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Corona-Krise

01.07.2020

Das sind die Gewinner und Verlierer der Corona-Krise

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn sind in der Corona-Krise die beliebtesten Spitzenpolitiker der Bundespolitik. Doch auch Markus Söder (rechts) ist ein Gewinner der Krise.
Bild: Bernd von Jutrczenka, dpa

Plus GroKo im Aufwind, Grüne stagnieren: In der Corona-Krise haben sich die Umfragewerte in der Bundespolitik stark verschoben. Wir zeigen, wie sich die Beliebtheitswerte entwickeln.

Wer in der Corona-Krise nicht regiert, der verliert. Darauf deuten Untersuchungen der Meinungsforschungsinstitute hin. Seit Ausbruch des Coronavirus in Deutschland haben sich die Umfragewerte in der Bundespolitik sehr gewandelt. Im Ausnahmezustand der Pandemie dominieren politische Akteure, die in Regierungsverantwortung stehen. Was bedeutet das für die Große Koalition? Welche Spitzenpolitiker sind derzeit besonders angesehen? Und wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Kanzlerfrage bei CDU und CSU aus? Wir zeigen das in fünf Grafiken.

Umfrage-Aufschwung für die Groko: 72 Prozent waren zufrieden

Während Union und SPD in der Großen Koalition als Krisenmanager in der Pandemie auftrumpfen, tun sich Oppositionsparteien schwerer, wahrgenommen zu werden. In der Krise vertraut das Volk den Parteien in Regierungsverantwortung - das zeigen eindeutig die Zufriedenheitswerte des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap.

Dabei war Deutschlands erster Corona-Ausbruch Ende Januar im Werk des Automobilzulieferers Webasto noch unerheblich für die Zufriedenheit mit der Arbeit der Regierung. Als sich Ende Februar der nordrhein-westfälische Kreis Heinsberg zum Corona-Hotspot entwickelte und Anfang März deutschlandweit immer mehr Karnevalisten und Heimkehrer aus dem Skiurlaub in Österreich an Covid-19 erkrankten, wurde die Lage ernst.

Mitte März wurden in fast allen Bundesländern Schulen und Kindertagesstätten geschlossen, mit dem Shutdown mussten vor allem im Dienstleistungssektor viele Unternehmen in die Zwangspause und am 18. März hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel erstmals eine TV-Ansprache anlässlich der Pandemie.

Die Maßnahmen zur Corona-Prävention waren drastisch, doch der Rückhalt für die Regierung bei einer Infratest-dimap-Umfrage Anfang April war enorm. 72 Prozent der Befragten waren zufrieden oder sehr zufrieden mit dem Krisenmanagement der Großen Koalition.

Auch nach Lockerung der strengsten Corona-Maßnahmen blieben die Umfragewerte der Großen Koalition außergewöhnlich gut. Von den Befragten waren im Mai noch 64 Prozent und im Juni 62 Prozent zufrieden mit der Arbeit der Regierungsparteien.

Krisenmanagement der Großen Koalition: Union profitiert stärker als SPD

Dabei ist allerdings festzustellen, dass Union und SPD in der Wählergunst keineswegs gleichermaßen von ihrem Krisenmanagement in der Corona-Hochphase profitieren. In der Sonntagsfrage von Infratest dimap geben Befragte regelmäßig an, welche Partei sie wählen würden, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre.

CDU und CSU konnten ihre Ergebnisse in der Sonntagsfrage von 27 Prozent im März bis auf 39 Prozent nach dem Shutdown im Mai steigern. Die SPD dagegen bleibt in ihren Umfrageergebnissen stabil bei 16 Prozent. Die Grünen als stärkste Oppositionspartei wurden in ihrem Höhenflug etwas ausgebremst, sie stabilisieren sich knapp unter 20 Prozent. Auch AfD, FDP und Linke verlieren leicht.

Nicht nur Parteien profitieren in der Corona-Krise davon, wenn sie in Regierungsverantwortung sind. Auch Spitzenpolitikern fällt es leichter, die Bevölkerung von ihrer Arbeit zu überzeugen, wenn sie Ämter inne haben. Das zeigt sich im Verlauf des Rankings der beliebtesten Politiker.

Diese Spitzenpolitiker der Bundespolitik sind Umfragen-Gewinner der Krise

Besonders bemerkenswert: Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in ihrer vierten Amtszeit bereits ihren nahenden Abschied aus der Politik angekündigt hat, und im vergangenen Jahr gerade parteiintern immer wieder in der Kritik stand, konnte ihre Zufriedenheitswerte in kürzester Zeit von 53 Prozent auf 68 Prozent steigern.

Auch die Umfragewerte von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) haben sich seit Jahresbeginn um 15 Prozentpunkte auf 59 Prozent verbessert. An dritter Stelle im Beliebtheitsranking der Bundespolitik steht Gesundheitsminister Jens Spahn, mit dessen Arbeit derzeit 56 Prozent der Befragten zufrieden sind.

Kein Amt, keine Macht: Oppositionspolitiker sind Verlierer der Corona-Krise

Parteipolitiker, die kein Regierungsamt innehaben, sind in der Krise wenig gefragt. Ihnen fehlen Macht und Gestaltungsspielraum, um die Bevölkerung von sich zu überzeugen, zudem macht sich der Zuspruch für die Politik der Regierenden bemerkbar. Besonders stark sind die Zustimmungswerte von FDP-Chef Christian Lindner eingebrochen. Er verlor neun Prozentpunkte und stellt mit seiner Arbeit nur noch 27 Prozent der Befragten zufrieden.

Auch AfD-Vorsitzende Alice Weidel konnte mangels Regierungsamt in der Corona-Krise wenig Akzente setzen. Sie verlor vier Prozentpunkte und hat nun noch den Rückhalt von zehn Prozent der Befragten. Bei Grünen-Chef Robert Habeck und Linken-Vorsitzende Katja Kipping geht die Tendenz ebenfalls leicht nach unten.

Kanzlerkandidat der Union: Söder ist mittlerweile sehr beliebt

Und sogar bis in den parteiinternen Machtkampf wirkt die Corona-Krise hinein. Schließlich suchen CDU und CSU nach wie vor ihren Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2021. Offiziell will er damit nichts zu tun haben, doch ginge es nach den Befragten, wäre Markus Söder ein aussichtsreicher Kandidat. Im November vergangenen Jahres waren lediglich 29 Prozent der Meinung, der bayerische Ministerpräsident wäre ein guter Kanzlerkandidat. In der Corona-Krise hat er nun 53 Prozent hinter sich gebracht.

 

Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, konnte mit seinem Krisenmanagement dagegen nur bedingt punkten. Befragte trauen ihm deutlich weniger zu, ein geeigneter Kanzlerkandidat zu sein. Er verlor zwischen Februar und Mai drei Prozentpunkte an Zustimmungswerten und liegt damit deutlich hinter Markus Söder. Noch stärker verlor aber Friedrich Merz, welcher sich ohne Regierungsverantwortung derzeit kaum profilieren kann.

Abzuwarten bleibt, wie sich die Umfragentrends weiterentwickeln, wenn sich die Lage zunehmend entspannt. Ob die Amtsträger ihren Krisenmanager-Bonus auch über die Corona-Hochphase hinaus retten können, ist unklar. Möglich ist aber auch, dass bis zur Bundestagswahl im kommenden Jahr weitere Corona-Ansteckungswellen zu bewältigen sind.

Lesen Sie dazu auch: Von der ersten Meldung bis zum Shutdown: Das Corona-Protokoll

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