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12.01.2019

Der Minister, der nicht abgehoben ist

Nach der ersten Panne: Entwicklungsminister Gerd Müller beim Flug von Malawi nach Sambia.
Bild: Ute Grabowski, imago

Entwicklungsminister Gerd Müller will drei afrikanische Staaten besuchen. Doch Pannen am Regierungsflieger wirbeln das Programm durcheinander. Und auch die Heimreise wird zur Odyssee. Der Minister ist stinksauer

Entwicklungsminister Gerd Müller ist ein bodenständiger Typ. Man könnte auch sagen, er ist einer jener Politiker, die nicht abgehoben, sondern am Boden geblieben sind. Und das ist in diesen Tagen sogar wörtlich zu verstehen. Müllers Reise, die ihn in drei afrikanische Länder führen sollte, ist überschattet von Pleiten, Pech und Pannen am Regierungsflieger, einer Maschine des kanadischen Herstellers Bombardier vom Typ Global 5000. Am Ende musste Müller sogar seine Heimreise selbst mit afrikanischen Linienmaschinen organisieren.

Der CSU-Politiker ist stinksauer über die technischen Probleme. Man könnte sogar sagen, er ärgert sich schwarz, wenn das im Zusammenhang mit einer Afrika-Reise nicht jemand in den falschen Hals bekommen könnte. Eigentlich wollte er das Wochenende längst im tief verschneiten heimischen Kempten bei der Familie verbringen. Stattdessen musste er eine halbe Odyssee unternehmen, um nach Deutschland zurückzukommen.

Müller ist deshalb ziemlich grantig. Schon nach dem ersten Vorfall sagte er, die wiederholten Pannen mit Regierungsfliegern hätten eine „enorm negative Symbolwirkung für das Hightech-Land Deutschland“ – obwohl das Flugzeug aus kanadischer Produktion stammt. „Wenn Kabinettsmitglieder nicht flugfähig sind und innerhalb von drei Tagen ein Ventil nicht zu reparieren ist, dann kann das in Sambia niemand glauben“, sagte der Entwicklungsminister. Er könne mit der Verzögerung leben, es sei jedoch schwierig, gleichzeitig für die als Marke „Made in Germany“ bekannten Qualitätsstandards zu werben. Nach dem nächsten Defekt am Freitag ließ Müller per Twitter ausrichten: „Wir helfen uns jetzt selbst und fliegen mit afrikanischen Linien zurück.“ Ein Foto zeigt ihn vor einem Flugzeug der südafrikanischen „Airlink“.

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Immer wieder kommt es zu Pannen an deutschen Regierungsflugzeugen. Der letzte gravierende Vorfall trug sich erst im November zu: Der Airbus A340 „Konrad Adenauer“ mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Olaf Scholz an Bord musste auf dem Weg zum G20-Gipfel nach Buenos Aires umkehren, weil ein defektes Teil zwei Funksysteme lahmgelegt hatte.

Reibungslos klappte eigentlich nur Müllers Hinflug am vergangenen Sonntag nach Malawi, der ersten Station der Reise. Dort traf der Minister Staatspräsident Arthur Peter Mutharika und sagte Malawi deutsche Hilfe zu. Als Müller aber nach Sambia weiterreisen wollte, blieb die Maschine der Bundeswehr-Flugbereitschaft wegen eines defekten Ventils am Boden. Mit einer kleinen Propellermaschine schaffte es der Minister noch zu politischen Gesprächen in der sambischen Hauptstadt Lusaka, andere Teile des Programms mussten aber umgeworfen oder gestrichen werden. Der Besuch in Namibia wurde abgesagt, er soll zu einem späteren Termin nachgeholt werden.

Auch die Reparatur in Malawi verlief nicht ohne Pech und Pannen: Eine aus Deutschland eingeflogene Mechanikercrew traf zwar am Mittwoch in Lilongwe ein, doch das nötige Ersatzteil hing in Johannesburg fest und kam erst am Donnerstag an.

Vier Tage nach dem Ausfall in Malawi schaffte es die Regierungsmaschine am Freitagmorgen dann nach Sambia. Doch das Aufatmen war nur kurz: Als die Global 5000 von Ndola aus die Heimreise gen Deutschland antreten wollte, kam grauer Rauch aus einem der Triebwerke. Dann die Ansage: ein neuer Defekt. Er hatte nichts mit der ersten Panne zu tun. Ein Weiterflug war aber nicht möglich. (mit epd)

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