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Alvin Toffler

28.10.2010

Der zweite Zukunftsschock: Die Welt in vierzig Jahren

Der Futurologe Alvin Toffler schrieb vor 40 Jahren das Buch "Der Zukunftsschock".
Bild: dpa

Alvin Toffler prophezeite vor 40 Jahren die Welt von heute. Jetzt legt Toffler nach: Die Welt in 50 Jahren ist beherrscht von Frauen, religiösen Konflikten und Megastädten.

Vor 40 Jahren überraschte der Futurologe Alvin Toffler mit seinem Werk "Der Zukunftsschock" die Welt. Erstaunlich genau zeichnete er Entwicklungen voraus, die im Jahr 1970 so noch nicht absehbar waren. Jedenfalls für den absoluten Großteil der Menschen. Er prognostizierte den Niedergang der Familie als feste Institution und die Veränderung des Erbguts.

Zudem schrieb er davon, dass gleichgeschlechtliche Paare heiraten und Familien gründen dürfen. Die digitale Revolution mit einem Überhandnehmen an verfügbaren Informationen sah er ebenso voraus wie das blitzschnelle Austauschen von Nachrichten.

40 Jahre später hat das Beratungsunternehmen von Alvin Toffler (Toffler Associates) nach dem Zukunftsschock eine weitere Prognose vorgelegt, und zwar für die nächsten 40 Jahre. Auch wenn sich das als PDF im Internet zur Verfügung stehende Dokument spannend liest, den Großen Blick in die Zukunft wirft es nicht. Vielmehr zeichnet es bestehende Entwicklungen konsequent weiter, was dem Papier aber gut tut. Viele Zukunftsprognosen scheitern an der Realität. Noch immer fliegen Menschen nicht in atombetriebenen Flugautos und in Kuppelstädten auf dem Mars werden wohl selbst unsere Enkel nicht mehr wohnen.

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Toffler Associates geht davon aus, dass die Welt von Morgen sich nicht weiter eint. Vielmehr wird eine multipolare Welt entstehen. Als Aufsteiger identifizieren die Futurologen Brasilien, Indien und China. Den USA und Europa droht ein schleichender Niedergang. Der Niedergang westlicher Staaten könnte durch massenhafte Einwanderung aus islamischen Ländern weiter forciert werden. Frauen werden an die Macht drängen und vielleicht schon bald mehr Führungspositionen übernehmen als die Männer.

Neue Unübersichtlichkeit

Zur neuen Unübersichtlichkeit, die radikal gegen die These des Endes der Geschichte von Francis Fukuyama nach dem Kalten Krieg steht, tragen eine Vielzahl neuer nichtstaatlicher Akteure bei. NGOs (Non Governmental Organisations), so die Prognose von Toffler Associates, entwickeln sich zu den am schnellsten wachsenden Spielern. Neben den NGOs werden Mäzene, Superreiche und Philantrophe zunehmend die Geschicke der Erde bestimmen, wie dies bereits derzeit mit der Bill und Melinda Gates Foundation Realität ist.

Krisenherd Mittlerer Osten

Sorge bereitet der Mittlere Osten, von dem in Zukunft verstärkt globale Konflikte ausgehen werden. Als Ursache identifiziert Toffler Associates eine explosionsartige Vermehrung von Sekten, Religionen und Ethnien - und deren Zusammenprall, dem Clash of Civilizations in klein quasi.

Gleichzeitig kommt es weltweit zu einem Schwinden sogenannter Schurkenstaaten. Trotzdem haben diese Länder, als Beispiel dient der Iran und Nordkorea, weitere heftige Auswirkungen auf regionale und globale politische Angelegenheiten. Darauf entsprechend zu reagieren und sich nicht von den Schurkenstaaten die Agenda diktieren zu lassen, sei die wichtigste Aufgabe der Politik im Zeichen dieses Spannungsfeldes.

Für die Weltwirtschaft werden Netzwerke von immer größerer Bedeutungen, kleine, innovative und schnelle Unternehmen seien den Großen gegenüber im Vorteil. So könnte im 21. Jahrhundert das Ende der Massenproduktion eintreten. An deren Stelle tritt dann die Herstellung nach Bedarf (on-demand).

Der Arbeitnehmer muss noch flexibler und mobiler werden, um in der Wirtschaftswelt der kommenden 40 Jahre sicher in Arbeit und Lohn stehen zu können, da Unternehmen immer dorthin gehen werden, wo sie gut, günstig und schnell produzieren können.

Bio-Technik wird den Menschen verändern

Der einzelne Mensch könnte sich laut Toffler Associates massiv und für immer verändern. Durch den Einsatz von Bio-Technik und Implantaten könnte der Mensch optimiert werden. Gleichzeitig prophezeien die Futurologen den Siegeszug der Nanotechnik.

Der optimierte Mensch wohnt im 21. Jahrhundert in Megastädten. Bevölkerungswachstum und Verstädterung schreiten weiter voran, Migration in Wohlstandsregionen nimmt zu. Darunter, so die Prognose, würden Infrastruktur und Lebensgrundlagen leiden. Schon heute herrscht in großen Teilen der Welt ein eklatanter Wassermangel.

Gerade westlichen Staaten droht die bereits heute spürbare Überalterung. Diese könnte sich für Regierungen wie Bevölkerung zu einem entscheidenden Stresstest entwickeln. Zivilisierte Länder hätten dann einen Konflikt zwischen der überalterten einheimischen Bevölkerung und zugezogenen jungen Menschen.

Religiösität nimmt weiter zu. Während der Süden der Erdkugel zunehmend christlich wird, verschwindet das Christentum zunehmend von der Nordhalbkugel durch den Zuzug von Migranten aus muslimischen Ländern. Religiöse Konflikte könnten die größten des 21. Jahrhunderts werden, warnt die Toffler Associates.

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