Phänomen: "Diese Partei würde es ohne Facebook nicht geben, ihr Erfolg beruht auf dem sozialen Netzwerk," sagt der Politikberater und Blogger Martin Fuchs. Er erforscht seit Jahren die Performance der AfD bei Facebook, Twitter, Google plus und Co. Sein Urteil: Die AfD ist online weit erfolgreicher als die übrigen Parteien. "Sie schaffen es, mit einem einzigen Facebook-Post bis zu einer Million Menschen zu erreichen. Die Themen, die sie setzen, gehen sehr schnell viral," so Fuchs.

Dieser Erfolg beruht laut Fuchs einerseits auf strukturellen Gründen. Etablierte Parteien sind sehr vorsichtig mit ihren öffentlichen Äußerungen, verfolgen exakt ausgearbeitete Strategien, die von vielen Gremien abgesegnet werden müssen. Die Antwort auf eine Nutzer-Anfrage zu einem Thema, zu dem noch keine offizielle Parteilinie besteht, kann da schon mal Tage und Wochen dauern. Anders die AfD: Die Partei ist noch in ihrer Findungsphase, hat den Charakter einer Protestbewegung.

Warum die AfD bei Facebook erfolgreich wurde

Laut der Forschungen von Fuchs kümmert sich ein einziger, etwa 60-jähriger Mann um den Facebook-Account der Bundespartei. Er handelt weitgehend autonom, die Hierarchien sind flach, entsprechend schnell ist die Partei online handlungsfähig. Auch die kleinen Parteiverbände auf lokaler und regionaler Ebene sind dadurch handlungsfähig und oft deutlich aktiver als die entsprechenden Plattformen der etablierten Parteien - sofern diese auf Mikro- und Mesoebene überhaupt existieren.

Andererseits ist die AfD ein Online-Hit, weil die Partei auf Facebook ohnehin vorhandene Diskurse aufgreift und sie mit ihrem Stempel versieht. "Die Stimmungslagen sind schon vorhanden, die AfD springt nur drauf und besetzt sie," sagt Alexander Hensel vom Institut für Demokratieforschung an der Georg-August-Universität in Göttingen. "So muss die Partei nur einen geringen Aufwand betreiben," so der Forscher. Gerade in den sozialen Netzwerken geistern zahlreiche Debatten, die beispielsweise um das Hauptwahlkampfthema der AfD kreisen, den aktuellen Asylzuzug. Entdecke die AfD eine solche - und sei es nur ein polemisches Bild oder eine fragwürdige Grafik - poste sie das auf ihrem Account und fordere die User offensiv zum Teilen und zur Interaktion auf. Gerade letzteres versprühe in den Augen vieler Nutzer einen basisdemokratischen Charme und vermittele das Gefühl: Die hören zu, die kümmern sich.

Mögen und Teilen: Die AfD ist erfolgreich auf der Internetplattform Facebook vertreten.
Bild: Friso Gentsch/dpa

Auf Facebook hat sich die AfD damit eine Gegenöffentlichkeit zu der von ihr gescholtenen sogenannten Lügenpresse aufgebaut. Die Partei meidet die Medien, die ihr nicht wohlgesonnen sind. Stattdessen nutzt sie den Irrglauben vieler Nutzer, Facebook würde Nachrichten verbreiten. Soziale Netzwerke fungieren allerdings nicht als neutraler News-Vermittler, sondern preisen dem jeweiligen Nutzer nur auf seine Präferenzen zugeschnittene Informationen an - damit dieser möglichst lange auf Facebook verweilt.

Was die etablierten Parteien von der AfD lernen können

So bewegen sich der Mittler AfD und seine Follower stets in ihrer eigenen Wahrnehmungsblase. Sie befruchten sich gegenseitig mit Geschichten, die deren ohnehin schon vorhandenen Meinungen und Weltbilder transportieren und bestätigen. Ein Teufelskreis - mit entsprechenden Protagonisten, wie die taz analysiert hat: "Social Media ist der Lieblingsspielort von Nazis, Islamisten und Verschwörungstheoretikern, denn Medien schenken ihnen meist – wenn überhaupt – nur kritische Aufmerksamkeit." Die AfD fischt in diesem Dunstkreis nach Fans und Followern.

Politikberater Fuchs sieht darum einigen Nachholbedarf bei den etablierten Parteien, um ähnlich viel Beachtung im Netz wie die AfD zu finden: "Ein immer höherer Bevölkerungsanteil nutzt das Internet zur politischen Meinungsbildung." Zudem müssten sich Union, SPD und Co. von ihrem Denken in Wahlkampfperioden verabschieden. Im Netz sei Dauerpräsenz gefragt, so Fuchs. Die wird nötig sein. Denn nach seiner Einschätzung wird die AfD versuchen, den Islam als nächstes großes Thema zu besetzen. Was werden die anderen Parteien der AfD dann entgegenzusetzen haben?

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Die Diskussion ist geschlossen.

14.03.2016

Menschen in Bitterfeld

Eine junge Journalistin von spiegel-online hat heute mit der Kamera Menschen in Bitterfeld gefragt, wie sie sich das hohe AFD-Wahlergebnis erklären.

Wenn die Leute nicht einseitig ausgewählt wurden, sind die Antworten eine Offenbarung. Man klagt sowohl über die vielen Ausländer wie auch darüber, dass immer mehr Häuser und Geschäfte leer stehen. Einer äußert sich offen rassistisch. Einer sagt, dass er seit der Wende nicht mehr wählen gehe. (Bis zur Wende hatte er nach unseren Begriffen ja gar keine echte Wahl). Eine will mehr Geld ...

Raimund Kamm

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15.03.2016

Es könnte ein Anfang sein, wenn süddeutsche Wohlstandslinke das Geschwätz vom reichen Deutschland einstellen würden.

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Politiker hatten den Menschen im Osten "blühende Landschaften" versprochen; das Versprechen war in vielen Teilen Ostdeutschlands nicht zu halten.

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Das muss man nun im Kontext mit den Flüchtlingen betrachten; Ideen die Flüchtlinge gleichmäßig über das Land zu verteilen werden von Linksgrünen und Asylaktivisten regelmäßig zurückgewiesen. Man erklärt uns, dass eine Aufenthaltsvorgabe rechtlich unzulässig wäre (was bei G-Konv. Kriegsflüchtlingen nicht richtig ist), die Flüchtlinge in Großstädte wollen und man besser dort Wohungen bauen soll. Es können noch 5 Millionen Flüchtlinge kommen und die Häuser und Geschäfte in Bitterfeld werden trotzdem noch leer stehen!

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Auch das ist der Nährboden für 24% AfD in Sachsen Anhalt. Warum haben die Flüchtlinge mehr Recht auf Großstadt als Menschen aus der ostdeutschen Provinz?

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15.03.2016

"Politiker hatten den Menschen im Osten "blühende Landschaften" versprochen; das Versprechen war in vielen Teilen Ostdeutschlands nicht zu halten."
Ich will ausnahmsweise antworten. Eigentlich will ich auf Äußerungen nicht eingehen, wenn die Urheber nicht mit ihrem richtigen und vollen Namen dafür einstehen. Wir leben in einer Demokratie.
Meines Wissens war Bitterfeld eine der dreckigsten und giftigsten Städte der DDR. Schon vergessen? Damit verglichen blüht heute Bitterfeld.
Wenn man allerdings in dem Videospot, falls er nicht sehr einseitig ist, so einige Bitterfelder rassistisch oder antidemokratisch und fremdenfeindlich reden hört, versteht man, warum dort weder Immigranten noch Investoren hin wollen.
Es ist schon gut, wenn man im Rahmen seiner Möglichkeiten, Verantwortung sowohl für sein Leben wie seine Gemeinde übernimmt! Protestwahlen zeugen nur in Ausnahmefällen von Selbstverantwortung.
Raimund Kamm, Augsburg

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14.03.2016

Also ich war noch nie auf Facebook, habe keinen Account dazu und werde auch in Zukunft keinen haben. Obwohl ich hier nur eingeschränkt mitreden kann ist es wohl Schwachsinn, daß es die AfD ohne Facebook nicht gäbe. Die asozialen Medien haben zwar eine gewisse Macht - aber bitte, Ränder wurden auch schon lange vor Facebook bedient.

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14.03.2016

Ja, die AFD ist auf Facebook usw. schnell aber auch schlampig. Behauptet dort Dinge, die nicht überprüft wurden und falsch sind. Auch absichtliche Lügen erscheinen. Bis heute hat meines Wissens die AFD nicht den Verantwortlichen für diese dreiste Lüge zur Rechenschaft gezogen.

In dem Infokasten werden die energiepolitischen Ziele der AFD falsch dargestellt. Die Aussage "Energie: Die Energiewende unterstützt die AfD zwar - aber nicht deren Finanzierung. Sie halte es für unfair, Sonnen- und Windenergie über die Strompreise zu fördern. Stattdessen solle das Geld dafür aus den allgemeinen Steuereinnahmen kommen." steht im krassen Widerspruch zu Aussagen im Wahlprogramm der AFD in Baden-Württemberg. Dort spricht sich die AFD implizit für die Atomkraft aus:

"Es gab und gibt bis heute keinen sachlichen Grund, von unserer ehemals weltweit sichersten und preisgünstigen Stromversorgung abzugehen."

Aussagen, wo der Atommüll hin soll, fehlen aber in dem Programm. Vermutlich denken die meisten AFD-Wähler auch nicht so weit.

Raimund Kamm

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14.03.2016

Zitat: Behauptet dort Dinge, die nicht überprüft wurden und falsch sind. Auch absichtliche Lügen erscheinen.
Selten so gelacht. Ausgerechnet Herr Kamm sagt sowas. Ihre Aussagen zum Thema Atomkraft sind nur Behauptungen und Angstmache! Beispiel: Die Studie zum Kinderkrebs um AKW´s. Die Ersteller der Studie (von den Grünen bezahlt) kamen zu der Erkenntnis: Wenn man danach gesucht hätte, ob die Kinderkrebshäufigkeit um Kirchen herum höher ist als der Durchschnitt, hätte man mit großer Wahrscheinlichkeit auch dies nachweisen können. Einfach weil die Häufigkeit zu gering ist, um statistisch aussagefähige Werte zu bekommen. Was machten die Grünen: Sie haben die Ersteller ihrer eigenen Studie nicht zur Präsentation vor der Presse eingeladen, sondern haben die Studie nach ihrer Auslegung selber "präsentiert" .Selten so gelacht.........

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14.03.2016

Schade, dass Sie nicht beantworten, wie und wo der tödlich strahlende Müll aufgehoben werden soll, der durch ihre Politik entsteht.

Raimund Kamm

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14.03.2016

Parteispenden ... Lobby .....
Die "Alten Volksparteien" haben sich mit der "NICHTLÖSUNG" von diesem Problem sehr gut gelebt .... zahlen müssen diese Zeche, ... wohl möglichweise die Steuerzahler ...
RWE ... E.ON ... & Co., gründen schon neue Gesellschaften ....
....... wegen Altlasten ......
Preisfrage ....
Wo stranden Politiker ?
a.) Soziales/netz
b.) Versorger/unternehmen .... dort wird Politiker der Altparteien geholfen ...

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