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04.01.2018

Der „Held von Mogadischu“ ist tot

GSG-9-Chef Ulrich Wegener bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im Jahr 1977.

Ulrich Wegener baute die GSG 9 auf, die 1977 in Somalia die „Landshut“ stürmte

Der erste Kommandeur der Antiterroreinheit GSG9, Ulrich Wegener, ist tot. Der frühere Brigadegeneral des Bundesgrenzschutzes starb bereits am 28. Dezember im Alter von 88 Jahren, wie das Bundesinnenministerium am Mittwoch mitteilte. Mit Wegener verliere die Bundesrepublik „einen hervorragenden Polizisten, der enorm viel für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland geleistet“ habe, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU).

Anlass für den Aufbau der schlagkräftigen Spezialeinheit war der Anschlag palästinensischer Terroristen auf Israels Mannschaft während der Olympischen Spiele in München im Jahr 1972. Damals war Wegener als Offizier des Bundesgrenzschutzes dem damaligen Innenminister Hans-Dietrich Genscher unterstellt, musste also die gescheiterte Geiselbefreiung aus nächster Nähe verfolgen. Die traurige Bilanz: Alle elf israelischen Geiseln wurden ermordet, ein Polizist starb. „Das waren die schlimmsten Stunden meiner Laufbahn. Wir waren so hilflos“, erinnerte sich Wegener 1982 anlässlich der Vorpremiere des Fernsehfilms „München 72 – Das Attentat“ im Bayerischen Hof in München.

Doch aus dem Desaster wurden Konsequenzen gezogen. Der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) gab noch im selben Jahr Ulrich Wegener den Auftrag für den Aufbau der GSG 9. Er sollte es nicht bereuen.

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Wegener wurde 1929 als Sohn eines Reichswehroffiziers im brandenburgischen Jüterbog geboren. Anfang der 50er Jahre geriet er wegen der Verteilung antikommunistischer Flugblätter in DDR-Haft. Im Jahr 1952 gelang ihm die Flucht. Nach einer Zwischenstation in West-Berlin schlug er eine Laufbahn bei der Bundesbahn und später bei der Polizei ein. Sie brachte ihn viele Jahre später schließlich an die Spitze der GSG 9.

Die große Stunde der Eliteeinheit der Bundespolizei schlug im Oktober 1977, als die von palästinensischen Terroristen gekaperte Lufthansa-Maschine „Landshut“ im somalischen Mogadischu gestürmt und mehr als 90 Geiseln unversehrt befreit wurden. Drei der vier palästinensischen Terroristen wurden erschossen. Damit erwarb sich Wegener den Beinamen „Held von Mogadischu“. Die Entführer wollten mit der Aktion auf dem Höhepunkt des „Deutschen Herbstes“ elf inhaftierte Terroristen der RAF freipressen. „Ich war froh, dass wir mal zeigen konnten, was wir können“, sagte Wegener später. „Wir hatten davor jahrelang auf deutschen Flughäfen einen solchen Einsatz immer wieder geübt.“

1988 wechselte der Vater zweier Töchter in den Dienst der saudischen Regierung, um die dortige 2000 Mann starke „Special Security Forces“ auszubilden. Wegener wurde so zu einem international gefragten Experten in der Terrorismusbekämpfung. (dpa, ska)

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