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Corona-Pandemie

28.01.2021

Deutschland verhängt Einreisebeschränkungen im Alleingang

Bilder, die zur Gewohnheit werden könnten. Deutschland verschärft die Einreisebestimmungen.
Foto: Boris Roessler, dpa

Deutschland erlässt Beschränkungen, nachdem die EU sich nicht auf gemeinsame Linie für den den Umgang mit Reiserückkehrern aus Corona-Hotspots einigen konnte.

Deutschland wird am Freitag den Reiseverkehr weiter spürbar einschränken – ohne Abstimmung mit den europäischen Partnern. Bei der virtuellen Konferenz der Innenminister der EU-Mitgliedsstaaten am Donnerstag gab es keine gemeinsame Linie der 27 Mitgliedstaaten. „Wir bereiten das jetzt erst mal national vor“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Es sei keine europäische Lösung absehbar, die den deutschen Vorstellungen entspreche.

Bereits beim Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs konnte man sich am Donnerstag der Vorwoche nicht auf eine gemeinsame Vorgehensweise verständigen. Inzwischen hat Belgien ein Verbot bis zum 1. März für alle nicht notwendigen Reisen erlassen. Urlaubsfahrten und Ausflüge wurden strikt untersagt. Für die Bundesrepublik gelten schon seit Montag deutlich verschärfte Einreiseregeln für mehr als 20 Staaten – darunter auch die typischen Ferienländer Spanien, Portugal und Ägypten.

Corona-Einreisebeschränkungen betreffen Portugal, Großbritannien, Südafrika und Brasilien

Vor allem für Regionen, in denen die Coronavirus-Mutanten gehäuft auftreten, will Seehofer die Beschränkungen aber enger fassen. Konkret nannte er neben Portugal auch Großbritannien, Südafrika und Brasilien. Bis zum endgültigen Beschluss, den der Innenminister am Freitag im Kabinett herbeiführen will, sollen noch Ausnahmen festgelegt werden. Dazu könnten nach Meinung des CSU-Politikers deutsche Staatsbürger und Personen gehören, die im Güterverkehr arbeiten. Von den Maßnahmen sollen der Flug-, Bahn-, Schiffs- und Autoverkehr betroffen sein. Ob Reisen in einzelnen Staaten vollständig eingestellt werden, hänge von den beschlossenen Sonderregelungen ab.

 

Als Hochrisikogebiete gelten Länder, in denen der Inzidenzwert bei mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb einer Woche liegen. Bei seinen europäischen Amtskollegen und der EU-Kommission stieß Seehofer auf Unverständnis. Die zuständige EU-Kommissarin, Ylva Johansson, sagte in Brüssel, auch die EU-Spitze rate von allen nicht notwendigen Reisen ab. Die Mitgliedstaaten sollen aber keine zu drastischen Maßnahmen ergreifen, die die Wirtschaft noch mehr treffen oder die Gesundheitssysteme schwächen könnten. „Wir brauchen einen ausgewogenen Ansatz“, betonte Johansson.

Einreise aus Corona-Risikogebieten: EU-Vorschläge reichten Seehofer nicht aus

Die EU-Kommission hat ihrerseits am Montag vorgeschlagen, die Einreisekontrollen für Rückkehrer aus Hochrisikogebieten zu verschärfen und eine zweiwöchige Selbstisolation einzuführen. Auch zusätzliche Corona-Tests bei der Ankunft seien denkbar. Für Seehofer zu wenig.

Innenminister Horst Seehofer zieht die Konsequenzen aus der Uneinigkeit der EU-Mitglieder bei Reisebeschränkungen: "Wir bereiten das jetzt erst einmal national vor", sagte der CSU-Politiker am Donnerstag.
Foto: Bernd von Jutrczenka, dpa

Die fehlende europäische Abstimmung hat schon jetzt zu einem erneuten Flickenteppich geführt. Portugal stellte am Mittwoch sämtliche Flugverbindungen mit Brasilien ein, nachdem dort eine neue Corona-Mutante entdeckt worden war. Finnland hat für seine Bevölkerung alle nicht notwendigen Flugreisen gestoppt. Ähnlich verhalten sich auch weitere Regierungen außerhalb der EU. Norwegen hat beschlossen, in der Nacht zum heutigen Freitag seine Grenzen für nahezu alle ausländischen Reisenden dichtzumachen. Israel wollte in diesen Tagen seine Landgrenzen zu Jordanien und Ägypten schließen. Bereits seit Dienstag dieser Woche ist der Flugverkehr weitgehend zum Erliegen gekommen. Auch Großbritannien kündigte Verschärfungen an. Dort müssen alle Reiserückkehrer für zehn Tage in spezielle Quarantäne-Hotels.

 

Auch beim Thema Asylrecht geht es nicht voran

Auf der Stelle traten die Innenminister auch beim ewigen Streit um ein gemeinsames Asylrecht. Der Bundesinnenminister brachte erneut seinen Vorschlag zur Sprache, das vorgeschlagene Paket, das aus mehreren Maßnahmen besteht, aufzuschnüren und jene Teile vorab in Kraft zu setzen, die als unumstritten gelten – beispielsweise die intensivere Zusammenarbeit mit Drittländern in Afrika. „Denn da sind sich alle Mitgliedstaaten einig, dass wir dort helfen müssen, wo die Flüchtlinge und die potenziellen Flüchtlinge leben.“ Bisher gab es aber für einen solch schrittweisen Start der neuen Regelungen keine Mehrheit.

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