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USA

04.03.2020

Das sagenhafte Comeback des Joe Biden am Super Tuesday

Joe Biden ist zurück im Rennen: Beim sogenannten Super Tuesday hat er die Nominierung in den meisten Staaten gewonnen.
Bild: Chris Carlson, dpa

Am Super Tuesday erlebt Joe Biden, langjähriger Vize von Präsident Obama, eine politische Wiederauferstehung. Er hat wohl nur noch einen Wettbewerber.

Erst Favorit, dann Außenseiter, dann Shootingstar – und das alles in wenigen Wochen: Wohl selten hat ein Präsidentschaftsbewerber in den USA eine derart atemberaubende Achterbahnfahrt hingelegt wie Joe Biden. Mit zweistelligem Vorsprung führte der ehemalige Vizepräsident bei allen Umfragen lange die Kandidatenriege der Demokraten an. Dann stürzte er bei den Vorwahlen in Iowa und New Hampshire ab, hatte kein Geld mehr und schien politisch erledigt. Doch am Super Tuesday, dem Mammut-Abstimmungstag in 14 Bundesstaaten, ist dem 77-Jährigen eine fulminante Auferstehung gelungen.

Super Tuesday: Binden erhält Unterstützung der afroamerikanischen Bevölkerung

Als Biden in Los Angeles um kurz nach 22 Uhr ans Mikrofon tritt, ist der Fehlstart seiner Kampagne in Iowa und New Hampshire vergessen. Schon der erste Triumph des Abends im Bundesstaat Virginia, wo Biden mit 53 Prozent der Stimmen und 30 Punkten Vorsprung vor dem linken Senator Bernie Sanders siegt, deutet an, woher die plötzliche Stärke des Ex-Obama-Stellvertreters rührt: Er hat die überwältigende Unterstützung des afroamerikanischen Bevölkerungsteils. Die sichert ihm von North Carolina bis Oklahoma die Mehrzahl der Delegiertenmandate aus den südlichen Bundesstaaten. Je später der Abend wird, desto weiter arbeiten sich die großen Kabelkanäle Richtung Westen der USA vor, wo wegen der Zeitverschiebung die Wahllokale viel später schließen.

Wie erwartet sichert sich Bernie Sanders Kalifornien

In Utah und Colorado kann Bernie Sanders punkten. Als Hauptgewinn fährt der knorrige Weltverbesserer, der sich selbst einen „demokratischen Sozialisten“ nennt, wohl das bevölkerungsreiche Kalifornien ein. Doch das war von den Meinungsforschern erwartet worden. Zur spektakulären Überraschung des Abends entwickelt sich hingegen der zweitgrößte Bundesstaat Texas, der zunächst erwartungsgemäß an Sanders zu fallen scheint. Entlang der Grenze zu Mexiko leben viele Latinos, die der linke Senator zu seinen wichtigsten Unterstützern zählt. Doch im Laufe des Abends schrumpft sein Vorsprung immer stärker. Schließlich siegt der Ex-Vizepräsident mit mehreren Punkten Vorsprung.

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Das Phänomen wiederholt sich in anderen Bundesstaaten und könnte auch das frühestens in den nächsten Tagen erwartete Endergebnis in Kalifornien noch verändern: Zunächst werden die Briefwahlstimmen ausgewertet, die teils schon Tage zuvor eingingen. Je später es wird, desto „frischer“ werden die Voten – und die Unterstützung für Biden. Wenige Tage oder Stunden vor der Wahl hat wohl ein mächtiger Meinungsumschwung stattgefunden. Was hat ihn ausgelöst?

Wichtigstes Wahlkriterium: Der demokratische Frontmann muss Trump besiegen

Laut Umfragen waren viele Wähler lange unschlüssig, welchen Kandidaten sie unterstützen sollten. Wichtigstes Kriterium für sie war, dass der demokratische Frontmann den Präsidenten Donald Trump besiegen können müsse. Lange hatte Biden ein Verlierer-Image. Das drehte sich in South Carolina. Und dann kamen die Unterstützungsaufrufe der moderaten Ex-Wettbewerber Beto O’Rourke, Amy Klobuchar und Pete Buttigieg für den Elder Statesman hinzu.

„Donald Trump hat keine Empathie, keine Achtung für Werte, keinen Anstand und keinen Respekt“, wettert Biden in seiner Siegesrede. Er redet mit fester, kämpferischer Stimme: „Wir müssen Trump schlagen. Aber wir dürfen nicht werden wie er. Wir dürfen nicht spalten, wir müssen heilen!“ Auf der anderen Seite des Kontinents, in Vermont, liefert Bernie Sanders bei einer Kundgebung ein Kontrastprogramm. Ohne Bidens Namen zu nennen, geht er seinen Kontrahenten scharf an. Es ist ein Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Wochen kommen wird, entschieden ist das Rennen längst nicht. Klar ist nun nur, dass es auf ein Duell zwischen Sanders und Biden hinausläuft. Die gemäßigt-linke Senatorin Elizabeth Warren landet selbst in ihrem Heimatstaat Massachusetts nur auf dem dritten Platz. Vor allem aber erlebt Multimilliardär Mike Bloomberg ein Debakel. Folgerichtig steigt er aus dem Rennen aus und unterstützt nun Biden.

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Die Diskussion ist geschlossen.

05.03.2020

Nicht wenige Amerikaner scheinen der Meinung zu sein: "Lieber ein Soziopath als ein Sozialist." So zumindest ein Bonmot.
Die Chancen von Bernie Sanders, die nächste Präsidentschaftswahl gegen Donald Trump zu gewinnen, gelten jedenfalls als eher gering.

Joe Biden ist aber auch nicht unbedingt ein "Burner". Schließlich nennen ihn manche auch "Sleepy Joe".
Vielleicht gibt ihm ja der jüngste Erfolg neuen Auftrieb.
Viele in Europa scheinen das zu hoffen. Sie meinen, dass Biden dem angespannten Verhältnis zwischen den USA und Europa gut täte.

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