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Druck auf Berlusconi

22.06.2009

Die Dame wartete im großen Bett

Silvio Berlusconi.

Kein Tag ohne Enthüllungen über Berlusconi. Dabei geht es längst nicht mehr um die Schülerin Noemi. Viel pikantere Details geraten über Italiens Regierungschef in die Schlagzeilen.

Rom - Kann er sich halten, und wenn ja, wie lange noch? Wird er auch das alles aussitzen? Seit Wochen schon vergeht kaum ein Tag, an dem der Druck auf Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi nicht noch zunimmt.

Mal sind es freizügige Fotos vom Pool seiner Luxusvilla Certosa auf Sardinien, dann wieder Aussagen von Showgirls, die angeblich dafür bezahlt wurden, bei den Partys des 72-Jährigen hübsch mitzumachen und dann auch die Nacht in Berlusconis römischer Villa Grazioli zu verbringen.

Süditalienische Staatsanwälte ermitteln wegen "Begünstigung der Prostitution" gegen einen Unternehmer, der die Mädchen auf den Weg gen Rom oder Sardinien gebracht haben soll.

Die Dame wartete im großen Bett

Es nutzt nichts, wenn der "Cavaliere" hinter all dem ein Komplott der linken Opposition sieht, die ihm sonst politisch so wenig anhaben kann. Sein internationales Image und damit auch das Bild von "Bella Italia" in der Welt driftet auf einen neuen Tiefpunkt zu. Und im Land selbst befürchten viele, allen voran Gianfranco Fini, Präsident des Abgeordnetenhauses, einen weiteren schweren Vertrauensverlust für "La Casta", wie die Politiker-Klasse abwertend genannt wird.

Berlusconi jedoch denkt nicht an Rücktritt oder an vorgezogene Neuwahlen, das meint zumindest Verteidigungsminister Ignazio La Russa. Nicht ohne dann noch rasch anzufügen, Neuwahlen jagten ihm auch keine Angst ein.

Kein Tag ohne Enthüllungen, das galt auch für vergangenes Wochenende. Längst geht es nicht mehr um Noemi, die gerade volljährige Schülerin aus Neapel, deren Nähe zu Berlusconi wochenlang Schlagzeilen machte. Die Damen heißen jetzt Patrizia D'Addario und Barbara Montereale, und sie stammen nicht aus Neapel, sondern aus der Adria-Stadt Bari.

Die hübsche Barbara will von Berlusconi einen Umschlag mit 10.000 Euro geschenkt bekommen haben, ohne dass von Sex die Rede gewesen sei. Die linksliberale Zeitung "La Repubblica", Speerspitze beim Aufdecken all der Schwächen des Milliardärs und Medienmoguls, schreibt über versteckt gemachte Tonbandaufzeichnungen: Darin soll der Premier eine Dame, angeblich die 42-jährige Patrizia, einladen, "im großen Bett" auf ihn zu warten. Er werde jetzt duschen gehen und einen Bademantel anziehen. Es ist die Nacht der US-Präsidentenwahl.

Ruf nach Rücktritt

Offenherzig hatte Patrizia D'Addario zuvor erzählt, der mit dem Regierungschef befreundete Unternehmer aus Bari habe ihr 2000 Euro versprochen, wenn sie an einer Party in Berlusconis Residenz in Rom teilnehme. Und da sie beim ersten Mal nicht dort genächtigt habe, sei ihr nur die Hälfte ausgezahlt worden. Was davon wirklich stimmt, ist schwer zu sagen, da nichts offiziell bekannt wird. Aus der Opposition tönt indessen der Ruf nach Berlusconis Rücktritt, denn er sei "erpressbar" und schade dem Land. Auch Kirchenmänner in Italien äußern sich kritisch.

Berlusconi geht es inzwischen so wie Bill Clinton inmitten der Affäre um die im Oval Office des Weißen Hauses aktive Monica Lewinsky - auch wenn er im Ausland weilt, ist er gezwungen, sich zu den neuen Entwicklungen zu äußern. Vom EU-Gipfel in Brüssel aus schimpfte er am Freitag wütend über die konzertierte Aktion gegen ihn und protzte: "Wir haben den Müll in Neapel beseitigt, wir werden auch diesen Müll entsorgen." Derweil vergleichen ihn Kritiker mit dem römischen Kaiser Nero, der ausschweifende Feste feierte, während Rom brannte.

Und all das spitzt sich zu, während der G8-Gipfel der Staats- und Regierungschefs in der Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila immer näher rückt. In den Juli-Tagen des Gipfels wollte Berlusconi sein Italien doch eigentlich glänzen lassen, jetzt dürfte er zum Gespött werden. Mal abgesehen davon, dass seine Partei "Volk der Freiheit" (PdL) bei einigen der gerade laufenden kommunalen Stichwahlen womöglich noch die Zeche für die Eskapaden des Mannes zu bezahlen hat, ohne den es diese Partei gar nicht gäbe.

Vor allem jedoch bleibt die Frage, wie das nächste Kapitel im Ringen Berlusconis mit den "Machenschaften" der Gegner aussehen wird und ob das Weichen für seine Zukunft stellt.

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