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Debatte
06.08.2019

Kein Deutsch, noch keine Einschulung? Scharfe Kritik an Linnemann

Sollte es für Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen eine Vorschulpflicht geben? Carsten Linnemann findet ja.
Foto: Marijan Murat, dpa

Kinder, die kein Deutsch verstehen, sollten noch nicht eingeschult werden, findet Carsten Linnemann. Mit dieser Position hat der CDU-Politiker eine Diskussion losgelöst.

Der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Carsten Linnemann hat sich dafür ausgesprochen, dass Kinder erst ausreichend Deutsch sprechen müssen, bevor sie an der Grundschule aufgenommen werden können. "Um es auf den Punkt zu bringen", sagte er der Rheinischen Post : "Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen." Eine Aussage, für die der CDU-Politiker teils heftig kritisiert wird - nicht nur aus eigenen Reihen.

Der Süddeutschen Zeitung sagte etwa die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien, dass Linnemanns Forderung "populistischer Unfug" und der "völlig falsche Weg" sei. Kinder, die sehr schlecht Deutsch sprechen, müssten vielmehr "im Rahmen der Regelbeschulung" in Klassen unterrichtet werden, die Deutsch als Zweitsprache anbieten. Gerade die Christdemokraten, formulierte die CDU-Politikerin weiter, sollten "auf die soziale und gesellschaftliche Errungenschaft einer allgemeinen Schulpflicht hinweisen".

Scharfe Kritik gab es auch von grüner Seite: Ali Bas, Politiker des Bündnisses in Nordrhein-Westfalen und Vorsitzender der Alhambra-Gesellschaft, bezeichnete Linnemanns Vorstoß als "schulpolitische Steinzeit": Er hoffe doch sehr, twitterte er, "dass die bildungspolitischen Parteifreund*innen von Herrn #Linnemann noch klar Stellung zu diesem populistischen Quark beziehen".

Matthias Hauer dagegen befürwortete den Vorstoß. Der CDU-Bundestagsabgeordnete zeigte sich der Forderung Linnemanns via Twitter zugetan. Wenn ein Kind - mit oder ohne Migrationshintergrund - zur Einschulung die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrscht, solle man alles dafür tun, damit sich das schleunigst ändert, schrieb er dort.

 

Teilweise Zustimmung erhielt Linnemann auch vom Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger. Linnemann habe natürlich Recht damit, dass die eigentliche sprachliche Förderung vor der Grundschule erfolgen müsste. "Ich bin ein absoluter Anhänger von bundesweiten, flächendeckenden Sprachstandstests bei Drei- und Vierjährigen", sagte Meidinger. Allerdings weist auch er daraufhin, dass es zwar Ansätze in einigen Ländern gebe, es aber an ausgebildetem Personal und Grundschullehrern fehle.

Linnemann ergänzte seine Aussagen am Dienstag: "Kinder, die kaum Deutsch sprechen, dürfen in der ersten Klasse nicht benachteiligt sein", sagte er. "Deshalb müssen sie vor der Einschulung sprachlich fit gemacht werden. Also brauchen wir verpflichtende Sprachtests im Alter von vier und dann Vorschulpflicht für alle, die schlecht Deutsch sprechen."

Wie so eine Vorschulpflicht ausgestaltet würde, das sei Ländersache. Das könne ein verpflichtendes letztes Kita-Jahr sein, Förderklassen oder auch eine klassische Vorschule. "Aber wir brauchen eine Debatte über das Thema in Deutschland", sagte Linnemann. Den meisten Kindern würde ein Jahr Vorschule reichen, um fit für die Grundschule zu werden. "Und wenn es mal nicht reicht, dann sollte man besser die Vorschule noch mal verlängern, als das Kind in der ersten Klasse scheitern zu lassen. Das ist eine Ausweitung der Vorschulpflicht und kein Grundschulverbot."

Linnemann schlägt für betroffene Kinder eine Vorschulpflicht vor

Aktuellen Integrationskonzepten zufolge besuchen Kinder, die nach Deutschland kommen und keine Deutschkenntnisse besitzen, zunächst eine Vorbereitungs- oder Willkommensklasse. Dort erlernen sie die notwendigen sprachlichen Kompetenzen, um später am Regelunterricht überhaupt teilnehmen zu können. Linnemann dagegen schlägt für betroffene Kinder eine klassische Vorschulpflicht vor. Notfalls müsse eine Einschulung auch zurückgestellt werden.

Es müssten alle Alarmglocken schrillen, wenn bei Sprachtests wie in Duisburg mehr als 16 Prozent der künftigen Erstklässler gar kein Deutsch könnten, sagte Linnemann. "Bis tief hinein in die Mittelschicht erlebe ich Eltern, die ihre Kinder auf Privatschulen schicken, weil das Niveau an staatlichen Schulen sinkt." Er warnte in dem Zusammenhang vor "neuen Parallelgesellschaften". "Die Vorfälle in Freibädern, die Tat auf dem Frankfurter Bahnsteig, die Schwertattacke in Stuttgart - das alles wühlt die Menschen auf und befeuert die Sorge, dass neue Parallelgesellschaften entstehen könnten. Dem müssen wir jetzt vorbeugen."

Diesbezüglich geht der Deutsche Lehrerverband mit ihm konform. Der Präsident Heinz-Peter Meidinger betonte etwa, dass Linnemann damit natürlich Recht habe, dass die eigentliche sprachliche Förderung vor der Grundschule erfolgen müsste. Kinder sollten nach Meidingers Ansicht schon lange vor der Einschulung verpflichtende Sprachtests durchlaufen. "Ich bin ein absoluter Anhänger von bundesweiten, flächendeckenden Sprachstandstests bei Drei- und Vierjährigen." Es gebe Ansätze dafür in einigen Ländern, aber leider passiere dann zu wenig, weil ausgebildetes Personal fehlten, und Grundschullehrer seien sowieso Mangelware.  (AZ/dpa)

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06.08.2019

Was für eine Frage? Klar müssen sie deutsch können, wie sollen sie sonst dem Unterricht folgen. Mit Zeichensprache?

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