Newsticker

Mecklenburg-Vorpommern erwägt Abschaffung der Maskenpflicht
  1. Startseite
  2. Politik
  3. Deutschland verschärft Dünge-Regeln für den Schutz des Grundwassers

Düngeverordnung

27.03.2020

Deutschland verschärft Dünge-Regeln für den Schutz des Grundwassers

Die EU hatte zuletzt großen Druck auf Deutschland gemacht, die Verschärfungen der Düngeverordnung zu beschließen.
Bild: Philipp Schulze, dpa (Symbolbild)

Um den Schutz des deutschen Grundwassers gibt es seit Jahren Streit zwischen Berlin und Brüssel. Am Freitag hat der Bundesrat über die neue Verordnung abgestimmt.

Die Dünge-Regeln für deutsche Bauern werden zum Schutz des Grundwassers vor zu viel Nitrat weiter verschärft. Der Bundesrat stimmte am Freitag in Berlin den Plänen der Bundesregierung zu, allerdings mit einer längeren Übergangsfrist.

Andernfalls hätten der Bundesrepublik ein weiteres EU-Verfahren und hohe Strafzahlungen gedroht, weil die Nitrat-Grenzwerte im Grundwasser an vielen Messstellen überschritten werden. Für die Umsetzung wichtiger Teile der Verordnung, etwa die neue Ausweisung von Gebieten mit besonders hoher Nitrat-Belastung, haben die Länder nun Zeit bis zum Jahreswechsel. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise, die Bauern und Landesbehörden belastet, hatte die EU einer Fristverlängerung zugestimmt.

Bauern kritisieren Verfahren zu Düngeverordnung im Bundesrat

Vor der Abstimmung über schärfere Düngeregeln für den Grundwasser-Schutz an diesem Freitag hat der Bauernverband sich verärgert über das Verfahren im Bundesrat gezeigt. "Ich habe absolut kein Verständnis dafür, dass diese unausgegorene und fachlich fragwürdige Verschärfung der Düngeverordnung im Eiltempo durchgepeitscht wird", sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied der Deutschen Presse-Agentur. So weitreichende Regelungen dürften nicht ohne eine ausführliche Debatte im Bundesrat erfolgen. Eigentlich war die Abstimmung in der Länderkammer erst für kommende Woche geplant. 

Deutschland verschärft Dünge-Regeln für den Schutz des Grundwassers

Brüssel und Berlin streiten seit Jahren über den Grundwasserschutz. Dabei geht es vor allem um Gülle und anderen Dünger auf den Feldern. Dadurch gelangt Nitrat in den Boden, das wichtig fürs Pflanzenwachstum ist und Menschen erstmal nicht schadet. Zu viel davon kann die Natur aber aus dem Gleichgewicht bringen. Zudem können aus Nitrat gesundheitsgefährdende Nitrite entstehen. 

Die EU-Kommission hatte Deutschland wegen zu hoher Nitratwerte im Grundwasser verklagt und 2018 Recht bekommen. Bund und Länder müssen neue Düngebeschränkungen umsetzen. Die EU hatte zuletzt großen Druck auf Deutschland gemacht, die Verschärfungen schnell und ohne weitere Änderungen zu beschließen, am Donnerstag aber wegen der Corona-Krise erlaubt, wichtige Teile der Verordnung erst bis zum Jahreswechsel umzusetzen. Das hatten zuvor mehrere Bundesländer gefordert. 

Düngeverordnung: In einigen Bundesländern gibt es erheblichen Widerstand

Aus Sicht der Wasserwirtschaft geht die Verordnung noch nicht weit genug. Der Entwurf enthalte weiterhin zu viele Ausnahmen und Schlupflöcher, sagte der Hauptgeschäftsführer Wasser beim Verband BDEW, Martin Weyand, der dpa. Auch reiche die vorgesehene pauschale Reduktion der Düngemengen um 20 Prozent nicht aus, um in besonders belasteten Gebieten - sogenannten Roten Gebieten - die Düngemenge nachhaltig zu reduzieren. Der Entwurf sei schon veraltet, sagte Weyand. "Er wird den europäischen Vorgaben nicht gerecht."

In einigen Ländern gibt es erheblichen Widerstand gegen die Verordnung, über die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) lange gestritten hatten. Beide Ministerien betonten zuletzt, dass Deutschland einem weiteren EU-Verfahren und drohenden hohen Strafzahlungen von bis zu rund 850.000 Euro am Tag nur entgehe, wenn die Verordnung im Bundesrat nun unverändert angenommen werde. Der federführende Agrar- und Verbraucherschutzausschuss im Bundesrat sowie der Umweltausschuss haben vorgeschlagen, den Plänen der Bundesregierung zuzustimmen - aber gleichzeitig erhebliche Kritik daran zu üben. (dpa)

Lesen Sie auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

29.03.2020

1. Ich verstehe unter „vergiften“: Vorsätzlich oder fahrlässig Schadstoffe in Lebensmittel, die Luft oder das Wasser geben, so dass Lebewesen zu Schaden kommen oder gar getötet werden.

2. Aus Nitrat können im menschlichen Körper Stoff entstehen, die dann Krebs verursachen. Siehe: 29.3.18 https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Nitrat-im-Trinkwasser-erhoeht-Darmkrebs-Gefahr-231999.html
"Dänische Studie offenbart: Nitrat im Trinkwasser erhöht Darmkrebs-Gefahr"
Die Studie zeigte, dass die Zahl von Darmkrebserkrankungen mit dem Nitratgehalt im Wasser steigt. Hier gilt also nicht die Regel von Paracelsus „allein die Dosis macht, dass ein Ding' kein Gift ist.“

Raimund Kamm

Permalink
28.03.2020

Was das Umweltbundesamt zu der Vergiftung unseres Grundwassers durch Überdüngung schreibt
https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/grundwasser/nutzung-belastungen/faqs-zu-nitrat-im-grund-trinkwasser#was-ist-der-unterschied-zwischen-trinkwasser-rohwasser-und-grundwasser

"Die in der EU-Grundwasserrichtlinie 2006/118/EG (GWRL) für Grundwasser europaweit einheitlich festgelegte Qualitätsnorm von 50 mg Nitrat je Liter wurde in der deutschen Grund-wasserverordnung (GrwV) als Schwellenwert in derselben Höhe (50 mg Nitrat je Liter) verankert. Wenn der Wert im Grundwasser überschritten wird, sind Maßnahmen zur Reduzierung der Einträge einzuleiten. Außerdem legen sowohl die GRWL als auch die GrwV fest, dass bei festgestellten steigenden Schadstofftrends bereits bei Erreichen von drei Vierteln des Schwellenwertes (also bei 37,5 mg Nitrat pro Liter) Gegenmaßnahmen (also eine Trendum-kehr) einzuleiten sind.
...
In Deutschland weisen ca. 18 Prozent der Messstellen des repräsentativen EUA-Grundwassermessnetzes (Messnetz für die Berichterstattung an die Europäische Umweltagentur) Nitratgehalte über dem Schwellenwert von 50 mg je Liter auf.
An Messstellen, in deren Einzugsgebiet viele landwirtschaftliche Nutzungen vorkommen (Ackerflächen, Grünland und Sonderkulturen wie z.B. Gemüseanbau), überschreiten ca. 28 Prozent der Messstellen den Schwellenwert.
...
Das Umweltbundesamt hat eine Studie zur „Quantifizierung der landwirtschaftlich verursachten Kosten zur Sicherung der Trinkwasserbereitstellung“ veröffentlicht. Dort werden Preissteigerungen für die Trinkwasserkundinnen und –kunden von 32 zu 45 % in belasteten Gebieten berechnet. Sollen etwa die Trinkwasserkundinnen und -kunden für die Nitrateinträge aus der Landwirtschaft zahlen?"

Nitrat im Trinkwasser behindert bei Säuglingen die Sauerstoffaufnahme. Solche Säuglinge laufen dann blau an "„blue infant syndrome“.

Nitrat im Wasser soll für Erwachsene nicht unmittelbar gefährlich sein.
"Allerdings kann Nitrat im Körper zu Nitrit und N-Nitroso-Verbindungen umgewandelt werden. Und gerade Letztere gelten als stark karzinogen."
Deutsche Ärzteblatt 29.3.18 https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Nitrat-im-Trinkwasser-erhoeht-Darmkrebs-Gefahr-231999.html

Gut, dass die EU darauf pocht, dass zum Schutz unserer Gesundheit endlich unser Grundwasser, aus dem wir einen großen Teil unseres Trinkwassers gewinnen, chemisch wieder sauberer wird, indem die Überdüngung unterbunden wird!

Bereits seit über 30 Jahren wird gegen die EU-weiten Grenzwerte in vielen Landstrichen Deutschlands verstoßen. Insbesondere in denen mit übergroßen Tierbeständen; aber laut UBA auch in Regionen mit Sonderkulturen (Gemüse wie Spargel, Brokoli, Salat, etc.) und besonders intensivem Weizenanbau. Unsere Regierungen setzen sich nicht gegen die giftigen Interessen gewisser Teile der Bauernschaft (nicht alle!), der chemischen Industrie und des Agrarhandels durch.

Raimund Kamm

Permalink
28.03.2020

Herr P. behaupten Sie bezgl. Herrn Kamm doch bitte nicht Unwahrheiten, nur weil Sie nicht einräumen können, dass Sie sich vergallopiert haben. Das war der Satz von Herrn Kamm und nicht ihre verknappte Version!

>>Und die übermäßige Gülle bleibt bei uns und vergiftet erst unser Grundwasser und dann, wenn wir nicht teure Trinkwasseraufbereitungsanlagen installieren, unser Trinkwasser.

Permalink
29.03.2020

Jetzt beginnt die muntere Begriffsdiskussion um Trinkwasser, Grundwasser und vergiftet ;-)

Es ist ganz offensichtlich, dass Herr Kamm eine "Vergiftung" behauptet die es so nicht gibt. Es gibt lokal begrenzte Verunreinigungen von Grundwasser, die aber technisch i.R. der Trinkwasseraufbereitung beseitigt werden können. Die Kostengerechtigkeit ist hier sicher nicht gegeben.

Nitrat ist erst mal kein Gift, sondern ist in zu großer Menge im Wasser gesundheitsschädlich.

https://www.quarks.de/umwelt/landwirtschaft/das-passiert-wenn-zu-viel-nitrat-in-die-umwelt-kommt/

>> Erwachsene müssen diesen Effekt des Nitrits aufs Blut weniger fürchten. Sie entwickeln üblicherweise im Laufe des Lebens ein Enzym, das die Umwandlung des Blutfarbstoffs durch Nitrit wieder rückgängig machen kann. <<

Das Problem besteht eigentlich nur bei Babys und Kleinkindern.

Herr Kamm bedient sich hier mit "vergiftet" der üblichen grünen Empörungsrhetorik, der ich einfach mit Sachargumenten entgegen trete.

Permalink
28.03.2020

>> Die Dünge-Regeln für deutsche Bauern werden zum Schutz des Grundwassers vor zu viel Nitrat weiter verschärft. <<

Bei der teils gezeigten Aufregung kann man den Eindruck gewinnen, das Gegenteil wäre der Fall.

Permalink
27.03.2020

Es kann in der Tat nicht richtig sein, dass einige wenige mit intensiver Landwirtschaft viel Geld verdienen und die Allgemeinheit dann über den Wasserpreis die nötigen Filteranlagen zur Reinhaltung des Grundwassers bezahlen sollen! Da geb´ich ausnahmsweise H. Kamm recht :-)
.
(edit/mod)

Permalink
27.03.2020

>>Mit einer etwas differenzierten Stellungnahme würden Sie sich nicht so lächerlich machen...<<

Sie werden gerne persönlich, bleiben aver vorsichtshalber anonym.

Stellen Sie Ihre Fähigkeit zu vernünftigen Schlussfolgerungen unter Beweis und erklären Sie, mit welchem Zitat aus der guten Veröffentlichung unserer SWA welche Aussage von mir widerlegt wird.

R.K.

Permalink
28.03.2020

Das Trinkwasser in Deutschland ist nirgendwo durch Nitrat "vergiftet" (Ihr Zitat Herr Kamm).

Richtig ist, dass es in einigen Regionen einer technischen Aufarbeitung bedarf.

Permalink
27.03.2020

>>"Ich habe absolut kein Verständnis dafür, dass diese unausgegorene und fachlich fragwürdige Verschärfung der Düngeverordnung im Eiltempo durchgepeitscht wird", sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied der Deutschen Presse-Agentur.<<

Und ich habe absolut kein Verständnis dafür, dass seit Anfang der 1990er Jahren klar ist, dass infolge Überdüngung unserer Felder unser Grundwasser mit gefährlichem Nitrat vergiftet wird und im Zusammenspiel zwischen dem mächtigen Bauernverband und unvernünftigen Landwirtschaftspolitikern dies nicht geändert wird. Wir importieren Futtermittel beispielsweise aus Südamerika und damit Stickstoff, füttern damit bei uns zu hohe Tierbestände, um dann Milchprodukte oder Schweinefleisch beispielsweise nach China zu exportieren. Und die übermäßige Gülle bleibt bei uns und vergiftet erst unser Grundwasser und dann, wenn wir nicht teure Trinkwasseraufbereitungsanlagen installieren, unser Trinkwasser.

Gut, dass wenigstens die EU auf die Einhaltung des Grundwasserschutzes pocht und immer massiver mit Strafzahlungen droht!

Überfällig, dass wir endlich unsere Landwirtschaft weg von einer Überintensivierung und Exportorientierung bringen.

Raimund Kamm

Permalink
27.03.2020

>> dass infolge Überdüngung unserer Felder unser Grundwasser mit gefährlichem Nitrat vergiftet wird <<

Trinkwasser vergiftet?

Mit einer etwas differenzierten Stellungnahme würden Sie sich nicht so lächerlich machen...

https://www.sw-augsburg.de/magazin/detail/nitrat-im-trinkwasser-nicht-mit-uns/

>> Nicht so in Augsburg: Der Nitratwert im Trinkwasser ist hier so gering, das es sogar für Babys bestens geeignet ist. <<

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren