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Corona
17.06.2021

Delta-Variante macht das Impfen zum Wettlauf

Nur die vollständige Impfung mit in der Regel zwei Dosen schützt ausreichend vor der indischen Delta-Variante
Foto: Christopher Neundorf/dpa

Nur rasche Zweifachimpfungen können laut Experten neue Welle im Herbst ausbremsen. Immunologen fordern von der Politik jetzt Vorbereitungen für die Schulen.

Die zuerst in Indien aufgetretene Delta-Variante des Virus sorgt trotz sinkender Infektionszahlen auch in Deutschland für Unsicherheit im weiteren Vorgehen in der Pandemie. In Bayern sind erst 132 Fälle der Delta-Variante bekannt geworden – doch die Tendenz ist steigend. Denn die Mutation sei noch ansteckender als die britische Variante und verursache schwerere Krankheitsverläufe. „Wir beobachten sehr genau, wie sich die Delta-Variante hier ausbreitet“, sagt Gesundheitsminister Klaus Holetschek.

In Großbritannien macht die Variante bereits mehr als 90 Prozent aller Fälle aus. Dort liegt der Inzidenzwert inzwischen wieder bei 77,5. Lockerungen wurden deshalb verschoben. „Wir können also von Erfahrungen anderer Länder mit der Delta-Variante lernen und unsere Strategie vorausschauend gestalten“, sagt Holetschek.

Delta-Variante betrifft Schulkinder besonders

Die Daten aus England zeigen: Vor allem Schulkinder, für die es keinen zugelassenen Impfstoff gibt, stecken sich in Großbritannien häufig an. „Auch Menschen, die vor längerer Zeit infiziert waren, können sich leichter mit der Delta-Variante anstecken“, erklärt Carsten Watzl von der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Das Hauptproblem sei aber, dass die Delta-Variante der Immunantwort einer Erstimpfung entgehe – das heißt, erst die Zweitimpfung biete bei AstraZeneca und mRNA-Impfstoffen einen ausreichenden Schutz. Derzeit sind aber nur knapp 28 Prozent der Bundesbürger zweifach geimpft, zusätzliche 20 Prozent haben nur die Erstimpfung. Die Zahlen aus Großbritannien belegen jedoch klar, dass erst nach der zweiten Impfung ein ausreichender Immunschutz gegen die Delta-Variante besteht.

„Es ist fest davon auszugehen, dass spätestens im Herbst die Delta-Variante die dominierende Variante in Deutschland sein wird“, warnt der Immunologe Watzl. „Deshalb ist es wichtig, dass die Menschen jetzt nicht wegen der niedrigen Inzidenzzahlen mit dem Impfen zögern“, mahnt der Professor. „Wenn die Zahlen im Herbst ansteigen, kann es zu spät für die Impfung sein, da die Erstimpfung noch nicht einen starken Schutz gegen das Virus bietet und es bis zum vollen Schutz rund eineinhalb Monate dauert.“

Immunologen fordern Politik zu Vorbereitung auf neue Welle auf

Nur wenn ausreichend Menschen vollen Schutz hätten, werde die absehbare vierte Welle nicht so schwer, dass man wieder mit Maßnahmen gegensteuern müsse. Dennoch müsse die Politik sich schon jetzt auf eine vierte Welle vorbereiten: „Wenn man die Infektion nicht einfach unter den Schulkindern durchlaufen lassen will, muss man sich spätestens jetzt an Konzepte wie Luftfilter machen, um nicht im Herbst wieder die Schulen zumachen zu müssen“, warnt Watzl. „Es wäre blauäugig, nur auf die Impfungen von Kindern zu setzen“, betont er.

„Wenn sehr viele Kinder nicht geimpft sind und die Delta-Variante im Herbst kommt, droht in den Schulen wieder ein stärkeres Ausbruchsgeschehen.“ Momentan könne sich die Variante dank der niedrigen Infektionszahlen nicht schnell ausbreiten. „Deswegen kann man aktuell davon ausgehen, dass uns die Delta-Variante im Sommer noch keine großen Probleme machen wird, wenn wir bei den Lockerungen nicht unvorsichtig werden“, sagt der Immunologe. Jedoch müsse man bei Urlauben im Ausland und bei Reiserückkehrern Vorsicht walten lassen.

Laufende Nase als Symptome der Delta-Variante

Anders als bei anderen Varianten macht sich die Delta-Variante mit Kopfschmerzen, einer laufenden Nase und einer rauen Kehle bemerkbar. Der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn, der bislang als typisches Corona-Symptom galt, kommt weniger häufig vor. Für einige jüngere Menschen kann sich Covid-19 somit stärker wie eine einfache Erkältung anfühlen, sagen Experten. Betroffene sollten sich testen lassen, da das Risiko, andere anzustecken, hoch ist.

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