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Corona-Impfstoff

26.12.2020

Der Corona-Impfstoff wird verteilt: Das Impfen kann beginnen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) setzt seinen Mundschutz auf nach der Pressekonferenz vor dem Start des Impfprogramms gegen die Coronavirus-Erkrankung (COVID-19).
Bild: Michele Tantuss, dpa

Die Vorbereitungen für die Covid-19-Impfungen in Deutschland laufen auf Hochtouren. Die meisten Menschen werden sich jedoch gedulden müssen.

In Deutschland und anderen Ländern Europas ist der erste Impfstoff gegen Covid-19 ausgeliefert worden. Rund ein Jahr nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie sollen die Impfungen an diesem Sonntag beginnen - nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien, Frankreich und zahlreichen anderen EU-Staaten. Als erste sollen besonders gefährdete Menschen das Präparat der Firmen Biontech und Pfizer erhalten.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von einem bewegenden Moment der Einheit und einer europäischen Erfolgsgeschichte. "Die Impfungen werden dabei helfen, nach und nach zu unserem normalen Leben zurückzukehren", sagte sie in einem am Samstag auf Twitter veröffentlichten Video. Sobald genügend Menschen geimpft worden seien, könne man wieder beginnen zu reisen, Freunde und Familie zu treffen und die Feiertage normal zu verbringen. "Aber bis dahin müssen wir weiter vorsichtig sein."

 

"Heute ist Liefertag", sagte von der Leyen. "Und morgen beginnen die Impfungen gegen Covid-19 in der Europäischen Union." Nach ihren Angaben steht der Impfstoff zeitgleich in allen 27 EU-Staaten zur Verfügung. "Und die Menschen beginnen mit den Impfungen in Athen, in Rom, in Helsinki, in Sofia, wo auch immer." Bald schon würden weitere Impfstoffe zur Verfügung stehen. "Lasst uns 2021 zum unserem Jahr der Europäischen Erholung und Hoffnung machen."

Jens Spahn: Deutschland ist gut auf Impfkampagne vorbereitet

Deutschland ist laut Gesundheitsminister Jens Spahn gut auf die größte Impfkampagne in der Geschichte des Landes vorbereitet. "Die Impfzentren sind startklar, die Impfteams stehen", sagte der CDU-Politiker in Berlin. Gleichzeitig machte er klar, dass das Coronavirus mit dem Start der Impfaktion noch nicht besiegt ist. "Wir werden einen langen Atem brauchen, um diese Pandemie hinter uns zu lassen."

In Deutschland wurde der Impfstoff am Samstag an die Bundesländer verteilt. Der Bund lässt mehrere Zehntausend Dosen der Firma Biontech an insgesamt 27 Standorte liefern. Von dort sollten sie an Impfzentren und mobile Teams verteilt werden, die dann am Sonntag die ersten Impfungen verabreichen sollen. Zuerst sollen Menschen über 80 Jahre sowie Pflegekräfte und besonders gefährdetes Krankenhauspersonal immunisiert werden.

Ins bevölkerungsreichste Land Nordrhein-Westfalen wurden zunächst 9750 Dosen geliefert und in ein geheimes Zentrallager gebracht. Ministerpräsident Armin Laschet ( CDU) sagte: "Das ist ein wichtiger Moment der Zuversicht. Mit der Lieferung des ersten Corona-Impfstoffes entsteht Hoffnung auf ein normales Leben, wie wir es vor dem Virus gekannt haben."

Auch in Bayern sind 9750 Impfdosen angekommen

In Bayern nahmen Innenminister Joachim Herrmann und Gesundheitsministerin Melanie Huml (beide CSU) die Lieferung in Erlangen in Empfang. Es handele sich um die Hälfte der für den Freistaat bestimmten ersten 9750 Impfdosen, sagte Huml. Die übrigen sollten in München ankommen. Auch in anderen Bundesländern liefen die Vorbereitungen zur Verteilung des Impfstoffs auf Hochtouren.

 

In Italien erreichten die ersten Dosen des Biontech/PfizerPräparats unter Militärgeleit ihr Ziel in der Hauptstadt. Der Transporter sei am späten Freitagabend in einer Kaserne der Carabinieri im Norden Roms angekommen, bestätigte das Verteidigungsministerium. Auch in Österreich wurden die ersten Impfdosen ausgeliefert, sie kamen aus Belgien über Deutschland ins Land. Die etwa 10.000 Dosen seien ab dem Grenzübergang in Suben in Oberösterreich unter Polizeibegleitschutz in ein Lager in Wien gebracht worden, erklärten die Behörden. Der Impfstoff hat inzwischen außerdem Griechenland, Malta, die Niederlande, Polen, Tschechien, Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland erreicht.  

Nach einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur wollen sich etwa zwei Drittel der Deutschen impfen lassen. 32 Prozent der Befragten gaben an, sich so schnell wie möglich impfen lassen zu wollen. Weitere 33 Prozent sind zwar ebenfalls dazu entschlossen, wollen aber trotzdem erst einmal mögliche Folgen der Impfung bei anderen abwarten. 19 Prozent haben sich gegen eine Impfung entschieden, 16 Prozent sind noch unentschlossen.

Bis zu 12 Millionen Corona-Impfdosen bis Ende März

Bis Ende März sollen 11 bis 12 Millionen Impfdosen in Deutschland zur Verfügung stehen. Da das Präparat zweimal verabreicht werden muss, würde diese Menge in etwa für 5,5 bis 6 Millionen Menschen reichen. Spahn geht davon aus, bis zum Sommer allen Bürgern in Deutschland ein "Impfangebot" machen zu können - sofern weitere Präparate eine Zulassung erhalten. Neben dem Impfstoff von Biontech und seines US-Partners Pfizer spielt derzeit auch das Mittel des US-Unternehmens Moderna eine Rolle, über dessen Zulassung die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bis zum 6. Januar entscheiden will.

Der Deutsche Städtetag dämpfte die Erwartungen. "Es ist ein Anfang gemacht, aber der Spuk mit dem gefährlichen Coronavirus ist noch nicht vorbei", sagte Städtetagspräsident Burkhard Jung (SPD) den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Infektionslage sei derzeit weiterhin besorgniserregend und die Zeit für Massenimpfungen noch nicht gekommen. "Dafür gibt es zunächst viel zu wenig Impfstoff", sagte Jung, der auch Oberbürgermeister von Leipzig ist.

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner sieht Deutschland "nicht ausreichend vorbereitet auf das Impfen". Die FDP hätte sich eine klare gesetzliche Grundlage dafür gewünscht, weil so wichtige Fragen von Leben und Tod auf breitester Grundlage beschlossen werden sollten, sagte Lindner der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Bei der Frage der Logistik sollten wir baldmöglichst über die Impfzentren hinaus auch den niedergelassenen medizinischen Bereich nutzen, damit wir schnell vorankommen beim Durchimpfen", mahnte der FDP-Chef. (dpa)

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